Zombi Child

Länge:
103 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
keine Angabe
Kinostart:
08.10.2020
Regie:
Bertrand Bonello
Darsteller:
Louise Labeque (Fanny), Wislanda Louimat (Mélissa), Adilé David (Salomé), Ninon François (Romy), Mathilde Riu (Adèle), Katiana Milfort (Mambo Katy), Mackenson Bijou (Clairvius) u. a.
Genre:
Drama , Fantasy , Historienfilm
Land:
Frankreich, Haiti, 2020

Zombies gibt es wirklich. Aber nicht so, wie wir sie aus den meisten Filmen kennen. Und man wird kein Zombie, indem man gebissen wird. Sondern durch Menschenhand. Mithilfe eines Giftes, das aus Kugelfischen gewonnen wird, führen Voodoo-Priester einen Scheintod herbei und graben ihre Opfer später wieder aus, um sie zu gefügigen Diener:innen zu machen. Rund 1.000 solcher „Zombifikationen“ gibt es auch heute noch jedes Jahr auf Haiti. Der Film „Zombie Child“ erzählt von einem dieser Schicksale – und geht das alles ein bisschen anders an.

Mélissa ist neu auf dem hochelitären Mädcheninternat am Rande von Paris. Sie stammt aus Haiti und wirkt zunächst ein bisschen weird auf die anderen Mädchen. Aber Fanny wird direkt auf sie aufmerksam und findet sie cool. Also schlägt sie ihren Freundinnen vor, Mélissa in ihre geheime Literatur-Gang mit aufzunehmen. Das Aufnahmeritual besteht die Neue mit einer persönlichen Geschichte über Sklaverei und Tod, von der alle ebenso geschockt wie beeindruckt sind. Also ist sie fortan dabei, wenn die Mädchen sich tagsüber oder auch in nächtlicher Runde treffen, um ihre Gedanken auszutauschen. Doch irgendetwas stimmt nicht mit Mélissa: Nachts macht sie komische Geräusche und einmal sagt sie einer ihrer Freundinnen ins Gesicht, dass sie sie fressen wird. Erst nach und nach erfahren die anderen die Gründe für ihr seltsames Verhalten. Mélissa erzählt von ihrem Großvater, der vor 55 Jahren ein schweres Schicksal durchleben musste. Und von ihrer Tante, die mit Toten reden kann. Das bringt Fanny, die gerade unter schwerem Liebeskummer leidet, auf eine gefährliche Idee.

Der französische Regisseur Bertrand Bonello (Nocturama, Saint Laurent) verlangt uns wie gewohnt die volle Konzentration ab, um seiner Inszenierung zu folgen. Denn „Zombie Child“ ist sehr langsam in seiner Erzählweise und zeigt sowohl längere Passagen, die ganz ohne Dialoge auskommen, als auch minutenlange Vorträge über Literatur, Geschichte und Politik in den Lehrsälen des Internats. Alles im Originalton auf Französisch und Haitianisch. Das ist im ersten Moment ein wenig anstrengend – lohnt sich aber allein schon ob der besonderen Geschichte, die der Film dabei ganz allmählich entfaltet. Außerdem wirken gerade dadurch die Begegnungen unter den Mädchen umso erfrischender und fast schon ein bisschen ansteckend. Wenn sie zum Beispiel bei einem ihrer nächtlichen Treffen plötzlich in Tanzlaune kommen. Ein ziemlich krasser Kontrast zu den düsteren Zombieszenen aus der Vergangenheit, mit denen sich das Geschehen an der Schule abwechselt. Dabei überzeugen die Jungdarstellerinnen auf ganzer Linie. Es gibt also einige gute Gründe, um sich auf das etwas gewöhnungsbedürftige Abenteuer mit „Zombie Child“ einzulassen.

Wer übrigens neugierig ist und etwas mehr über die Hintergründe der Zombifizierungen auf Haiti erfahren möchte, findet auf der Website der Vice ein aufschlussreiches Interview.

Marius Hanke

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FilmverleihGrandfilm