Albträumer

Länge:
93 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
12.08.2021
Regie:
Philipp Klinger
Darsteller:
Sarah Mahita (Rebekka), Béla Gábor Lenz (Vincent), Valerie Stoll (Melanie), Birge Schade (Christine), Stephan Szasz (Michael), Gustav Schmidt (Sebastian), Andreas Warmbrunn (Dennis)
Genre:
Drama , Jugend , Love Story
Land:
Deutschland, 2020

Suizid ist ein schwieriges Thema, insbesondere auch dann, wenn es junge Leute betrifft. Die Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ brach das Eis, indem sie sich diesem Tabu annahm, was international für Furore sorgte. In diesem Sinne hat sich Regisseur Philipp Klinger für seinen Debütspielfilm viel vorgenommen: Sein mit Mystery-Elementen angereichertes Psychodrama „Albträumer“ erzählt die Geschichte der 17-jährigen Rebekka, die den Selbstmord ihres älteren Bruders zu verarbeiten sucht.


Darum geht es im Film „Albträumer“:


„Da ist das Reich der Lebenden und da das Reich der Toten“, hört Rebekka (Sarah Mahita) ihren Vater sprechen. Sie und ihre Eltern stehen in elegantes Schwarz gekleidet am Grab von Dennis, ihrem Bruder, der sich vor zwei Jahren umgebracht hat. Die betretenen Gesichter der Anwesenden verwandeln sich in wütende Grimassen, als am Rande des Friedhofs der ehemalige beste Freund von Dennis erspäht wird: Vincent (Béla Gábor Lenz) harrt zu seinem eigenen Glück schwer erreichbar hinter einem Zaun, sonst würden ihm Rebekka und ihre Eltern wohl an die Gurgel gehen. Vincent war nämlich dabei, als Dennis sich in die Tiefe stürzte. Heute gilt der psychisch beeinträchtigte Junge in der Gemeinde einvernehmlich als der Übeltäter und Anstifter hinter dem Selbstmord. Er verkörpert den sogenannten „schlechten Einfluss“, ohne den der Vorzeigesohn nicht auf krumme Ideen gekommen wäre. Sein plötzliches Wiederauftauchen lässt Rebekka keine Ruhe. Als die traumatischen Erinnerungen an ihren Bruder immer unkontrollierter über sie einfallen, sucht sie Vincent auf, um ihn zur Rede zu stellen und endlich herauszufinden, was an dem einen Schicksalstag wirklich passiert ist.


Lohnt sich der Film „Albträumer“ für mich?


Gab es Indizien? Hätte ich das Vorhaben ahnen können, sollen, müssen? Und wenn ja, hätte ich es verhindern können? Während ihre Eltern in Verdrängungs- oder Betäubungsmuster verfallen, schlägt Rebekka den Weg der Konfrontation ein. Im Gegensatz zu ihrem Umfeld erkennt sie im labilen Vincent nicht nur den Sündenbock, sondern eine gleichermaßen verletzte, trauernde Seele. Zudem scheint er der einzige Mensch zu sein, von dem sie sich ansatzweise Antworten für das schwarze Loch erhofft, das der Tod ihres Bruders in ihre Familie und ihren Alltag gebracht hat. Doch Vincent, der sich auf Instagram „Albträumer“ nennt und obskure Inhalte postet, übt schließlich auch eine gefährliche Anziehungskraft auf sie aus.

Gemeinsam gleiten sie immer mehr in die Gefühlswelt des toten Dennis. Dass sie parallel dazu auch eine stürmische Liebesbeziehung entwickeln, überfrachtet den Film allerdings. In dieser Erzählung über Trauerverarbeitung und Suche nach Erklärungen wirkt die Romanze irgendwie angestrengt (und dadurch anstrengend). Dazu mögen auch nicht unwesentlich die häufig unnatürlich wirkenden Dialoge und bedeutungsschwangeren „Twists“ beitragen. Das ist schade, denn grundsätzlich wählt Philipp Klinger für sein Kinodebüt einen interessanten Ansatz und baut sein Coming-of-Age-Drama nah am Unheimlichen, Albtraumhaften. Nicht zuletzt der Schwarzwälder Drehort hätte die ideale Kulisse für die thematisierte Verkapselung geboten. In Erinnerung bleibt schlussendlich vor allem die großartige Newcomerin Sarah Mahita, die durch ihr subtil-intensives Spiel souverän so manch verfehlte Zeile überbrückt, die man ihr in den Mund legt.


HINWEIS


Wenn du unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leidest oder jemanden kennst, der daran leidet, kannst du dir bei der Telefonseelsorge helfen lassen: Telefonisch erreichst du sie unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Anrufen kannst du auch bei „der Nummer gegen Kummer“ (11 6 111). Die Beratung ist anonym und kostenfrei.

Nathanael Brohammer

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