Parasite

Länge:
132 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Kinostart:
17.10.2019
Regie:
Bong Joon-ho
Darsteller:
Choi Woo-sik (Kim Ki-woo), Park So-dam (Kim Ki-jung), Song Kang-ho (Kim Ki-teak), Jang Hye-jin (Kim Chung-sook), Jo Yeo-jeong (Park Yeon-kyo), Jung Ji-so (Park Da-hye)
Genre:
Thriller , Komödie , Drama
Land:
Südkorea, 2019

Das Leben hat es bislang nicht gut mit ihnen gemeint. Zusammengepfercht auf engstem Raum hausen die Mitglieder der vierköpfigen Familie Kim in einer schäbigen Souterrainwohnung und können sich glücklich schätzen, wenn sie ab und an erfolgreich das WLAN der Nachbarn anzapfen. Kleines Geld verdienen sie mit dem Zusammenfalten von Pizzakartons, um zumindest halbwegs über die Runden zu kommen. Eines Tages scheint allerdings Besserung in Sicht. Denn Sohn Ki-woo soll auf Bitten eines alten Freundes vorübergehend eine Stelle als Nachhilfelehrer bei den wohlhabenden Parks übernehmen. Der junge Mann lässt sich nicht zwei Mal bitten, putzt sich, so gut es geht, heraus und macht bei seiner neuen Arbeitgeberin gleich einen blendenden Eindruck. Spielend leicht gelingt es Ki-woo, die Mutter seiner Schülerin um den Finger zu wickeln. Und schon bald verschafft er mit Tricksereien auch seiner Schwester und seinen Eltern Jobs im Luxusanwesen der Parks. Die kleinen Betrügereien gehen zu Lasten der bisherigen Bediensteten, die nach und nach ihre Posten verlieren, während sich die Kims immer mehr im Alltag der Hausherren einnisten. Eine erschütternde Entdeckung bedroht jedoch irgendwann ihre günstige Position.

Dass „Parasite“ bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes mit dem Hauptpreis, der Goldenen Palme, auszeichnet wurde, muss nicht verwundern. Schließlich schüttelt der Südkoreaner Bong Joon-ho (Snowpiercer, Mother, The Host) einen ungemein unterhaltsamen Genre-Mix mit gesellschaftskritischem Einschlag aus dem Ärmel. Das Aufbegehren der Vergessenen kommt mal als Thriller, mal als Drama, dann wieder als Komödie oder Satire daher. Mehrfach wechselt der Film Stimmung und Tonlage, ohne dabei allerdings je willkürlich zu wirken. Im Gegenteil: Dank eines clever konstruierten, mit unscheinbaren Andeutungen garnierten, erfrischend wendungsreichen Drehbuchs ergibt sich eine spannende Gemengelage. Jederzeit muss man hier mit neuen Überraschungen rechnen. Obwohl die reichen Parks als dekadent, leichtgläubig und oberflächlich beschrieben werden, schlägt sich der Regisseur nicht nur auf die Seite der verarmten Kims. Vielmehr treibt er ein reizvolles Spiel mit der Identifikation des Zuschauers. In manchen Momenten drückt man Ki-woo und seiner Sippe kräftig die Daumen und schaut ihren Intrigen amüsiert zu. In anderen Augenblicken erschrickt man wiederum darüber, wie rücksichtslos und moralisch fragwürdig sie zu Werke gehen, um sich ihren Traum von einem besseren Leben zu erfüllen. Konsequenterweise – so viel sei verraten – gibt es am Ende keine Gewinner. Da „Parasite“ mit seiner eleganten, klugen, die Klassenunterschiede betonenden Bildsprache auch visuell besticht, fällt das Fazit denkbar leicht: Ein meisterlicher Film, der Anspruch und Unterhaltung wunderbar verbindet.

Christopher Diekhaus

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