Jojo Rabbit

Prädikat besonders wertvoll
Länge:
108 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
23.01.2020
Regie:
Taika Waititi
Darsteller:
Roman Griffin Davis (Jojo), Thomasin McKenzie (Elsa), Scarlett Johansson (Rosie, Jojos Mutter), Taika Waititi (Adolf), Sam Rockwell (Hauptmann Klenzendorf), Rebel Wilson (Fräulein Rahm)
Genre:
Tragikomödie , Literaturverfilmung
Land:
USA, 2020

Darf man über Hitler lachen, das Dritte Reich mit all seinen Schrecken satirisch behandeln? Darf man und hat man bereits gemacht, als das Dritte Reich noch existierte und den Zweiten Weltkrieg gerade angezettelt hatte. 1940 nämlich drehte Charlie Chaplin mit „Der große Diktator“ eine bitterböse Satire auf Hitler, die in die Kinogeschichte eingegangen ist. Ob „Jojo Rabbit“, das satirische Drama des neuseeländischen Filmemachers Taika Waititi (5 Zimmer, Küche, Sarg, Thor: Tag der Entscheidung), ebenso ein Filmklassiker werden wird, muss die Zeit entscheiden. Auf jeden Fall ist es ein aufregender, eigenwilliger und sehenswerter Film, den man nicht verpassen sollte. Er beginnt rasant und genau in der Stimmung, die dann über mehr als 100 Minuten gehalten wird: Im Takt zu dem auf Deutsch gesungenen Beatles-Song „Komm gib mir deine Hand“ reißen in historischen Dokumentaraufnahmen jubelnde Menschenmassen die Arme zum Hitlergruß empor. Dagegen geschnitten wird der junge Hauptheld des Films, der in seiner Hitlerjugend-Uniform durch die Straßen rennt und gleich beide Arme in alle Richtungen hochstreckt.

Es ist der zehnjährige Johannes Betzler, genannt Jojo, der zusammen mit seiner Mutter in der (fiktiven) deutschen Kleinstadt Falkenheim lebt. Es sind die letzten Monate des Zweiten Weltkrieges, die Kampfeslust vieler Deutscher geht dem Nullpunkt entgegen. Nur Jojo ist glücklich, endlich zum Jungvolk gehören zu können. Allerdings ist der behütet aufgewachsene, etwas naive und gefühlvolle Junge den Anforderungen dort im paramilitärischen Jugendlager so gar nicht gewachsen. Als er zum Beweis seiner inneren Stärke einen Hasen töten soll, versagt er völlig und heißt von nun an Jojo Rabbit. Beim Handgranatenwerfen gar verletzt er sich so schwer, dass er wochenlang im Krankenhaus liegt und hässliche Narben im Gesicht behält. Bei all seinen Schwierigkeiten kann ihm auch sein bester Freund, der imaginäre Adolf Hitler, nicht helfen. Der steht ihm zwar in jeder Situation mit einem Rat zur Seite und stachelt ihn an, doch dies alles meist ziemlich blödsinnig und ohne Durchblick. Richtig kompliziert wird es für Jojo, als er entdeckt, dass seine Mutter das jüdische Mädchen Elsa im Haus versteckt. Was soll er tun? Anzeigen kann er Elsa nicht, bringt er dann ja auch seine Mutter in Gefahr. Also bleibt ihm nichts anderes übrig, als Elsa zu vergraulen. Doch die 15-Jährige ist wehrhaft und nicht auf den Mund gefallen. Doch was noch viel schlimmer ist, so langsam, aber sicher erobert sie Jojos Herz.

Taika Waititi, der selbst teils jüdische, teils Maori-Wurzeln hat, erzählt die Geschichte, die auf dem Roman „Caging Skies“ von Christine Leunen basiert, aus der naiven Sicht des zehnjährigen Jojo. Das ermöglicht ihm, eine berührende Geschichte über den Fanatismus eines verwirrten Menschen zu zeigen, der einfach nur dazu gehören möchte und der letztendlich zum Umdenken und kritischen Hinterfragen gebracht wird. Andererseits schafft Waititi völlig überzeichnete, irrwitzige Nazifiguren, sei es der von ihm gespielte Fantasie-Hitler, der zynische Hauptmann Klenzendorf, grandios dargestellt von Sam Rockwell (Die Frau, die vorausgeht), oder das Fräulein Rahm (Rebel Wilson), das sich damit rühmt, dem Führer 18 kleine Arier geboren zu haben. Sie alle zeigen die Absurdität der Nazigrößen, aber auch ihre Gefährlichkeit und provozieren ein Lachen, das dann im Hals steckenbleibt. Denn bei aller Komik bringt Waititi sein Publikum immer wieder auf die historischen Tatsachen und Ungeheuerlichkeiten zurück, wenn beispielsweise Widerständler auf dem Marktplatz hingerichtet werden.


Barbara Felsmann

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