Love, Victor

Serienstart:
23.02.2021
Staffel:
1
Folgen:
10
Länge der Folgen:
10
Altersempfehlung:
Ab 12 Jahren
FSK-Freigabe:
keine Angabe
Regie:
Amy York Rubin, Jason Ensler, Pilar Boehm, Michael Lennox, Anne Fletcher, Anu Valia, Jay Karas, Todd Holland, Rebecca Asher
Darsteller:
Michael Cimino (Victor Salazar), Rachel Hilson (Mia), George Sear (Benji), Bebe Wood (Lake), Nick Robinson (Simon Spier), Mason Gooding (Andrew), u. a.
Genre:
Jugend , Drama , Komödie
Land:
Vereinigte Staaten , 2020

„Love, Simon“ geriet 2018 zur kleinen Kino-Sensation. Nicht, weil der Film über das Outing eines schwulen Teenagers an sich besonders revolutionär war. Revolutionär war vor allem, dass mit 20th Century Fox ein Major-Hollywood-Filmstudio das Projekt realisierte und queeres Geschichtenerzählen wohl endgültig in den Mainstream katapultiere. Im Streaming-Universum steht das Spin-Off „Love, Victor“ von den Schöpfer:innen Elizabeth Berger und Isaac Aptaker längst nicht alleine da. Zahlreiche Serien, wie zum Beispiel „Sex Education“ oder „Élité“, machen vor, wie queere Figuren in Handlungen eingewoben werden, ohne in Klischees abzurutschen. Aber kann sich „Love, Victor“ mit ihnen messen?


Was dich in der Serie „Love, Victor“ erwartet...


Neue Stadt, neues Glück? Nun, dass gleich am ersten Tag in der neuen High School in Creekwood alles rund läuft, wäre wohl etwas zu viel erwartet. Der 15-jährige Victor (Michael Cimino), der gerade mit seiner Familie nach Atlanta gezogen ist, muss sich mit den Querelen eines Neuankömmlings rumplagen: so gerät er beispielsweise direkt mit dem hiesigen Basketball-Star aneinander und wird just zur Tages-Schlagzeile der schulischen Gerüchteküche. Alles aber halb so wild, denn da sind auch viele freundliche Gesichter, die ihn gleich unter die Fittiche nehmen wollen. Etwa der nerdige Felix (Anthony Turpel), Victors Nachbar. Oder Mia (Rachel Hilson), das angesagteste Mädchen der Schule. Als Victor am selben Abend vor aller Augen mit ihr das Riesenrad besteigt – genau das Riesenrad, wo auch die Schul-Legende Simon vor ein paar Jahren unter Applaus seine erste Liebe Bram zum ersten Mal küsste – schießt sein Beliebtheitsbarometer gleich in astronomische Höhen. Alles aber nicht so einfach, wie es aussieht. Denn während sich zwischen ihm und Mia ein echter Flirt anbahnt, bleibt sein Blick auch an Benji (Anthony Turpel) kleben. Der ist nicht nur verdammt sexy, sondern auch offen schwul. Gefühlwirrwarr ist also gleich vorprogrammiert!

Kaum über die Schwelle der neuen High School getreten, wird Victor schon mit der wichtigsten aller Fragen konfrontiert: „Wer bist du?“ Ja, wer eigentlich? Das weiß Victor selbst noch nicht so genau und will sich da eigentlich auch gar nicht wirklich festlegen. Aber wie gelingt ihm das in einer Welt, in der alles in Schubladen und Kategorien gepresst werden will? Hin- und hergerissen wendet er sich mit einer Textnachricht an Simon, der inzwischen glücklich mit seinem Freund Bram (Keiynan Lonsdale) in New York City lebt. Der regelmäßige Austausch hilft Victor dabei, sich selbst allmählich so zu akzeptieren, wie er ist.


Lohnt sich das Spin-off „Love, Victor“?


„Nicht alle haben es so einfach wie du!“, wirft Victor Simon vor, als er ihm seine erste Chat-Nachricht sendet. Und tatsächlich: In „Love, Simon“ hielten sich die Outing-Hürden, die von Simon überwunden werden mussten, relativ in Grenzen. Von den Bilderbuch-Eltern bis hin zum Rest des sozialen Umfelds wurde Simon mit herzerwärmender Akzeptanz überschüttet. Dass das in „Love, Victor“ etwas anders aussehen könnte, legen Momente nahe, in denen Victors Eltern anfänglich beim Gottesdienst hinter vorgehaltener Hand über einen Mann in rosa Anzug lästern: eine „Tunte“ vielleicht? Und auch um Victors eigene Sexualität scheint es weniger eindeutig bestellt zu sein, als bei Simon. Doch auch wenn die Serie schon in den ersten beiden Episoden mehr Komplikationen vorbereitet als der Vorgängerfilm, bleibt der Tonfall insgesamt ähnlich brav: keine verbalen Ausgleiter also und keine großen Freizügigkeiten, sondern maximal ein paar keusche Küsschen sind wohl zu erwarten. Passend zur kunterbunten Diversität ist die Welt hier in sonniges Licht getüncht und von Optimismus durchweht. Und es besteht auch wahrlich Grund zu all der Fröhlichkeit: War es vor zwanzig Jahren denn so selbstverständlich, dass im Mittelpunkt einer US-amerikanischen Teenie-Serie ein Protagonist mit Latino-Wurzeln steht, dass die High-School-Schönheitskönigin schwarz ist und, dass das vorgeschriebene Liebesgeplänkel nicht von heterosexuellen Paaren dominiert wird?

„Love, Victor“ mag in mancher Hinsicht vielleicht etwas unbedarft sein und wirkt (ähnlich wie schon der Kinofilm nach Becky Albertallis Bestseller „Simon vs. The Homo Sapiens Agenda“) zeitweise ideal märchenhaft. Doch mit dieser Herangehensweise erzeugt er womöglich genau die wünschenswerte Normalisierung und wachsende Akzeptanz queerer Realitäten in den Köpfen seiner Zielgruppe. Und auch wenn „Love, Victor“ trotz charmanten Casts am Ende des Tages nicht unbedingt bahnbrechend sein mag und auch nicht die Kult-Qualitäten mitbringt, wie die halb-aufklärerische „Sex Education“ oder die kokett-verderbte „Élité“ – als kurzweilige Zeitüberbrückungs-Hilfe bis zu deren neuen Staffeln taugt sie allemal!

Nathanael Brohammer

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Sprachen: Englisch

Streaming-Anbieter

Angaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (8. Woche 2021).