Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm

Prädikat besonders wertvoll
Länge:
125 Minuten (Blu-ray: 130 Minuten)
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 6 Jahren
Kinostart:
13.09.2018
Regie:
Joachim Lang
Darsteller:
Lars Eidinger (Bertolt Brecht), Tobias Moretti (Macheath), Hannah Herzsprung (Polly), Robert Stadlober (Kurt Weill), Joachim Król (Peachum), Claudia Michelsen (Frau Peachum)
Genre:
Klassiker , Politischer Film , Musikfilm
Land:
Deutschland, 2018

Berlin 1928. Am Tag der Uraufführung der Dreigroschenoper im Theater am Schiffbauerdamm läuft die letzte Probe aus dem Ruder. Während Autor Bertolt Brecht, Komponist Kurt Weill und Übersetzerin Elisabeth Hauptmann auch dem Scheitern des Stückes positive künstlerische und kulturpolitische Seiten abgewinnen können, wird den Darstellern und dem Theaterdirektor ganz Bang, wenn sie an Presse und Publikum denken. Aber der Abend wird überraschend ein voller Erfolg, das Ensemble ist in aller Munde und die Dreigroschenoper bald weltberühmt. Der Verlag verkauft die Verfilmungsrechte an die Nero-Film, Brecht und Weill erhalten Mitspracherecht. Doch Künstler und Filmgesellschaft haben sehr unterschiedliche Vorstellungen von der filmischen Umsetzung. Brecht erläutert dem Produzenten daraufhin wortreich seine Ideen und die dahinterstehende Gesellschaftstheorie, während sich die Geschichte des Bettlerkönigs Peachum, der seine romantische Tochter Polly an den Verbrecher Macheath verliert, vor den Augen des Zuschauers entwickelt. Der Filmgesellschaft sind Brechts Ansichten viel zu politisch, sie möchte den Dichter gern aus dem Vertrag entlassen. Aber Brecht strengt einen Prozess an, den er gleichzeitig zu einer öffentlichen Abrechnung mit den Machtverhältnissen der Weimarer Republik nutzt.

„Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ ist aus sehr unterschiedlichen Gründen äußerst sehenswert. Das Schauspielerensemble ist brillant. Hauptdarsteller Lars Eidinger (Was bleibt, Die Wolken von Sils Maria, Personal Shopper) gelingt mit seiner Performance des von sich eingenommenen Ausnahmekünstlers eine herausragende Leistung, zumal alles, was er sagt, aus Texten von Brecht selbst stammt. Die Räume und ihre Ausstattung sind faszinierend, die Kostüme großartig! Der ganze Film strahlt Lust aus, Gesellschaft und Kulturbetrieb zu veralbern. Die Bilder atmen gleichzeitig Kitsch und Ironie. Die Tableaus und Dialogszenen, die Songs, theoretischen Gespräche, Interviews und kollegialen Plänkeleien erzwingen im Fluss des Films Aufmerksamkeit und Mitdenken des Zuschauenden.
Joachim Lang inszeniert Brecht als amüsant-süffisanten Künstler mit Allüren, der nicht nur Kunst schafft, sondern auch analysiert. Die Dreigroschenoper soll das Theater beziehungsweise die Oper revolutionieren. Die Kombination von Text, Spiel, Dramaturgie, Musik und Songs soll die Zuschauenden wachrütteln und der Dreigroschenfilm will es aus der eskapistischen Ecke holen. Dass der Produzent, der hierfür die Mittel bereitstellen soll, Zensur und Geschmack des Publikums fürchtet, und versucht, Brechts Ansätze zu verharmlosen, spornt den Künstler eher an.
Die gesellschaftspolitische Dimension ist zeitlos und auch heute durchaus relevant. Politische Bezüge blitzen beiläufig auf. Hier und da finden sich Szenen, die die wachsende Popularität der Nationalsozialisten hervorheben. Mit Brechts Gedicht An die Nachgeborenen beginnt das Ende des Films. Es untermalt Originalaufnahmen und eingefärbte Spielszenen, die seine Ausreise aus Deutschland und die Verbrennung seiner Schriften zeigen. Der eigentliche Schluss ist dann wieder der Moritat von Mackie Messer vorbehalten, bevor Max Raabe das Publikum entlässt.

DVD Extras: Kinotrailer, Premiere in Berlin, Eröffnungsfilm des Filmfest München, Trailer, Bildergalerie, 12-seitiges Booklet

Rotraut Greune

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Sprachen: Deutsch

Untertitel: Deutsch

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Anbieterangaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (13. Woche 2019).