The Lodge

Länge:
112 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Kinostart:
06.02.2020
Regie:
Severin Fiala, Veronika Franz
Darsteller:
Riley Keough (Grace), Lia McHugh (Mia), Jaeden Martell (Aiden), Richard Armitage (Richard), Alicia Silverstone (Laura)
Genre:
Thriller , Horror , Drama
Land:
USA, Großbritannien, Kanada, 2020

Wenn Partnerschaften auseinandergehen, gibt es nicht selten böses Blut. Während Richard mit seiner Ehe abgeschlossen hat, trauert seine tief verletzte Gattin Laura ihrer Beziehung hinterher und bringt sich in ihrer Verzweiflung um. Ein traumatisches Ereignis, das Richards Kinder Mia und Aiden erst recht gegen Grace, die neue Freundin ihres Vaters, aufbringt. In ihren Augen ist die junge Frau, die schon bald ihre Stiefmutter werden soll, ganz allein für Lauras Tod verantwortlich. Um das feindselige Verhältnis etwas zu entspannen, plant Richard über Weihnachten einen gemeinsamen Urlaub im Ferienhaus der Familie. Mia und Aiden können dieser Idee allerdings rein gar nichts abgewinnen und zeigen Grace die kalte Schulter, obwohl sie sich nach der Ankunft um ein friedliches Miteinander bemüht. Als Richard beruflich für eine paar Tage in die Stadt zurückfährt, kommt es in der einsam gelegenen Hütte plötzlich zu ersten seltsamen Ereignissen. Nach und nach wird Grace, die vor vielen Jahren als Einzige den Massensuizid einer christlichen Sekte überlebte, von einer wachsenden Verunsicherung erfasst.

Dass Kinder eine unangenehme Aura haben können, bewies das Regiegespann Veronika Franz und Severin Fiala bereits in seinem beklemmenden Spielfilmdebüt Ich seh, ich seh, dem sogar internationale Aufmerksamkeit zuteilwurde. Mit „The Lodge“ legen die beiden Österreicher für die legendäre Horrorschmiede Hammer Films nun eine englischsprachige Gemeinschaftsarbeit vor und bleiben dabei ihrem atmosphärischen Ansatz treu. Wer sich nur dann gut unterhalten fühlt, wenn in einem Schauerstreifen ständig irgendetwas mit lautem Tusch ins Bild springt, wird hier sicherlich nicht glücklich werden. Franz und Fiala, die zusammen mit Sergio Casci auch das Drehbuch schrieben, lassen es einmal mehr betont ruhig angehen und konzentrieren sich vor allem darauf, ein frostiges Klima der Ungewissheit zu erzeugen. Gibt es für die unheimlichen Vorgänge im Landhaus eine übernatürliche Erklärung? Führen Mia und Aiden etwas im Schilde? Oder bildet sich Grace, die plötzlich wieder von ihren früheren Erlebnissen verfolgt wird, vieles nur ein? Ist man bereit, die zumindest fragwürdige Grundkonstellation zu akzeptieren (Welcher Vater würde nach dem Selbstmord seiner Ex-Frau seine Kinder mit der ungeliebten neuen Partnerin mitten im Nirgendwo ohne Auto allein lassen?), kriecht einem die bedrohliche Stimmung unaufhaltsam in die Knochen. Die Auflösung dürfte zwar nicht für riesige Verblüffung sorgen. Und emotional holen die Regisseure aus ihrer um schwere Traumata kreisenden Geschichte nicht alles heraus. Der Weg zum bitteren Finale ist allerdings gespickt mit zahlreichen einprägsamen Bildern, in denen Kameramann Thimios Bakatakis (The Killing of a Sacred Deer, Una und Ray, The Lobster) geschickt ein schwer fassbares Unbehagen heraufbeschwört. Eine Gänsehaut verbreiten besonders die Aufnahmen aus Mias Puppenhaus, dessen Innenleben die Geschehnisse in der eingeschneiten Ferienhütte zu spiegeln scheint. Auch wenn dieser Kniff stark an Ari Asters bereits 2018 veröffentlichtes Horrordrama Hereditary – Das Vermächtnis erinnert, verfehlt er seine Wirkung nicht.

Christopher Diekhaus

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