Moon Knight

Serienstart:
30.03.2022
Staffel:
1
Folgen:
6
Länge der Folgen:
40-50 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
keine Angabe
Regie:
Mohamed Diab, Justin Benson, Aaron Moorhead
Darsteller:
Oscar Isaac (Steven Grant/Marc Spector/Moon Knight), Ethan Hawke (Arthur Harrow), May Calamawy (Layla), F. Murray Abraham (Originalstimme Khonshu), Lucy Thackeray (Donna) u. a.
Genre:
Abenteuer , Action , Drama , Fantasy
Land:
USA, 2022

Die Marvel-Leinwandreihe ist eine gut geölte Maschine. Regelmäßig werfen die Macher*innen um Strippenzieher Kevin Feige unterhaltsame Blockbuster auf den Markt und erzielen damit satte Gewinne. Experimente wagen sie in den Filmen jedoch selten. Anders sieht das bei einigen der auf Disney+ veröffentlichten Serienableger aus. Besonders „WandaVision“ überraschte. Ungewöhnlich ist auch die neueste Streaming-Produktion „Moon Knight“, in der ein Antiheld mit dissoziativer Identitätsstörung – umgangssprachlich oft als gespaltene Persönlichkeit bezeichnet – im Mittelpunkt steht.


Worum es in „Moon Knight“ geht:


Die Nächte sind für Steven Grant eine Qual. Und dummerweise weiß er nicht einmal genau, warum. Merkwürdige Blackouts und Visionen suchen den in einem Museumsgiftshop arbeitenden Bücherwurm immer wieder heim. Weil er schon mehrfach an anderen Orten als seinem Bett erwacht ist, kettet er sich mittlerweile abends an einen Pfosten in seiner Wohnung. Trotzdem wacht er jeden Morgen schwer gerädert auf. Was das alles zu bedeuten hat? Keine Ahnung! Als Steven urplötzlich in einem malerischen Alpendorf landet, glaubt er, seinen Ohren und Augen nicht trauen zu können. Die gottgleiche Stimme, die dort zu ihm spricht, verwirrt ihn ebenso wie die sektenartige Zeremonie, die ein Mann namens Arthur Harrow leitet. Zu allem Überfluss muss Steven kurz darauf auch noch die Flucht ergreifen, da er auf einmal im Besitz eines mächtigen Artefakts ist, das Harrow einfordert. Nur wenig später, zurück in seinem richtigen Leben, läuft der Museumsmitarbeiter Arthur und seinen Handlangern erneut über den Weg und gelangt zu einer beunruhigenden Erkenntnis: Seinen Körper teilt sich Steven mit dem Söldner Marc Spector, der dem ägyptischen Mondgott Khonshu zu Diensten ist. Dank diesem kann Marc in das Kostüm des übermenschlich starken Moon Knight schlüpfen. Und jetzt soll er sich Harrows Plänen in den Weg stellen. Der auf einen magischen Gehstock gestützte Guru betet nämlich die Göttin Ammit an und will mit ihrer Hilfe alles Böse aus der Welt vertreiben – das allerdings mit fragwürdigen Methoden. Steven und Marc müssen sich wohl oder übel zusammenraufen, unterstützt werden sie auf ihrer Reise von Spectors Noch-Ehefrau Layla.


„Moon Knight“ mit Licht und Schatten:


Ein Antiheld mit einer Identitätsstörung? Das gab's im Marvel-Universum bisher nicht. Und mehr noch: Die Comicfigur bietet Showrunner Jeremy Slater („The Umbrella Academy“) die Möglichkeit, den sonst oft klaren Gegensatz von Gut und Böse aufzuweichen. Während Steven sanftmütig, freundlich, tollpatschig und etwas naiv auftritt, ist Marc grimmig, unerschrocken und zu allem bereit. Oscar Isaac hat sichtlich Spaß, die grundverschiedenen Persönlichkeiten darzustellen, und besitzt die nötige Klasse für diese Aufgabe. In der Rolle des nerdigen Mythologie-Experten Steven bewegt er sich manchmal aber an der Grenze zur Karikatur. Dennoch ist es spannend, wie er zwischen den Charakteren hin- und herswitcht. Eindruck hinterlässt in den ersten vier Episoden, die der Presse vorab gezeigt wurden, auch Ethan Hawke als rätselhafter Gegenspieler. Arthur Harrow spricht oft mit leicht brüchiger Stimme, lässt sich nur selten aus der Ruhe bringen und wirkt gerade deshalb bedrohlich. Sein an Steven Spielbergs Science-Fiction-Thriller „Minority Report“ erinnerndes Ziel, böse Taten zu verhindern, bevor sie geschehen sind, klingt vielversprechend. Der Weg dorthin ist aber äußerst zweifelhaft. Hier und da wirft die erfreulich divers aufgestellte Serie sogar philosophische Fragen auf.

Übrigens: Die Leiden, die durch die psychische Erkrankung des Protagonisten entstehen, fallen in „Moon Knight“ nicht unter den Tisch. Etwas genauer hätten die kreativen Köpfe seine besondere Verfassung dennoch beleuchten können. Mehr Gewicht legen sie dann doch auf die visuellen und inszenatorischen Möglichkeiten der Identitätsstörung. Abrupte Ortswechsel und die Idee, Steven und Marc fast ausschließlich durch Spiegel oder andere reflektierende Gegenstände kommunizieren zu lassen – Headautor Jeremy Slater und die Regisseure Mohamed Diab („Kairo 678“), Justin Benson und Aaron Moorhead (gemeinsam verantwortlich für „The Endless“ und „Spring – Love Is a Monster“) feuern aus allen Rohren, um Stevens/Marcs Erleben zu veranschaulichen.

Weniger souverän wirkt allerdings das ständige Springen zwischen komplett gegensätzlichen Stimmungen und Tönen. Klassische Horrorelemente treffen auf spannungsgeladene Action- und Abenteuerszenen im Stile von Indiana Jones und vermischen sich teilweise mit albernen Humoreinlagen. Eine klare Linie sieht anders aus. Und gerade die in Marvel-Werken scheinbar unvermeidlichen witzigen Auflockerungen passen nur bedingt zur eigentlich düsteren Geschichte. Nach zwei Dritteln der Laufzeit ist das Urteil daher nicht ganz zufriedenstellend. Wahr ist aber auch: Am Ende der vierten Folge wartet ein Twist, der richtig Lust auf die noch ausstehenden Episoden macht!

Christopher Diekhaus

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Streaming-Anbieter

Angaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (13. Woche 2022).