Wo in Paris die Sonne aufgeht

Länge:
106 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Kinostart:
07.04.2022
Regie:
Jacques Audiard
Darsteller:
Noémie Merlant (Nora), Lucie Zhang (Emilié), Makita Samba (Camille), Jehnny Beth (Amber), Camille Léon-Fucien, Pol White
Genre:
Drama
Land:
Frankreich, 2021

Darum geht es in „Wo in Paris die Sonne aufgeht“:


Mit alldem, was der Stadt mit dem Eiffelturm so nachgesagt wird, hat das 13. Arrondissement zumindest auf den ersten Blick nur wenig zu tun. In dem Pariser Bezirk sieht man nämlich vor allem eines: verdammt unromantische Hochhäuser, die aus den 70ern stammen. Genau hier lebt Emilié, die zwar an einer Eliteuni studiert hat, aber nicht auf eine Karriere hofft, sondern sich mit Gelegenheitsjobs durchhangelt. Mehr als alles andere wünscht sich Emilié eine Beziehung. Bei der Suche nach einem Mitbewohner für ihre Wohnung stellt sich Camille bei ihr vor. Der Lehrer hat beruflich noch Pläne und will seinen Doktor machen. Die beiden landen direkt miteinander im Bett. Doch Camille will Unverbindlichkeit und so ist ihre Affäre bald wieder vorbei. Er zieht wieder aus. Eine Weile später begegnet Camille Nora. Sie ist die neue Kollegin in einer Immobilienagentur, in der er inzwischen arbeitet. Die beiden kommen sich näher. Doch nun ist es Nora, die Camille nicht weiter an sich ranlässt. Sie ist vom Land in die Großstadt gezogen, um ein Jurastudium zu beginnen. Doch als Kommiliton*innen sie für das Erotic-Camgirl Amber Sweet halten, dem sie ähnlich sieht, wird sie an der Uni wie online gemobbt, bis sie ihr Studium abbricht. Nora will wissen, wer Amber Sweet ist, und nimmt zu ihr Kontakt auf.


Warum der Film sehenswert ist?


Ich will dich, du willst mich nicht. Du willst mich, ich will dich nicht. – So wie die Wege von Emilié, Camille und Nora sich immer wieder kreuzen, könnte man „Wo in Paris die Sonne aufgeht“ auch als Beziehungsreigen bezeichnen. Denn eines zieht sich konsequent durch den Film: Mal sind sie sich näher, mal ferner. Zwar ist es mit Internet und Dating-Apps schnell möglich, Kontakt zu jemandem aufzubauen. Doch will man die Person wirklich kennenlernen oder ist es vielleicht doch nur die Angst vorm Alleinsein? Unsentimental wie berührend wird hier von Sehnsucht, vom Wunsch nach Berührung, von Momenten des Schmerzes und des Glücks erzählt. Wie ein Mosaik setzen sich diese Momente zusammen und ergeben ein ineinander verschlungenes großes Ganzes. Der Film basiert auf drei Graphic-Novel-Kurzgeschichten des amerikanischen Zeichners und Autors Adrian Tomine. Die Entscheidung, diese Geschichten nach Paris zu verlegen, prägt den Film stark. Und so ist das Stadtviertel selbst, das 13. Arrondissement, Les Olympiades genannt, wie eine weitere Hauptfigur der Geschichte – rauh, divers, mit Bewohnern aus den unterschiedlichsten Schichten. Dass Jacques Audiard („Der wilde Schlag meines Herzens“„Ein Prophet“) mit Céline Sciamma („Porträt einer jungen Frau in Flammen“) und Léa Mysius („Ava“) gemeinsam das Drehbuch schrieb, gibt dem Film glaubwürdige, starke weibliche Perspektiven. Zudem sind die Figuren ganz selbstverständlich divers besetzt.


Unser Fazit zu „Wo in Paris die Sonne aufgeht“:


In atmosphärisch starken Schwarz-Weiß-Bildern widmet sich „Wo in Paris die Sonne aufgeht“ dem Umgang mit Gefühlen. Das tut er glaubwürdig und federleicht zugleich.

Kirsten Loose

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FilmverleihNeue Visionen