Werk ohne Autor

Länge:
189 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
03.10.2018
Regie:
Florian Henckel von Donnersmarck
Darsteller:
Tom Schilling, Sebastian Koch, Paula Beer, Saskia Rosendahl, Oliver Masucci u. a.
Genre:
Drama
Land:
Deutschland, 2018

Dresden 1937. Eine junge Frau besucht mit ihrem Neffen Kurt eine Ausstellung. „Entartete Kunst“ wird hier präsentiert und gleich mit der nationalsozialistischen Sicht disqualifiziert, was aber die Entdeckerfreude von Tante und Neffen nicht trübt. Der kleine Junge hat Heimweh nach Dresden, das seine Eltern mit ihm verlassen mussten, als der Vater seine Stelle als Lehrer verlor. Seine kritische Sicht und eigene Meinung zu den politischen Geschehnissen war nicht länger erwünscht. Und auch die freiheitsliebende Tante Elisabeth wird kurze Zeit später abgeholt und in eine „Anstalt“ gebracht. Ihre Familie wird ihr nachreisen und alles versuchen, sie zu befreien. Vergeblich. Der Direktor der psychiatrischen Klinik folgt den klaren Anweisungen und duldet keinen Zweifel an deren Richtigkeit. Später wird Kurt ihn wiedertreffen, er ist der Vater seiner großen Liebe Elisabeth. Und er wird ihn verfolgen: Kaum haben Kurt und Elisabeth in Westdeutschland Fuß gefasst, ist auch Elisabeths Vater zur Stelle. Kurt wird an der renommierten Kunstakademie in Düsseldorf angenommen, aber Elisabeths Vater findet weiterhin kein gutes Haar am Freund seiner Tochter. Und der Filmzuschauer weiß immerhin, dass dieser Schwiegervater eine höchst unrühmliche Vergangenheit unter dem Nazi-Regime hatte und trotzdem ohne Bruch in der DDR sofort eine hohe Stelle bekleidete. Selbst als er dann nach Westdeutschland kommt, wird er gleich wieder in die entsprechenden Kreise aufgenommen, als habe er keinerlei Verantwortung für die Vergangenheit zu tragen. Bis seine Tochter und Schwiegersohn Kurt sich von dieser Bürde befreien können, muss eine große Weile verstreichen.

Er wollte einen Film machen, der „spannend ist, aber gleichzeitig auch ganz ehrlich“, sagt Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck anlässlich der ersten Pressevorführung. Seine Karriere begann mit einem Höhenflug: Das Leben der Anderen bekam 2007 den Oscar als bester fremdsprachiger Film. Danach kam Hollywood – und der Regisseur enttäuschte die europäischen Fans mit The Tourist (2011). Nun also neuerlich der Griff nach den Sternen? Die an die Biographie von Gerhard Richter angelehnte Handlung schlägt einen umfassenden historischen Bogen von 1937 in Dresden bis zum Ende der 60er Jahre im westdeutschen Düsseldorf, wo Joseph Beuys an der Kunstakademie lehrte. Die Rolle des Protagonisten ist großartig besetzt mit Tom Schilling, Sebastian Koch verkörpert Professor Seeband und Paula Beer überzeugt als Elisabeth.

Der Film erzählt wie eine Familiensaga und er fesselt wie eine Familiensaga. Am Ende ist man trotz mehr als drei Stunden Film traurig, dass man sich aus der Geschichte und von den Charakteren verabschieden muss. „Werk ohne Autor“ ist schon jetzt für die nächsten Oscar ins Rennen geschickt worden.

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