Midsommar

Länge:
147 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Kinostart:
26.09.2019
Regie:
Ari Aster
Darsteller:
Florence Pugh (Dani), Jack Reynor (Christian), Vilhelm Blomgren (Pelle), William Jackson Harper (Josh), Will Poulter (Mark)
Genre:
Horror , Thriller , Drama
Land:
USA, Schweden, 2019

Es ist ein Schock, der ihre Welt komplett auf den Kopf stellt: Als die Studentin Dani erfährt, dass ihre psychisch kranke Schwester sich selbst und ihre Eltern getötet hat, sucht sie Trost bei ihrem Partner Christian. Dem jungen Mann, der schon länger an seiner Beziehung zweifelt, fällt es allerdings schwer, auf seine Freundin einzugehen und Dani in ihrer Trauer zu unterstützen. Dass sie ihn und seine Freunde Josh und Mark einige Zeit später auf eine Reise nach Schweden begleiten will, passt Christian eigentlich überhaupt nicht in den Kram. Zähneknirschend nimmt er sie schließlich aber mit in das abgeschiedene Dorf, in dem sein Kommilitone Pelle aufgewachsen ist und in dem nun eine große, alle 90 Jahre stattfindende Feier anlässlich der Sommersonnenwende begangen wird. Nach ihrer Ankunft in der kleinen Kommune staunen die US-Amerikaner zunächst nicht schlecht über die dort herrschende Fröhlichkeit und Gastfreundschaft. Die Festivitäten nehmen jedoch irgendwann einen erschütternden Verlauf.

Mit seinem Spielfilmdebüt Hereditary – Das Vermächtnis legte Ari Aster im Jahr 2018 einen erzählerisch, stilistisch und schauspielerisch furiosen Schocker hin, der auch an den Kinokassen überraschen konnte. Seine zweite abendfüllende Regiearbeit bewegt sich ebenfalls in den Gefilden des Horrorgenres und lässt sich durchaus als moderne Variante des schrägen Schauerstreifens „The Wicker Man“ von 1973 beschreiben. Wer mit dem Plot dieses Klassikers vertraut ist, dürfte schnell erahnen, wohin die Reise geht. Langweilig wird „Midsommar“ deswegen aber nicht. Denn wie in seinem Erstling fährt Aster alle möglichen Geschütze auf, um den Betrachter in einen permanenten Unruhezustand zu versetzen. Die disharmonische Musik von Bobby Krlic verheißt von Anfang an nichts Gutes. Mit fast schon schmerzhafter Eindringlichkeit vermittelt Florence Pugh (Lady Macbeth) Danis tiefsitzende Verunsicherung. Immer wieder vollzieht die von Pawel Pogorzelski geführte Kamera ungewöhnliche Bewegungen, fängt die Welt beispielsweise auf dem Kopf ein oder stürzt sich in den Taumel eines Tanzes. Schaurig-schön sind die Luftaufnahmen der Festgemeinschaft, für deren makabre Rituale der Film großes Interesse zeigt. Freunde des schnellen Schocks dürften früh genervt sein, da die von Aster erdachte Geschichte keine Hektik kennt, der Regisseur viele Szenen lustvoll auskostet und den Betrachter ganz bewusst einlullt. Hat man sich einmal an die eigenartige heidnische Gemeinde und die fast schon aggressive Heiterkeit gewöhnt, holt der größtenteils in gleißendem Sonnenlicht spielende „Midsommar“ zu einem echten Wirkungstreffer aus. Gerade weil zuvor vieles nur angedeutet wurde, verstört der plötzliche Schwenk ins Blutig-Explizite, der wahrlich starke Nerven erfordert. Das Verhalten der Figuren mag im Anschluss nicht ganz glaubwürdig sein. Kleine narrative Schwächen lassen sich dank der zunehmend bedrohlicher werdenden Atmosphäre allerdings gut verkraften. Spannend ist das bizarre, wiederholt ins Schwarzhumorige driftende Horrordrama freilich auch, weil es im Kern um das Auseinanderbrechen einer zum Scheitern verurteilten Beziehung geht. Einer Partnerschaft, deren Abgründe bereits in der ersten halben Stunde zum Vorschein kommen.

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