The Woman King

Länge:
135 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Kinostart:
06.10.2022
Regie:
Gina Prince-Bythewood
Darsteller:
Viola Davis (Nanisca), Thuso Mbedu (Nawi), Lashana Lynch (Izogie), Sheila Atim (Amenza), John Boyega (König Ghezo) u. a.
Genre:
Action , Historienfilm , Drama
Land:
USA, 2022

Todesmutig und mit lautem Gebrüll dürfen sich im Historienkino fast immer nur Männer in die Schlacht stürzen. Für mehr Gleichberechtigung tritt nun das von wahren Begebenheiten inspirierte Actiondrama „The Woman King“ ein, in dem sich alles um die real existierende Agojie-Truppe, eine rein weibliche Eliteeinheit aus dem einstigen westafrikanischen Königreich Dahomey, dreht. US-Schauspielerin Maria Bello wurde während einer Reise nach Benin auf diese ungewöhnliche Kampfgarde aufmerksam und stellte trotz massiver Widerstände in Hollywood – die Studios hielten etwa eine komplett schwarze Besetzung für Kassengift – als Produzentin einen rund 50 Millionen Dollar schweren Film auf die Beine.


Worum es in „The Woman King“ geht:


Im Jahr 1823 ziehen im Königreich Dahomey dunkle Wolken auf. Nicht länger ist der junge Herrscher Ghezo bereit, die Unterdrückung durch das Oyo-Imperium hinzunehmen, das ihm harte Tribute abpresst und seine Leute terrorisiert. Generalin Nanisca, die Anführerin der Agojie-Einheit, weist er schließlich an, sich auf den Ernstfall vorzubereiten. Neue junge Frauen werden daraufhin rekrutiert und müssen eine anspruchsvolle Ausbildung durchlaufen, um am Ende tatsächlich im Kreis der Soldatinnen zu landen. Unter die Anwärterinnen mischt sich auch die willensstarke Nawi, deren Eltern vergeblich versucht haben, sie zu verheiraten. Dass eine echte Kämpferin in ihr steckt, merken Lehrmeisterin Izogie und Befehlshaberin Nanisca schnell. Was allerdings niemand ahnt: Die Neue und die Generalin stehen in einer besonderen Beziehung.


Warum sich der Film trotz Schwächen lohnt:


Eine geheimnisvolle, mythische Aura umweht die Agojie-Kriegerinnen schon in den ersten Minuten. Geräuschlos und hochkonzentriert tauchen sie langsam aus der Dunkelheit, aus dem Dickicht auf und überraschen ein feindliches Lager, in dem sich Gefangene befinden. Dass die weibliche Kampftruppe gleichermaßen gefürchtet und verehrt wird, zeigt sich wenig später am Hof von König Ghezo. Die Bewohner*innen Dahomeys sollen in Gegenwart von Nanisca und ihren Mitstreiterinnen ihre Blicke senken. Und im Palast haben die Soldatinnen einen eigenen Bereich, den niemand anders betreten darf. Trotz dieser Privilegien gehören sie aber nach wie vor einem patriarchalisch geprägten System an. Ein System, in dem junge Frauen gegen ihren Willen verheiratet werden. Nawi, die von außen kommt, nimmt die Zuschauer*innen an die Hand, ist unsere Identifikationsfigur, taucht mit uns in den Agojie-Kosmos ein. Mehr noch als ihre Entwicklung bestimmt den Film jedoch die traumatische Geschichte Naniscas, deren Verbindung zu der jungen Rekrutin vielleicht ein bisschen zu erzwungen wirkt.

Vor allem schauspielerisch entfaltet „The Woman King“ eine enorme Wucht. Oscar-Preisträgerin Viola Davis, die in den letzten Jahren viele starke, facettenreiche Frauenrollen verkörpert hat, balanciert Autorität und Verletzlichkeit eindringlich aus. Thuso Mbedu, die tragende Kraft der famosen Miniserie „The Underground Railroad“, beweist einmal mehr, welche darstellerische Bandbreite sie abdecken kann. Besonders eindrucksvoll agiert zudem Lashana Lynch, die in ihrer Figur wunderbar Härte, Durchsetzungsfähigkeit und echte Wärme bündelt. Überzeugend ist auch die Arbeit von Regisseurin Gina Prince-Bythewood, die die Actionpassagen mit Schmackes inszeniert und im Getümmel stets den Überblick behält. Dynamisch und kernig, aber nicht hyperaktiv – so lassen sich die Kampfsequenzen auf den Punkt bringen. Einige Schwächen erlaubt sich das Historiendrama allerdings beim Drehbuch: Manche Denk-an-deine-Ehre-Parolen sind ärgerlich platt. Und einige Erzählbausteine riechen dann doch zu sehr nach Hollywood-Standard. Überflüssig sind neben dem – wenn auch zurückhaltenden – Liebesstrang rund um Nawi die komplett an der Oberfläche bleibenden Intrigen in Ghezos Palast. Statt solche Elemente voranzutreiben, hätte der Film besser die (gesellschaftlichen) Strukturen Dahomeys und den Aufbau der Agojie-Truppe noch etwas genauer beleuchten können. Diese beiden spannenden Punkte kommen nämlich manchmal ein wenig zu kurz.

Christopher Diekhaus

Anbieter

FilmverleihSony Pictures Entertainment