Tides

Länge:
104 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
26.08.2021
Regie:
Tim Fehlbaum
Darsteller:
Nora Arnezeder (Blake), Sarah-Sofie Boussnina (Narvik), Iain Glen (Gibson), Bella Bading (Maila), Joel Basman (Paling) u. a.
Genre:
Science-Fiction , Thriller
Land:
Deutschland, Schweiz , 2021

Bereits vor zehn Jahren machte der in Basel geborene Filmemacher Tim Fehlbaum mit dem Endzeitthriller „Hell“, seinem Solodebüt als Regisseur, auf sich aufmerksam. Der von Hollywood-Schwergewicht Roland Emmerich („Independence Day: Wiederkehr“, „Stonewall“, „White House Down“) als ausführender Produzent betreute Streifen erschafft mit spärlichen Mitteln ein atmosphärisch starkes postapokalyptisches Dürreszenario. Angesichts dieses selbstbewussten Einstandes ist es erstaunlich, dass Fehlbaum lange gebraucht hat, um sein nächstes Projekt zu realisieren. Mit dem Science-Fiction-Beitrag „Tides“, der 2021 im Rahmen der Berlinale seine Weltpremiere feierte, unterstreicht der Schweizer sein Faible für dystopische Stoffe und liefert erneut eine interessante, wenn auch nicht fehlerfrei Leinwandarbeit ab.


Worum es im Film „Tides“ geht:


Viele Jahre nach einer globalen Katastrophe, die aus der Erde ein gigantisches, ständig von Überflutungen bedrohtes Wattenmeer gemacht hat, reist die junge Astronautin Blake zusammen mit einer kleinen Crew vom Planeten Kepler 209, auf den damals die Eliten fliehen konnten, zurück in unsere alte Heimat. Grund dieser zweiten Expedition – eine erste ging vor einiger Zeit verloren – ist die Hoffnung, die Erde wieder zu besiedeln, da die Menschen in ihrem neuen Lebensraum ihre Fruchtbarkeit verloren haben. Bei der Landung auf der zerstörten Erde kommt es allerdings zu Turbulenzen, die einzig Blake und ihr Kollege Tucker überstehen. Viel Zeit zum Sammeln bleibt den beiden nicht. Denn nur wenig später finden sie sich in den Fängen einer primitiv wirkenden Gruppe Überlebender wieder, die das Duo in eine ihrer Siedlungen verschleppt. Dass es in dieser verheerten Welt noch andere gefährliche Kräfte gibt, begreift Blake, als ihre Entführer selbst überfallen und verschleppt werden.


Ob sich ein Blick in „Tides“ lohnt?


Fehlbaums Händchen für bedrohlich-unheilvolle Stimmungen zeigt sich auch in „Tides“ von den ersten Momenten an. Den Absturz der kräftig durchgeschüttelten Kapsel erleben wir aus nächster Nähe, sind sofort im Geschehen drin und halten gespannt die Augen offen, als Blake das Raumgefährt verlässt, um die nebelige, feuchte Schlicklandschaft zu begutachten. Der Regisseur und Kameramann Markus Förderer, der auch „Hell“ eine visuelle Wucht verleihen konnte, finden im weiteren Verlauf immer wieder eindrucksvolle Endzeitbilder, denen stets etwas Bedrückendes anhaftet. In technischer Hinsicht hält sich der Science-Fiction-Thriller schadlos und beweist, dass eine deutsch-schweizerische Produktion mit höherpreisigen US-Werken konkurrieren kann.

Inhaltlich tun sich durchaus Parallelen zu anderen Genrevertretern auf. „Waterworld“, „Mad Max“ und „Oblivion“ kommen einem beispielsweise in den Sinn. Welche Wendungen die Handlung im Mittelteil nehmen wird, lässt sich oft vorhersagen. Hauptdarstellerin Nora Arnezeder („Angélique – Eine große Liebe in Gefahr“, „Paris, Paris – Monsieur Pigoil auf dem Weg zum Glück“) füllt ihre Rolle jedoch mit genügend Entschlossenheit und Tatendrang aus, damit wir Blakes Weg weiter verfolgen wollen. Bedauerlich ist es dennoch, dass Tim Fehlbaum und seine Koautorin Mariko Minoguchi („Mein Ende. Dein Anfang.“) den Charakterbogen ihrer Protagonistin etwas oberflächlich anlegen. Regelmäßig eingeflochtene Rückblenden verraten, dass die Expedition für sie nicht nur eine berufliche Herausforderung ist, sondern auch eine ganz persönliche Angelegenheit. Immerhin war ihr Vater Mitglied der verschollenen ersten Mission. Wie Blakes Glaube an die Ideale und das mantraartige Motto der Kepler-209-Bewohner („Für die Gemeinschaft“) erschüttert wird, hätte man noch genauer und emotional mitreißender nachzeichnen können. Auch über einige Facetten des postapokalyptischen Schauplatzes – unter anderem die sich auf der Erde durchschlagenden, „Muds“ genannten Menschen – würde man gerne etwas mehr erfahren. Der Film verschenkt zweifelsohne Potenzial, fällt aber nicht in sich zusammen. Erfolg wünscht man Fehlbaum und seinen Verbündeten schon deshalb, weil sie sich an ein Genre wagen, das in Deutschland ein stiefmütterliches Dasein fristet.

Christopher Diekhaus

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