Ein ganz gewöhnlicher Held (The Public)

Länge:
120 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 0 Jahren
Kinostart:
25.07.2019
Regie:
Emilio Estevez
Darsteller:
Emilio Estevez, Christian Slater, Alec Baldwin, Taylor Schilling, Michael K. Williams
Genre:
Drama , Politischer Film
Land:
USA, 2019

Die letzten Stunden vor Robert Kennedys Tod (Bobby, 2006) und der lange Weg nach Santiago de Compostela (Dein Weg, 2010) – die jüngsten Werke von und mit Multitalent Emilio Estevez sind schon ein paar Jährchen her. Jetzt lässt der Tausendsassa einen neuen Film folgen: „Ein ganz gewöhnlicher Held“ erzählt von einer langen Nacht in Cincinnati. Mit dabei: Alec Baldwin, Christian Slater, Michael K. Williams und OITNB-Star Taylor Schilling.


Eine Kaltwetterfront fegt über die Millionen-Metropole Cincinnati hinweg. Die Unterkünfte für Obdachlose sind überfüllt – und bieten doch nicht genug Platz für alle. Der Bibliothekar Stuart sieht die armen Seelen auf dem Weg zur Arbeit am Straßenrand bibbern. Er kennt ihre Namen, Sorgen und Marotten, denn viele von ihnen verbringen den Tag bei Stuart und seinem Team, in der öffentlichen Stadtbibliothek. Als es eines Feierabends zu verdammt kalt draußen ist, beschließen die Obdachlosen, sich in der Bibliothek zu verbarrikadieren. Was im Sinne einer Occupy-Idee beginnt, wird bald wie eine Geiselnahme behandelt – und Stuart muss verhindern, dass die friedliche Aktion in Gewalt ausartet.


Wenn sich die gesellschaftlich Ausgeschlossenen im öffentlichen Raum einschließen und die Essensausgabe in der Abteilung „Sozialwissenschaften“ einrichten, dann ist das Genre klar gesetzt. „Ein ganz gewöhnlicher Held“ ist kein ganz gewöhnliches Geiseldrama in der Tradition von „Verhandlungssache“ (1998). Verhandelt wird zwar jede Menge und mit munteren Spitzen, doch der Thrill eines Captain Phillips (2013) und Wendungen à la Inside Man (2006) bleiben aus. Denn nicht vergessen, es ist ja keine Geiselnahme! Stattdessen: Ein handfestes Gesellschaftsdrama, arm gegen reich, warm gegen kalt. Die Bitte der einfachen Leute lautet: Wir möchten nicht erfrieren. Diese Forderung konfrontiert Estevez mit auf Wahlkampf gebürsteten Politikern und einer nach Schlagzeilen lechzenden Reporterin und wirft sich selbst als gutes Gewissen dazwischen.


Dass die rund zweistündige Handlung zuweilen etwas zäh voranschreitet ist Teil des Konzepts und mag allenfalls bei falscher Erwartungshaltung stören. Auch ist „Ein ganz gewöhnlicher Held“ trotz starken Casts kein Ensemble-Spektakel wie einst „Bobby“ – und bietet dennoch mehr Figuren, als sich in der Dauer mit Tiefgang behandeln lassen. Während also nur Estevez und Baldwin sich schauspielerisch austoben dürfen, sind alle anderen eher Funktionsträger in einer Übung zivilen Ungehorsams, wie sie der Schriftsteller Thoreau (der in der Bibliothek mit Sicherheit dabei ist) gewiss gefeiert hätte. Oh, und dass ausgerechnet Taylor Schilling (aka Piper Chapman) „wir sehen uns im Knast" sagen darf, ist nur einer von erstaunlichen vielen amüsanten Momenten in diesem Film, der trotz schwerer Kost den Humor nicht vergisst. Da verzeiht man die Prise Pathos am Ende doch gerne.

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