Milla Meets Moses

Länge:
118 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
08.10.2020
Regie:
Shannon Murphy
Darsteller:
Eliza Scanlen (Milla), Toby Wallace (Moses), Ben Mendelsohn (Henry), Essie Davies (Anna), Eugene Gilfedder (Gidon) u. a.
Genre:
Love Story , Drama
Land:
Australien, 2019

Sie treffen sich auf Gleis 4. Als Milla noch einmal tief einatmet und auf das Einfahren des Zugs wartet, springt plötzlich ein ziemlicher schräger Typ an ihr vorbei bis an den Gleisrand. Moses hat kurz rasierte Haare vorne, hinten eine lange Strähne, ein Tattoo auf der linken Wange, stark gerötete Augen. Wenn die Szene zu Ende ist, wird Milla Moses in den Armen liegen, sein stinkendes T-Shirt auf ihre blutende Nase gepresst. Es ist der Beginn einer wundersamen Liebesgeschichte.

Wahrscheinlich ist es die grenzenlose Energie, die Milla so beeindruckt, die Kraft und das Selbstbewusstsein, mit dem der charmante Außenseiter auftritt. Moses ist sofort einfach da – und alles, was Milla nicht ist. Die 16-Jährige hat gerade keine Kraft, und bald hat sie auch keine Haare mehr: Milla hat Krebs und weiß, dass sie nicht mehr lange leben wird. Damit liegt „Milla Meets Moses‟ derzeit eigentlich voll im Trend. Schon seit einigen Jahren fluten Filme über todkranke Jugendliche die Kinos und Streamingdienste, von „Das Schicksal ist ein mieser Verräter‟ über „Death of a Superhero‟ und „Ich und Earl und das Mädchen‟ bis hin zu „Drei Schritte zu dir‟ und „Clouds‟. Was im schlimmsten Fall zur ärgerlichen Schmonzette wird, kann im besten Fall eine starke Geschichte über die Lust am Leben sein. Genau dies gelingt glücklicherweise auch „Milla Meets Moses‟, der weitaus ruppiger und kantiger daherkommt als ähnlich gelagerte Filme.

Haben wir schon erwähnt, dass Moses ein Junkie ist? Oder dass Millas Vater, der als Psychotherapeut arbeitet, Moses irgendwann mit dem Versprechen auf Schmerzmittel dazu bringt, bei Milla einzuziehen? Nicht etwa, weil er Moses mögen würde, sondern weil er so verzweifelt ist und sieht, dass Milla in seiner Gegenwart aufblüht. Auch Millas Mutter hat ein Drogenproblem. Vollgepumpt mit Psychopharmaka versucht sie, sich die Angst vor dem Tod ihrer Tochter zu nehmen. Manchmal ist „Milla Meets Moses‟, der im Original „Babyteeth‟ – Milchzähne – heißt, einfach gnadenlos ehrlich, weil er keine süßliche Romanze zeigt, sondern auch das Leid, die Angst und die Verzweiflung. Und trotzdem gibt es viele Momente, in denen er das Leben für den Moment feiert. In diesen spielt vor allem Musik eine große Rolle – wobei die Regisseurin Shannon Murphy eine spannende Mischung teils recht unbekannter, mitreißender Sounds gefunden hat, etwa „Come meh way‟ von Sudan Archives oder „Bizness‟ von Tune-Yards, und diese mit klassischen Stücken von Mozart kombiniert.

Immer wieder zerreißt die sprunghafte Erzählung mit ihren zahlreichen Zwischentiteln den Fluss der Handlung. Aber auch das verleiht dem Film einen ganz eigenen Rhythmus. Am Ende wirkt er wie ein Fotoalbum, das man durchblättert und sich dabei an bemerkenswerte Momente eines Lebens erinnert – an die schönen und an die traurigen.

Stefan Stiletto

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