Porträt einer jungen Frau in Flammen

Länge:
120 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
31.10.2019
Regie:
Céline Sciamma
Darsteller:
Noémie Merlant (Marianne), Adèle Haenel (Héloïse), Luàna Bajrami (Sophie), Valeria Golino (Mutter von Héloïse)
Genre:
Love Story , Drama
Land:
Frankreich, 2019

Als die junge Malerin Marianne im Jahr 1770 auf eine einsame Insel an der Küste der Bretagne kommt, steht sie vor einem besonders kniffligen Auftrag. Auf Bitten einer Adeligen soll sie ein Porträt von deren Tochter anfertigen, das die Vermählung mit einem Mann aus reichem Hause offiziell machen würde. Héloïse, so der Name der zukünftigen Braut, sperrt sich allerdings standhaft gegen die arrangierte Hochzeit mit einem Unbekannten und lehnt es ab, für das von ihrer Mutter gewünschte Bild Modell zu sitzen. Aus diesem Grund soll sich die nun eintreffende Marianne als ihre neue Gesellschafterin ausgeben, sie beobachten und schließlich abends aus dem Gedächtnis heimlich das Gemälde anfertigen. Nach anfänglichen Irritationen entwickelt sich zwischen den beiden Frauen eine starke Anziehung, die sich irgendwann entlädt.

Von der Pariser Banlieue der Gegenwart zu einer sturmumwehten Insel im 18. Jahrhundert: Nach ihrem mitreißenden Vorstadtdrama Mädchenbande meldet sich die französische Regisseurin Céline Sciamma mit einem ähnlich feinfühligen und klugen Film zurück, der 2019 in Cannes den Preis für das beste Drehbuch erhielt. Mariannes und Héloïses Geschichte erzählt von den Konventionen und Zwängen, die eine patriarchal geprägte Gesellschaft Frauen auferlegt, und bebildert einen – wenn auch nur kurzzeitigen – Ausbruch aus dem starren Korsett der Regeln. Wunderbar subtil, besonders über verstohlene und eindringliche Blicke, bringen Sciamma und ihre beiden Hauptdarstellerinnen die wachsende Zuneigung zum Vorschein und lassen die immer stärker werdenden Gefühle in erfrischend ungezwungenen Liebesszenen explodieren. Intimität und Leidenschaft sind hier mit Händen regelrecht greifbar. Berührend ist zudem das freundschaftliche Band, das zwischen den beiden Protagonistinnen und der Magd Sophie entsteht. Das Trio gibt sich Halt und bildet eine verschworene Gemeinschaft gegen die Fesseln der damaligen Zeit. Der kunstvolle Aufbau des unaufgeregten Drehbuchs zeigt sich vor allem gegen Ende, wenn in einem versteckten Hinweis deutlich wird, wie tief die Empfindungen sind. „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ besticht nicht nur durch seine inhaltlichen und darstellerischen Qualitäten. In Erinnerung bleiben auch die sorgsam komponierten, statischen, manchmal wie Gemälde wirkenden Bilder und der kluge, atmosphärische Einsatz von Tönen aus der natürlichen Umgebung des rauen, aber schönen Inselsettings.

Christopher Diekhaus

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