Die Känguru-Chroniken

Länge:
92 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 12 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 0 Jahren
Kinostart:
05.03.2020
Regie:
Dani Levy
Darsteller:
Dimitrij Schaad (MarcUwe), Volker Michalkowski (Das Känguru), Rosalie Thomass (Maria), Adnan Maral (Friedrich-Wilhelm), Tim Seyfi (Otto von), Henry Hübchen (Jörg Dwigs), Carmen-Maja Antoni (Herta) Oskar Strohecker (Jesus) u. a.
Genre:
Komödie , Literaturverfilmung
Land:
Deutschland, 2020

Marc-Uwe Kling dürfte wohl der erfolgreichste Poetry Slammer unserer Zeit sein – demnächst sogar mit einer HBO-Serie zu seinem Roman „QualityLand“. Doch erst mal wurden seine „Känguru-Chroniken“ auf die große Leinwand gebracht: jene Sammlung witziger Erlebnisse mit einem ungewöhnlichen Freund, die ihn seit 2009 berühmt gemacht haben. Was Tatort-Regisseur Dani Levy (Alles auf Zucker!, Deutschland 09) daraus gemacht hat, ist zwar stellenweise arg überzogen und dadurch ein bisschen nervig. Aber doch mit einigen echt coolen Ideen gespickt und alles in allem recht charmant geworden:

Alles beginnt mit ein paar Eierkuchen. Oder eher dem Versuch – denn der neue Nachbar von nebenan hat keine Eier mehr da und steht deswegen bei Marc-Uwe vor der Tür. Der trotz Migräne hilfsbereit welche aus dem Kühlschrank holt. Nur klingelt es gleich noch mal, denn es fehlen auch noch Mehl, Milch, Pfanne und was man sonst noch so alles für Eierkuchen braucht. Also warum nicht gleich bei Marc-Uwe kochen? Und weil besagter neuer Nachbar außerdem ein kommunistisches Känguru ist, die Wohnung gegenüber nur besetzt hat und jetzt von der Polizei gesucht wird, zieht er direkt ein. Damit beginnt dann ein kleines WG-Abenteuer, das die beiden schließlich gar auf einen chaotischen Feldzug gegen den schmierigen Immobilienunternehmer Dwigs führt, der für sein wahnwitziges Bauprojekt die halbe Nachbarschaft plattmachen will: einen riesigen „Europa-Turm“ als neuen Stützpunkt für die rechtspolitische „Unsere Heimat AG“. Was gäbe es also Sinnvolleres für ein kommunistisches Känguru und einen anarchistischen (Nicht-)Kleinkünstler, als diesen rücksichtslosen Anzugs-Fuzzi und Nazi in Personalunion zu Fall zu bringen. Die Frage ist nur: Wie? Aber da sind ja auch noch die abgebrühte Kneipenbesitzerin Herta, die clevere Nachbarin Marie mit ihrem Sohn Jesus und die beiden türkischen Brüder Friedrich-Willhelm und „Otto von“ unten vom Kiosk, die ihnen bei ihrem Vorhaben wacker zur Seite stehen.

Wenn man die Känguru-Bücher oder -Hörbücher bereits kennt, sollte man nicht mit allzu hohen Erwartungen ins Kino gehen. Denn auch wenn ein paar Stellen wie der Anfang nahezu 1:1 übernommen wurden und die Dichte schlechter Wortspiele und Anspielungen ähnlich hoch sein dürfte, kommt der Film da leider einfach nicht dran. Möglicherweise weil die Bücher noch stark von Marc-Uwe Kling als Persönlichkeit mitgetragen wurden, der als eher außergewöhnlicher Charakter auf den Bestseller-Listen gelandet war und mit seinem Ursprung im Poetry Slam noch mal frischen Wind in seine Lesungen gebracht hat. Dagegen sind die „Känguru-Chroniken“ nun einfach eine „ganz witzige deutsche Komödie“ unter vielen. Und damit einfach nichts Besonderes mehr. Noch dazu mit einem animierten Känguru, das doch ein bisschen an Ted erinnert (der aber erst nach dem ersten Känguru-Buch erschienen ist).

Das ist alles ein bisschen schade – aber: Davon ab ist der Film nach einer kurzen Eingewöhnungsphase doch recht charmant, hat sympathische Charaktere dabei und trumpft mit so manch berauschendem Moment auf. Beispielsweise wenn das Känguru über die Flugbahn von französischen Bulldoggen sinniert. Oder wenn es sich vor Gericht verantworten muss, weil es einen Porsche in einen Pool gefahren hat. (Auf einer Dachterrasse!) Hinzu kommen chaotisch-komische Auseinandersetzungen mit einer Nazitruppe, ausufernde Therapie-Sitzungen mit alkoholischer Unterstützung und Frühsport mit einem allseits bekannten Orgelsolisten. Und auch wenn der Humor dabei sicherlich Geschmackssache ist, wurde im Kino viel gelacht. Von daher am besten die Erwartungen ein bisschen runterschrauben und einfach genießen. Außerdem ein kleiner Tipp: genauer hinsehen. Denn mit ein bisschen Rundum-Blick gibt es im Setting einige coole Details zu entdecken. Damit macht der Film gleich noch ein bisschen mehr Spaß.

Marius Hanke

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Streaming-Anbieter

Angaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (14. Woche 2020).