Wendy – Ein Leben zwischen den Zeiten

Länge:
112 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Regie:
Benh Zeitlin
Darsteller:
Devin France (Wendy), Yashua Mack (Peter), Gage Naquin (Douglas), Gavin Naquin (James), Krzysztof Meyn (Thomas), Ahmad Cage (Sweet Heavy), Romyri Ross (Cudjoe), Lowell Landes (Buzzo), Kevin Pugh (erwachsener James) u. a.
Genre:
Abenteuer , Drama , Literaturverfilmung , Fantasy , Klassiker
Land:
USA, 2020

Wer kennt ihn nicht, den immerjungen Peter Pan, der Wendy und ihre Brüder auf eine abenteuerliche Reise nach Nimmerland führt? Über ein Jahrhundert ist es schon her, dass diese Geschichte erstmals das Licht der Welt erblickte – und seitdem gibt es zahlreiche Bücher, Theaterstücke und Filme, die sich diesem außergewöhnlichen Jungen widmen. Kein Wunder – schließlich haben wir wohl alle schon mal darüber nachgedacht, wie schön es doch wäre, ewig jung zu bleiben. Doch dass dieser Gedanke auch seine Schattenseiten hat, zeigt der amerikanische Filmemacher Benh Zeitlin („Beasts of the Southern Wild“) in seiner ganz eigenen Inszenierung von „Wendy – Ein Leben zwischen den Zeiten“. Denn hier kann das Glück der Jugend jederzeit enden und in eine Tragödie umschlagen.

Das merkt Wendy aber erst, als sie schon längst mit ihren Brüdern James und Douglas auf der geheimnisvollen Insel weit weg von ihrem Zuhause gelandet ist. Eines Nachts haben sie von ihrem Haus am Bahnhof gesehen, wie ein Junge auf dem anfahrenden Zug herumgeklettert ist, also sind sie einfach hinterher. Und so hat Peter sie schließlich hierhergebracht, wo sie gemeinsam mit einer Gruppe von anderen Kindern tun und lassen können, was sie wollen. Und wo sie niemals erwachsen werden müssen – solange sie nicht zu viel nachdenken. Denn wer sich Sorgen macht, wird nicht mehr von der Magie der Jugend umfangen und aus der Gruppe verstoßen. Als genau das mit James passiert, erfährt Wendy, dass es eine ganze Kolonie von älter gewordenen Aussätzigen gibt, die ihr hoffnungsloses Dasein im Nirgendwo fristen. Sie versucht ihnen dabei zu helfen, ihren Lebensmut wiederzufinden. Doch während sie damit scheitert, führt der frustrierte James die Gemeinschaft in einen Feldzug gegen die Kinder, um die verlorene Jugend zurückzugewinnen.

Es dauert eine Weile, um sich in dieser verworrenen Welt von „Wendy – Ein Leben zwischen den Zeiten“ einzufinden. Womöglich auch, weil der Film eine ganz andere Facette der ursprünglichen Geschichte zeigt und nur bedingt mit dem übereinzubringen ist, was wir dazu bereits im Kopf haben. Und doch ist es gerade so, wie es auch für Wendy und ihre Brüder beginnt: Eine Reise, die langsam tuckernd beginnt und dann mit zunehmender Geschwindigkeit auf verschachtelten Wegen durch unebenes Terrain führt. Zuerst ein Moment der Verzauberung – dann der Fluch der Geheimniskrämerei: Immer wieder warnt Peter vor den tiefsinnigen und trüben Gedanken. Aber schon bald entstehen auch Zweifel, ob sein Weg der Verdrängung wirklich der richtige ist. Und so ist es angenehm erfrischend, allmählich zu merken, dass der Film keineswegs der Kindheit hinterhertrauert. Sondern vielmehr ein verträumtes Plädoyer dafür ist, sich mit dem Erwachsenwerden zu arrangieren und das Leben unabhängig vom Alter noch vollumfänglich zu spüren.

Und es gibt ein paar Überraschungen, die „Wendy – Ein Leben zwischen den Zeiten“ ein bisschen wie das verquere Prequel zu Peter Pan erscheinen lassen. Aber irgendwie auch nicht – das darf dann wohl jede:r für sich selbst entscheiden. Auf jeden Fall ist der Film eine willkommene Inspiration für einen gedankenvollen Abend.

Marius Hanke

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Streaming-Anbieter

Angaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (11. Woche 2021).