M’entends-tu? – 2. Staffel

Serienstart:
02.11.2020
Staffel:
2
Folgen:
10
Länge der Folgen:
23 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
keine Angabe
Regie:
Miryam Bouchard, Charles-Olivier Michaud
Darsteller:
Florence Longpré (Ada), Mélissa Bédard (Fabiola), Ève Landry (Carolanne), Victor Andres Trelles Turgeon (Keven), Marc St-Martin (Léon), Fabiola Nyrva Aladin (Tessa) u. a.
Genre:
Comedy , Drama
Land:
Kanada, 2020

Was dich in „M’entends-tu?“ erwartet?


Ada kommt nach zwei Jahren aus dem Gefängnis. Zwei Jahre auch hat sie kein Wort von ihren Freundinnen Fabiola und Caro gehört. Im Knast war sie nicht beliebt und hat ihre blondierten langen Strähnen an eine Kaugummi Attacke verloren. Ada hat zwei Jahre Einsamkeit hinter sich. Mit der ihr eigenen Art - zwischen Wut und Lebensfreude und neuerdings auch Traurigkeit – versucht sie ihr Leben draußen wieder in den Griff zu bekommen. Die erste gestohlene Pizza schmeckt himmlisch und Fab geht endlich ans Telefon, sperrt sich aber weiter gegen eine Versöhnung. Caro erst recht, sie lebt jetzt mit Keven zusammen und verweigert jede Kontaktaufnahme. Nichts scheint zu funktionieren, Ada ist an einem neuen Tiefpunkt, da lernt sie Tessa kennen – die für sie eine Ersatz-Fabiola wird. Tessa hilft ihr bei den ersten Schritten, aber den Weg muss Ada alleine gehen.

Neu in der 2. Staffel der kanadischen Dramedyserie, die in kurzen Kapiteln eine starke Freundschaftsgeschichte erzählt, sind Rückblenden in die frühe Jugendzeit, als sich die drei Freundinnen kennenlernten. Sie illustrieren Adas Sehnsucht nach ihren Freundinnen in der Gegenwart, ihrer kleinen, so überlebenswichtigen Ersatzfamilie. Aber auch Fabiola und Caro erinnern sich an diese Zeit, was ihnen hilft, einen Weg zurück zu ihrem Dreier-Gespann zu finden. Die kurzen Ausflüge in die Vergangenheit zeigen im Wesentlichen Adas Loyalität, liefern ansonsten aber nicht erheblich neue Einsichten in die Innenwelten der Figuren. Schon in der 1. Staffel war Ada der - nicht immer - strahlende Mittelpunkt. Hier arbeiten sich die drei an ihren eigenen Konflikten ab. Dabei gehen die jeweiligen Dramen noch stärker ins Private, weg von der Straße und dem sozialschwachen Viertel. Fabiola muss damit zurechtkommen, dass ihre drogenabhängige Schwester jetzt clean ist und ihre kleine Tochter zurückhaben will, um die sich Fab liebevoll gekümmert hat. Caro steckt in ihrer fatalen Abhängigkeit zu ihrem prügelnden Freund Keven fest. Die Triebkraft der drei Heldinnen, zu ihrer Freundschaft zurückzufinden, ist aber immer die sehnsuchtsvolle und energetische Ada.


Lohnt sich die zweite Staffel von „M’entends-tu?“?


Ein wenig drängt sich der Eindruck auf, dass der Schöpferin der Serie und Hauptdarstellerin Florence Longpré, eine in Kanada bekannte Comedian, die originellen Einfälle ausgegangen sind. Während die 1. Staffel eine Berg- und Talbahnfahrt durch die Höhen und Tiefen von Adas aufbrausenden Charakter war, genau ausgelotet zwischen Sozialdrama und Situationskomik, geht hier die Handlung in einem recht geradlinigen Verlauf immer mehr ins Drama. Langsam nähern sich die Freundinnen wieder an. Die Nebenfiguren hätten etwas mehr Aufmerksamkeit verdient wie Caros gescheiterte Mutter, oder Adas große Liebe Nassim, die hier wenig facettenreich gezeichnet werden und eigentlich nur wie Stichwortgeber wirken. Ein wenig zu glatt und konfliktfrei auch verlaufen zumindest für Ada und Fab ihre Liebesgeschichten, während Caro wieder ein blaues Auge verpasst bekommt.

Vor allem aber geht die Erzählung in der 2. Staffel zu grob mit dem männlichen Gegenspieler Keven um. Der erstarrt hier vollends zum prügelnden Klischee. Bei allem Realismus, denn das Thema häusliche Gewalt ist natürlich nach wie vor von drängender Aktualität, auch diese Figur hätte in dem Serienkosmos ein bisschen mehr Hintergrundgeschichte verdient. Warum wurde Keven zu dem, der er ist? Diese Frage bleibt unbeantwortet. Die Kapitel sind nach den Namen benannt, Ada, Fabiola, Carolanne, aber als Keven an der Reihe ist, wird nicht mehr über seine Person erzählt. Die fatale Abhängigkeit, die missbräuchliche Beziehungen bestimmt, wird hier dennoch plausibel umrissen. Stürmische Liebe wechselt mit harmonischen Pärchenabenden und kippt dann wieder in völlig unvermittelte Gewaltausbrüche und verbale Demütigung.Und Caro verharrt bei all dem in ihrer Passivität, geht nur ganz zaghaft die kleinsten Schritte aus ihrer Hölle. Ein lauter Schrei, ein wirklicher Befreiungsschlag bleibt aus.

Im Gesamten betrachtet fehlt vor allem der anarchische und energiegeladene Humor der 1. Staffel, mit dem sich Ada allen Hindernissen gestellt hat. Ein bisschen fühlt sich das so an, als wären unsere drei Heldinnen nun endgültig erwachsen geworden.

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Streaming-Anbieter

Angaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (45. Woche 2020).