Wild Republic

Serienstart:
15.04.2021
Staffel:
1
Folgen:
8
Länge der Folgen:
46 bis 52 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Regie:
Markus Goller, Lennart Ruff
Darsteller:
Emma Drogunova (Kim), Merlin Rose (Ron), Maria Dragus (Lindi), Béla Gabor Lenz (Justin), Rouven Israel (Marvin), Aaron Altaras (Can), Camille Dombrowsky (Jessica), Luna Jordan (Steffi), Anand Batbileg (Hiro), Verena Altenberger (Rebecca) u. a.
Genre:
Abenteuer , Jugend
Land:
Deutschland/ Italien, 2021

Während sich unser Leben zunehmend digital abspielt, scheint gerade die Wildnis eine immer größere Faszinationskraft auf Serienschöpfer auszuüben. Nachdem Amazon mit „The Wilds“ erst kürzlich eine Gruppe von Mädchen auf einer einsamen Insel stranden ließ, um im Rahmen eines Experimentes Ihre Stärken hervorzuholen, zieht nun Magenta TV nach: "Wild Republic" führt eine Gruppe von jugendlichen Straftäter:innen in die Wildnis der Berge – als Teil einer therapeutischen Maßnahme. Denn der Überlebensmodus soll die kriminellen Gewohnheiten aufbrechen, eine neue Selbstwirksamkeit entfalten und darüber hinaus der Gesellschaft zeigen, dass es bessere Wege gibt als das sowieso bloß vermeintlich wirksame Konzept der Bestrafung. Nur geht der Versuch gnadenlos nach hinten los, als in einer der ersten Nächte der Bergführer tot aufgefunden wird und sich das Experiment verselbstständigt.


Was dich in der ersten Staffel der Serie „Wild Republic“ erwartet:


Die von den beiden deutschen Regisseuren Markus Goller („25 km/h“, „Friendship!“) und Lennart Ruff („Titan – Evolve or Die“) inszenierte Serie startet sehr bedächtig und geordnet. So macht Gruppenleiterin Rebecca am Anfang von „Wild Republic“ noch deutlich, dass die Maßnahme strengen Regeln folgt, die auch bedingungslos eingehalten werden müssen. Im Angesicht der Alpen kaum aus dem Bus gestiegen, wird der Erste bereits nach Hause geschickt, weil er eine kleine Schlägerei vom Zaun gebrochen hat.

Doch während Rebecca und die andere Betreuer:innen die Gruppe zunächst gut unter Kontrolle haben, eskaliert die Situation, als ihr Bergführer mitten in der Nacht tot aufgefunden wird. Natürlich werden sofort die Jugendlichen verdächtigt, die ja sowieso schon ihren Stempel weghaben. In Panik-Reaktion setzen sie sich gegen ihre Aufpasser:innen zur Wehr und fliehen in die Wildnis. Wobei sie Rebecca als Sicherheit mitnehmen und erst ein paar Tage später wieder freilassen. Je länger sie sich in den Bergen bewegen, desto wohler fühlen sie sich in ihren neuen Rollen und in der Gemeinschaft, die sich zwischen ihnen gebildet hat. Eine offenbar längst vergessene Höhle mit Vorräten bietet sogar die Chance auf ein neues Zuhause. Nur müssen sie schon bald feststellen, dass ein gesundes Miteinander und Gerechtigkeit auch in dieser kleinen Welt alles andere als leicht umzusetzen sind. Und so droht das gerade erst entstandene Gruppengefühl wieder zu zerbrechen und in gefährliche Machtkämpfe auszuarten. Außerdem wissen sie nicht, dass unter ihnen auch ein Psychopath ist, der eigentlich gar nicht da sein dürfte.


Warum sich die Serie „Wild Republic“ auf jeden Fall lohnt:


„Hier oben sind wir das, was wir tun. Das ist eigentlich perfekt.“ Mit diesen Worten bringt Ron auf den Punkt, welche Chance sich ihnen mit ihrer Flucht eröffnet hat. Denn in der Gesellschaft lässt sich eine kriminelle Vergangenheit nicht abschütteln, dort sind sie gebrandmarkt und werden ihr Leben lang diejenigen sein, die bei Vorfällen als Erste verdächtigt werden. Aber hier oben haben sie alle eine Vergangenheit, die bedeutungslos ist, solange sie sich nicht selbst davon beherrschen lassen. Nur ist es natürlich genau das, was schließlich passiert: Die Gruppe wechselt immer wieder schlagartig zwischen einem beeindruckenden Team-Gefühl und dem Zurückrutschen in alte Rollen. Die mehr als genug Zündstoff mit sich bringen, um die Lage schließlich komplett eskalieren zu lassen.

Wie diese Altlasten genau aussehen, erfahren wir von Folge zu Folge neben der eigentlichen Story. Denn wie bereits „Lost“ vor vielen Jahren führt uns „Wild Republic“ über Rückblicke durch die sehr unterschiedlichen Lebensrealitäten der Charaktere: Beispielsweise Kim, die erst durch eine unglückliche Romanze, häusliche Gewalt und eine von außen erzwungene Abtreibung in die Kriminalität gerutscht ist. Oder Ron, der von seinem einflussreichen Vater wiederholt in das gutbürgerliche System zurückgedrängt wird, das er im Grunde seines Herzens verachtet und bekämpft. Und der sehr unter dem Selbstmord seiner Mutter leidet. Dabei haben nicht nur die Jugendlichen ihre Päckchen zu tragen, sondern auch Rebecca und ihr Freund Lars, der sich als eigentlicher Initiator der Maßnahme ebenfalls auf den Weg in die Berge macht, um die Polizei bei der Suche zu unterstützen und seine Freundin zu retten.

Alles in allem ist das Konzept hinter „Wild Republic“ alles andere als neu – dafür richtig gut umgesetzt. Nach dem ruhigen Einstieg nimmt die Serie ganz schön an Fahrt auf und schafft es überraschend gut, mit steigender Geschwindigkeit in intensive Momente hineinzugleiten und dann wieder etwas auf Abstand zu gehen – um schließlich erneut an Tempo aufzunehmen. Auf der einen Seite durch die starken Charaktere und die krasse Eigendynamik innerhalb der Gruppe, die uns zunehmend ins Geschehen hineinzieht. Und zum anderen dadurch, dass sich während der Suchaktion auch innerhalb der italienischen Berggemeinschaft dunkle Geheimnisse abzeichnen. Wie gut „Wild Republik“ am Ende all die aufkommenden Rätsel beantworten kann, muss sich noch zeigen. Vom bisherigen Eindruck der ersten Staffel kann die deutsche Serie auf jeden Fall bedenkenlos mit der internationalen Konkurrenz mithalten.

Marius Hanke

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Streaming-Anbieter

Angaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (18. Woche 2021).