Niemand ist bei den Kälbern

Länge:
116 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Kinostart:
13.01.2022
Regie:
Sabrina Sarabi
Darsteller:
Saskia Rosendahl, Rick Okon, Godehard Giese, Andreas Döhler, Nico Ehrenteit, u. a.
Genre:
Drama , Literaturverfilmung
Land:
Deutschland, 2021

Als Vorlage für ihren zweiten langen Spielfilm dient Regisseurin Sabrina Sarabi der gleichnamige Debütroman von Alina Herbing, die darin ihre Jugend in Mecklenburg-Vorpommern beschreibt. „Niemand ist bei den Kälbern“ zeichnet das Bild einer verlorenen jungen Frau, die zwischen bedrückender Perspektivlosigkeit und unstillbarer Sehnsucht nach Freiheit steckenbleibt. Getragen wird die spröde Inszenierung vor allem von der vielseitigen Hauptdarstellerin Saskia Rosendahl, die für ihre tolle Leistung im Nebenwettbewerb des Festivals in Locarno ausgezeichnet wurde.


Was dich in „Niemand ist bei den Kälbern“ erwartet:


In der Sommerhitze auf dem Land in Mecklenburg-Vorpommern scheint auch für die 24-jährige Christin die Zeit still zu stehen. Sie lebt mit ihrem langjährigen Freund Jan auf dem Milchviehhof seiner Eltern. Doch nicht nur das Leben in dem Dorf mit fünf Häusern und einer Bushaltestelle erscheint eintönig, auch die Liebe der beiden ist im Alltagstrott erstickt. Christin, die auffällt, weil sie gerne enge Tops und kurze Röcke trägt, würde viel lieber in einer Großstadt leben. Die Arbeit auf dem Hof überlässt sie weitgehend Jan. Nur um die Kälber kümmert sie sich gelegentlich. Ihren Frust betäubt die junge Frau mit Alkohol, gerne auch bei einem Ausflug in den nächstgrößeren Ort, wo ihre beste Freundin Caro lebt. Christin hat genug von der Einöde und will einfach nur weg. Als sie den Windkraft-Ingenieur Klaus aus Hamburg kennenlernt, beginnt sie eine Affäre mit ihm und hofft, dass er ihr beim Ausbruch hilft.


Lohnt sich der Film für dich?


Kein Bock, keine Perspektive, keine Leute, denen es ähnlich geht. Was macht es mit einem, wenn man so ist wie Christin und tagtäglich mit einem konservativen Landleben konfrontiert ist? Nur logisch, dass Christin ist wie sie ist. Oder? „Niemand ist bei den Kälbern“ beantwortet die letzte Frage mit einem klaren Jein. Denn die herrvorragend von Saskia Rosendahl gespielte Jungbäuerin ist hier keineswegs nur Opfer ihrer Lebensumstände. Vielmehr erscheint Christin, die gern mit aufreizenden Klamotten die Aufmerksamkeit der Männerwelt auf sich zieht, als vielschichtige und widersprüchliche Figur. Einerseits sammelt sie keine Sympathiepunkte, wenn sie den Betrieb auf dem Hof sabotiert, andererseits schaut sie regelmäßig nach ihrem alkoholkranken Vater, der ihr das aber nicht dankt. Ihre scheinbar hoffnungslose Lage wird zudem dadurch erschwert, dass sie niemanden kennt, der wie sie über alternative Lebensweisen nachdenkt. Das Dorfleben, vor allem auch die hier lebende Bevölkerung ist geprägt von Gleichgültigkeit, Wortlosigkeit und Stillstand. Sarabis nüchternes Außenseiterdrama schildert dies eindringlich, ebenso wie die unterschwellig immer wieder zum Vorschein kommende Frauenfeindlichkeit. Vor allem im Mittelteil tritt der Film aber leider etwas auf der Stelle und leistet sich einige Längen. Umso stärker ist der offene Schluss, der Christin immerhin noch eine Chance für einen Neuanfang gibt.

Reinhard Kleber

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