Liebesdings

Prädikat besonders wertvoll
Länge:
99 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 12 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
07.07.2022
Regie:
Anika Decker
Darsteller:
Elyas M’Barek (Marvin Bosch), Lucie Heinze (Frieda), Peri Baumeister (Sammy), Denis Moschitto (Hakan), Alexandra Maria Lara (Bettina Bamberger), Rick Kavanian (Rainer), Maren Kroymann (Zelda)
Genre:
Komödie , Love Story
Land:
Deutschland, 2021

Worum geht es im Film „Liebesdings“?


Er ist der Superstar in Deutschland, Sex-Symbol und beliebtester Schauspieler: Marvin Bosch. Frieda betreibt ein kleines, feministisches Theater, wo Stand-Up Comedians auftreten und jede*r willkommen ist. Hier gibt sie ihren Senf zur aktuellen Sexismus-Debatte dazu und es wird die ein oder andere ironische Tampon-Tanzeinlage vollführt. Während der erfolgsverwöhnte Marvin von allen Seiten gepampert wird, kämpft Frieda mit ihrer kleinen liebevollen Theaterfamilie ums Überleben, denn die geliebte Spielstätte steht kurz vor dem Aus. Durch Verwicklungen und einen handfesten Skandal um Marvin treffen die beiden aufeinander. Das kann nicht gut gehen – oder doch? Was keiner weiß: Marvin selbst hat die Schnauze voll von der Rolle, die ihm zugeschrieben wird und nichts mit seinem Innenleben zu tun hat. Dass er eigentlich in einer Sinnkrise steckt und ihn ein dunkles Kapitel seiner Vergangenheit verfolgt, kann Frieda nicht ahnen. Marvins bester Kumpel Hakan und seine Managerin Sammy sind immer an seiner Seite. Sie leben ein exklusives Leben und sind alle doch nicht glücklich. Die Drei verbindet ein traumatisches Erlebnis aus ihrer von wenig Geld und vielen Problemen geprägten Jugendzeit.

Drehbuch und Regie hat Anika Decker zu verantworten, die schon die Bücher zu deutschen Komödien wie „Keinohrhasen“ oder „Rubbeldiekatz“ verfasste. Hier versucht sie sich an einem Schlagabtausch zwischen zwei ungleichen Menschen und lässt viel Berlin-Atmosphäre mit einfließen.


Lohnt sich der Film für dich?


Klischees und Übertreibungen sind in romantischen Komödien natürlich erlaubt, hier gibt es etliche. Etwa die krebskranke Mutter und der mit dem Gürtel prügelnde Vater von Marvin. Oder Sexfantasien, von denen Frieda erzählt, und die ihr peinlich sind, weil sie so gar nicht zu ihrem Selbstverständnis passen. Das alles ist nicht neu oder besonders originell, nimmt sich hier aber zum Glück selbst nicht allzu ernst. Die Rollen in „Liebesdings“ sind gut und stimmig besetzt, so kann Alexandra Maria Lara mit ihrer Rolle der Sensationsreporterin die ganze Sache würzen. Trotzdem springt der Funke nicht so richtig über, der Film ist zwar ganz spritzig, aber das Timing der Pointen nicht immer gelungen. Es fehlt vor allem an doppeltem Boden. Ein paar Witzeinlagen werden etwas zu oft bemüht, etwa die vielen Vagina- und Klitoris-Anspielungen, passen aber durchaus zum Humorverständnis der Macherin. Subtil oder vielschichtig sind die Späße sicher nicht und im Gesamten ist alles recht harmlos. Dafür überzeugt vor allem aber Lucie Heinze als selbstbewusste Feministin, endlich wird dieser Begriff einfach einseitig positiv und empowernd benutzt. Elyas M'Barek macht das, was er eigentlich immer macht, nämlich sympathisch rüberkommen. Das Herz der Geschichte, nämlich die sich anbahnende Liebe, ist zwar vorhersehbar, aber doch glaubwürdig und funktioniert. Vielleicht hat das ja wirklich gefehlt in der deutschen Filmlandschaft: eine Komödie mit feministischem Überbau und fernab von Männerbildern à la Til Schweiger.

Christiane Radeke

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FilmverleihConstantin Film Verleih