Becoming Charlie

Serienstart:
24.05.2022
Staffel:
1
Folgen:
6
Länge der Folgen:
14-21 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
keine Angabe
Regie:
Kerstin Polte, Greta Benkelmann
Darsteller:
Lea Drinda (Charlie), Bärbel Schwarz (Rowena), Katja Bürkle (Fabia), Dalila Abdallah (Maya), Danilo Kamperidis (Nikolas), Sira-Anna Faal (Ronja), Aiken-Stretje Andresen (Alina), u.a.
Genre:
Drama
Land:
Deutschland, 2022

Darum geht es in „Becoming Charlie“:


In Charlies Leben in einer Offenbacher Plattenbausiedlung ist eigentlich kein Platz für Identitätssuche. Als ob es nicht schon genug Probleme gäbe! Zum Beispiel eine Mutter, die psychisch nicht stabil ist und nicht mit Geld umgehen kann. Entsprechend hoch sind dann auch die Schulden der Familie. Charlie jobbt bei einem Lieferdienst, spart sich damit mühsam Geld zusammen, um alles hinter sich zu lassen. Doch nichts da! Tante Fabia, Hausmeisterin des Wohnblocks, kassiert das Geld ein, lässt Charlie für sich arbeiten, damit der Schuldenberg kleiner wird. Dass zwischen Charlie und Alina Schieflage herrscht, seit Alina von ihrem Freund schwanger ist und den Gefühlen, die sie und Charlie füreinander haben, nicht stellen will, macht es nicht besser. Einziges Ventil für Charlies Frust ist das Texten von Rapsongs. Nachbarin Ronja löst mit ihrer Frage nach Charlies Pronomen dann auch noch ziemliche Verwirrung aus, bis Charlie vorsichtig anfängt auszuprobieren, wer sie*er eigentlich ist. Ein Mann? Eine Frau? Nein, weder das eine noch das andere.


Warum sich die Miniserie lohnt:


Lang genug hat es gedauert: Schwule, lesbische und Trans-Charaktere spielen in Filmen und Serien zunehmend eine Rolle, mittlerweile auch endlich die Hauptrollen. Nonbinäre Figuren bekommen wir allerdings bisher noch viel zu selten zu sehen. Ein Glück, dass Serien wie „Becoming Charlie“ oder „Sort of“ dies ändern und dabei nicht nur „eine Serie über“ Geschlechtsidentität sind, sondern emotional berührende wie unterhaltsame Geschichten erzählen. Während Sabi aus „Sort of“ sich über ihre*seine Identität im Klaren ist, steht die*der jüngere Charlie hier jedoch noch ganz am Anfang.

Zunächst scheint gar nicht klar, was Charlie ständig verpeilt sein und unter Strom stehen lässt: Die finanziell schwierige Situation? Die unglückliche Liebe zu Alina? Oder etwas anderes? Seriencreator*in Lion H. Lau entblättert gekonnt nach und nach, womit Charlie zu kämpfen hat und lässt dabei auch alle andere Figuren um Charlie herum nicht eindimensional sein. Scheint Tante Fabia zunächst noch diejenige zu sein, die Charlie das Leben zur Hölle macht, wird sie zusammen mit ihrer Partnerin Maya für Charlie schließlich zum warmen Auffangbecken – und auch sie hat mit Sorgen zu kämpfen. Aber Fabia ist keineswegs die einzige Nebenfigur, die uns in dieser Miniserie überascht!

„Becoming Charlie“ erzählt mit Tempo und doch nie oberflächlich. Lea Drinda („Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“) spielt Charlie so zerbrechlich wie vor Wut und Emotion platzend. Kein Wunder also, dass wir Charlie mal schütteln, mal in den Arm nehmen und trösten wollen. Die Kamera bleibt stets nah an ihrer Hauptfigur dran und lässt sich Zeit, Bilder für Gefühle und Stimmungen zu finden. Atmosphärisch lässt die Serie so an „Druck“ denken. Fans von deren Protagonistin Fatou dürfen sich freuen, Sira-Anna Faal als Charlies Nachbarin Ronja zu sehen.


Unser Fazit zu „Becoming Charlie“:


Eine ehrliche, stets warmherzige Serie über die Suche nach sich selbst, die alle Anstrengung lohnt, da sich Charlie am Ende mit Freiheit belohnt.

Kirsten Loose

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Streaming-Anbieter

Angaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (21. Woche 2022).