Juliet, Naked

Länge:
98 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 12 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 0 Jahren
Kinostart:
15.11.2018
Regie:
Jesse Peretz
Darsteller:
Rose Byrne (Annie Platt), Ethan Hawke (Tucker Crowe), Chris O'Dowd (Duncan Thomson), Denise Gough (Gina), Lily Brazier (Ros Platt), Ayoola Smart (Lizzie) u. a.
Genre:
Komödie , Literaturverfilmung , Love Story
Land:
USA, Großbritannien, 2018

Diese Liebesgeschichte klingt so schräg, dass sie der Realität kaum standhalten könnte. Gerade das macht ihren großen Reiz aus – und seltsamerweise auch ihre Glaubwürdigkeit jenseits gängiger romantischer Klischeevorstellungen: Seit vielen Jahren schon ist die städtische Kulturorganisatorin Annie mit dem Universitätsdozenten und Musikkritiker Duncan liiert. Dieser interessiert sich zum Leidwesen von Annie weitaus mehr für den legendären britischen Songwriter Tucker Crowe als für seine Lebensgefährtin. Obwohl Crowe seit zwei Jahrzehnten keinen neuen Song veröffentlicht hat und wie von der Bildfläche verschwunden ist, sammelt Duncan jede erdenkliche Information über ihn und gibt sogar eine eigene Fan-Website heraus. Und dann kommt der Tag, an dem Crowe plötzlich doch ein neues Album veröffentlicht, das dem Film seinen Titel gab. Duncan ist davon so begeistert, dass Annie sich dazu verleitet fühlt, anonym eine kritische Rezension auf der Website zu posten. Zu ihrer Überraschung meldet sich Tucker Crowe daraufhin von der anderen Seite des Atlantiks persönlich und fühlt sich erstmals richtig verstanden. Doch es bleibt nicht bei der Online-Freundschaft. Schon bald kommt es zu einem ersten Treffen in den USA, bei dem Annie, die allzu gerne ein eigenes Kind hätte, auch Bekanntschaft mit Crowes fünf Kindern und seinen drei Ex-Frauen macht.

Bei Rosamunde Pilcher könnte man ziemlich sicher vorhersagen, wie die Geschichte ausgeht. Nicht aber bei dem britischen Autor Nick Hornby, von dem die 2009 erschienene Romanvorlage für den Film stammt. Schließlich geht es in der stilsicher angelegten Komödie, die Annie als Hauptfigur und Off-Erzählerin aus ihrer Perspektive kommentiert, um weit mehr als um eine romantische Liebesbeziehung, um Kinderwünsche und die eher typischen Probleme von Patchwork-Familien. Hornby und mit ihm der Regisseur Jesse Peretz (Our Idiot Brother) gehen der Frage nach, was mit Fans und Followern im Zeitalter des Internet passiert, die durch ihre Passion die Realität und ihre unmittelbaren Bezugspersonen aus den Augen verlieren. Amüsant-ironische Seitenhiebe auf die Kulturindustrie bleiben dabei nicht aus, etwa wenn ein Haifischauge zum wichtigsten Exponat einer Ausstellung über die Stadtgeschichte wird. Im Grunde genommen ist der Film Coming-of-Age-Drama und Seniorenkino gleichermaßen. Die vielfältigen Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens kommen bei Tuckers Kindern zum Tragen, aber gleichermaßen in der mittleren Generation, die viel Zeit damit verbracht hat, endlich selbst erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Und die Warnung vor einem verpassten Leben erhält Annie von einer alten Dame, die ihr gegenüber bereut, in ihrem Leben nie ein wirkliches Risiko eingegangen zu sein. Zusammengefasst also ein ebenso unterhaltsamer wie tiefgängiger Film über das Leben im digitalen Zeitalter, der Jung und Alt gleichermaßen anspricht.

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