Tully

Länge:
96 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
31.05.2018
Regie:
Jason Reitman
Darsteller:
Charlize Theron (Marlo), Mackenzie Davis (Tully), Ron Livingston (Drew), Mark Duplass (Craig)
Genre:
Tragikomödie , Familienfilm , Drama
Land:
USA, 2018

Marlo und Drew erwarten ihr drittes Kind. Tochter Sarah ist acht, alterstypisch genervt von der Schule und kommt langsam in die Vorpubertät. Sohn Jonah ist fünf, zeigt autistische Züge und eckt in der Vorschule so oft an, dass Marlo regelmäßiger Gast der Direktorin ist. Noch ist Marlo im Mutterschutz, die elterliche Aufgabenteilung klappt im Rahmen der Möglichkeiten und so freuen sie sich auf den Familienzuwachs. Drew hat beruflich gerade ein neues Projekt bekommen und auch wenn er im Vergleich zu Marlos Bruder Craig nicht gerade gut verdient, kommt die Familie zurecht. Craig ist ein Angeber, dem alles zu gelingen scheint. Auch er ist dreifacher Familienvater und er liebt seine Schwester durchaus. Darum schenkt er ihr zur Geburt ein etwas ungewöhnliches Präsent: Eine Nacht-Nanny, die abends kommt und morgens geht und dafür sorgen soll, dass Marlo genügend Schlaf bekommt. Marlo findet die Idee absurd, geht jedoch nach der Geburt bald derart auf dem Zahnfleisch, dass sie doch auf das Angebot zurückkommt. Tully, die Nanny, entpuppt sich als große Überraschung: sie ist jung, entspannt und betreut nicht nur das Baby, sondern gleich auch die Mutter mit großem Elan. Marlo blüht auf, gewinnt neue Kraft und schafft plötzlich wieder Dinge, die sie längst verloren glaubte. Aber die Zeit mit Tully geht eines Tages unweigerlich zu Ende und dieser Tag wird für Marlo zur größten Herausforderung ihres bisherigen Lebens.

In Juno erzählte Jason Reitman mit Humor und Dramatik von einer sehr jungen Mutter. In „Tully“ greifen er und seine Autorin Diablo Cody das Elternthema aus einer anderen Perspektive auf. Hier wie da liegt ihre Genialität in der Detailgenauigkeit, mit der sie alltägliche, kleine Situationen in kinogerechte Größe verwandeln. Bereits nach wenigen Szenen ist der Zuschauer mittendrin in einer „normalen“ Familie, deren Stärken und Schwächen hinter Zeitdruck und Management-Problemen zu verschwinden scheinen. Charlize Theron, die bereits in Monster bewies, dass sie keinerlei Scheu hat, ihren Körper der Rolle unterzuordnen, spielt die Milch-abpumpende, Windeln-wechselnde, rundum zwar routiniert agierende, jedoch absolut überforderte Marlo so großartig, dass man allen Müttern sofort unter die Arme greifen möchte. Ihre Spielpartnerin Mackenzie Davis (Freaks of Nature) überzieht gelegentlich ihre Darstellung der emotional und energetisch in die Familie eintauchende Tully. Aber gerade das macht sie so unverzichtbar. Selten gibt es solche Filme, die einen normalen Alltag so spannend, berührend und tragikomisch inszenieren. Eigentlich ist dieser Film ein Muss für alle, die Familie haben.

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