Vox Lux

Länge:
115 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
25.07.2019
Regie:
Brady Corbet
Darsteller:
Raffey Cassidy (Celeste als Teenager/Albertine), Natalie Portman (Celeste als Erwachsene), Stacy Martin (Eleanor), Jude Law (Manager), Jennifer Ehle (Josie)
Genre:
Drama , Musikfilm
Land:
USA, 2018

Im Jahr 1999 wird die Schülerin Celeste von einer schrecklichen Tragödie heimgesucht. Am ersten Tag nach den Ferien kommt es in ihrem Klassenzimmer zu einem Amoklauf, den sie schwer verletzt überlebt. Gerade erst halbwegs genesen, tritt die Jugendliche gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Eleanor bei einer Gedenkfeier für die Toten auf und berührt mit einem Lied, das die beiden selbst geschrieben haben, alle Welt. Der Song entwickelt sich zu einem Hit, und nur wenig später steht ein umtriebiger Musikmanager auf der Matte, der Celeste unbedingt unter seine Fittiche nehmen will. Ohne genau zu begreifen, was mit ihr geschieht, steigt sie schließlich zu einem gefeierten Popstar auf, der den destruktiven Reizen der Unterhaltungsbranche mehr und mehr erliegt. Nach diversen Skandalen und einem handfesten Karriereknick möchte Celeste im Alter von 31 Jahren mit einem neuen Album noch einmal richtig angreifen.


Schon mit seinem Regiedebüt „The Childhood of a Leader“, das das Heranwachsen eines fiktiven Diktators beschreibt, demonstrierte der als Schauspieler bekannt gewordene Brady Corbet (unter anderem zu sehen in „Escobar – Paradise Lost“, „Melancholia“ und „Martha Marcy May Marlene“) sein Streben nach eher unkonventionellen Leinwandarbeiten. „Vox Lux“ erzählt im Kern zwar eine bestens vertraute Geschichte von den Schattenseiten des Showgeschäfts. In vielen kleinen Details – erzählerischer und formaler Natur – hebt sich das frei erfundene Drama um Celeste allerdings von den meisten ähnlich gelagerten Filmen ab. Eine originelle Note bekommt der Blick in die Abgründe des Star-Daseins schon durch den höchst ungewöhnlichen Karrierestart der Protagonistin. Immerhin ist ihr Aufstieg untrennbar verbunden mit dem Blutbad an ihrer Schule, das der Jugendlichen ein markantes Image auf den Leib schreibt. Obwohl ihre Schwester deutlich mehr musikalisches Talent besitzt, bleibt es Celeste vorbehalten, die Herzen der Menschen zu erobern und die großen Bühnen zu stürmen.


Corbet illustriert nicht nur die Mechanismen der gefräßigen Unterhaltungsindustrie, sondern befasst sich auch mit anderen spannenden Fragen: Welche Faszination üben blutige Gewalttaten auf die Massen aus? Wie werden im Rampenlicht stehende Personen vereinnahmt? Welche Auswüchse hat der Celebrity-Kult mittlerweile erreicht? Und was macht es mit einem jungen Mädchen, wenn es nicht die Zeit bekommt, sein erlittenes Trauma zu verarbeiten? „Vox Lux“ nimmt sich eine Menge vor – und wirkt mitunter etwas überladen. Nichtsdestotrotz entwickelt Corbets zweiter Spielfilm einen eigenwilligen Sog, was auch mit seiner experimentellen Gestaltung zusammenhängt. Gegliedert ist das Fake-Biopic in mehrere Kapitel, die bedeutungsschwere Namen tragen. Ein in der Originalfassung von Willem Dafoe gesprochener Erzähler begleitet erklärend das Geschehen. Manche Passagen werden im Zeitraffer wiedergegeben. Und nicht wenige Szenen bleiben länger stehen als gewöhnlich. Auch wenn einige Entscheidungen des Regisseurs ein wenig wichtigtuerisch erscheinen, entfaltet das herausfordernde Drama dank seiner beiden Hauptdarstellerinnen zuweilen eine rohe Kraft. Raffey Cassidy überzeugt als überforderter, plötzlich im Rampenlicht stehender Teenager, während Oscar-Preisträgerin Natalie Portman als erwachsene Celeste einen furiosen Auftritt hinlegt. Manchmal ist ihre lustvoll überdrehte Performance allerdings derart zügellos, dass alles andere um sie herum zu verblassen droht.

Christopher Diekhaus

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