M3GAN

Länge:
102 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Kinostart:
12.01.2023
Regie:
Gerard Johnstone
Darsteller:
Allison Williams (Gemma), Violet McGraw (Cady), Amie Donald (M3GAN), Ronny Chieng (David), Stephane Garneau-Monten (Kurt) u. a.
Genre:
Horror , Komödie , Thriller , Science-Fiction
Land:
USA, 2023

Viele kennen es: Dieses eine unverzichtbare Kuscheltier oder Spielzeug, das uns früher großen Halt gegeben hat. Umso beunruhigender ist der Gedanke, dass unser Trostspender auf einmal böse Kräfte entwickeln, uns vielleicht sogar schaden könnte. Mit eben dieser Idee spielen viele Horrorfilme, die eine Gruselpuppe ins Zentrum ihrer Handlung stellen. Auch „M3GAN“ sucht den Schrecken im Kinderzimmer, erzählt jedoch eher von einer falsch interpretierten Freundschaft und schaut mit ironischem Blick auf die Gefahren unserer durchtechnisierten Welt.


Worum es in „M3GAN“ geht:


Eigentlich hat die für einen Spielwarenhersteller arbeitende Robotik-Expertin Gemma den Auftrag, eine günstigere Version eines firmeneigenen Verkaufsschlagers zu konstruieren. Viel lieber tüftelt sie allerdings, ohne Erlaubnis ihres Chefs, an einer Hightech-Puppe namens M3GAN (kurz für Model 3 Generative ANdroid) herum, die Kindern als treuergebene Begleiterin dienen und Erwachsene bestmöglich entlasten soll. Ausgerechnet jetzt wird der auf ihren Job konzentrierten jungen Frau die Vormundschaft für ihre Nichte Cady übertragen, deren Eltern bei einem Unfall ums Leben gekommen sind. Gemma weiß anfangs wenig mit dem Mädchen anzufangen, erkennt dann aber eine verlockende Chance. Kurzerhand nimmt sie den M3GAN-Prototypen mit nach Hause und nutzt Cady als Testobjekt, um die Vorzüge ihrer Schöpfung zu beweisen. Die mit einer lernfähigen künstlichen Intelligenz ausgestattete Puppe nimmt ihre Aufgabe jedoch etwas zu ernst …


Wie „M3GAN“ gute Ansätze verspielt:


Technische Geräte sind in unserem Alltag immer präsenter. Kinder kommen immer früher mit ihnen in Kontakt. Und manche Eltern geben nur zu gerne ihre Verantwortung ab. All diese Beobachtungen greift der von Gruselexperte James Wan („Conjuring – Die Heimsuchung“) produzierte und Gerard Johnstone („Housebound“) in Szene gesetzte Horrorspaß auf. Trotz guter Ansätze fehlt dem Film am Ende allerdings der nötige satirische Biss. Statt boshaft-amüsant wird es in einigen Momenten auf unerfreuliche Weise lächerlich. Auch, weil die Macher*innen die Glaubwürdigkeit ihrer Geschichte strapazieren. Ein betont unernstes Schauerstück um eine mörderische Hightech-Puppe können wir natürlich nicht mit den logischen Maßstäben eines Sozialdramas messen. Fragen dürfen wir uns aber schon, warum die erste Testphase des „neuen alten Erfolgsprodukts“ – davon geht der Firmanboss ja schließlich aus – offenbar kein bisschen überwacht wird und warum Gemma ihre als revolutionär angepriesene Erfindung allen Ernstes mit auf ein Kinderfest im Wald schleppt.

Nerviger sind indes die selten mehr als routiniert inszenierten Gruselszenen und andere erzählerische Schwächen. Abgegriffenen Genreklischees – etwa das obligatorische tote Haustier – bleiben uns nicht erspart. Trauer und Traumabewältigung, um die es auch gehen könnte, geraten völlig in den Hintergrund. Sehr früh wird eine Firmenintrige angedeutet, die dann aber komplett versandet. Zudem ist Gemmas Charakterbogen enttäuschend vorhersehbar. Muss man ihr wirklich eine Läuterung auf den Leib schreiben, sie am Ende in die zunächst nicht gewollte Mutterrolle drängen? Hier verschenkt „M3GAN“ definitiv Potenzial, die Erwartungen des Publikums zu unterlaufen. Was ebenfalls stört: Während der Film es in der ersten Dreiviertelstunde langsam angeht und danach mit ein paar fiesen Einlagen die Schlagzahl erhört, verliert er im Finale jegliche Bodenhaftung. An diesem Punkt mutiert Cadys knapp 1,20 m kleine, KI-unterstützte Aufpasserin plötzlich zu einer Abrissbirne mit den Kräften einer Quasi-Superheldin. Über diese Willkür kann man sich ärgern oder sie einfach weglachen.

Christopher Diekhaus

Anbieter

FilmverleihUniversal