Hausen

Serienstart:
29.10.2020
Staffel:
1
Folgen:
8
Länge der Folgen:
52-58 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Regie:
Thomas Stuber
Darsteller:
Juri (Tristan Göbel), Charly Hübner (Jaschek), Béla Gabor Lenz (Ninja), Lilith Stangenberg (Cleo), Alexander Scheer (Kater) u. a.
Genre:
Horror , Drama
Land:
Deutschland, 2020

Der Titel der neuen Sky-Eigenproduktion „Hausen“ trifft den Nagel auf den Kopf. Von wohnen kann in der Horrorserie keine Rede sein. Stattdessen hausen die Figuren in einem Plattenbau, den schon die ersten Einstellungen als heruntergekommenes, denkbar unbehagliches Setting etablieren. Wie so oft im Gruselgenre beherbergt dieser Schauplatz mehr als nur ein dunkles Geheimnis. Und schon sehr früh deutet sich an, dass das versiffte, bedrohlich aufragende, ständig von Nebel umhüllte Hochhaus regelrecht zu leben scheint – und seine Bewohner verschlingen will.


Was dich in der Horrorserie „Hausen“ erwartet:


Nach dem Tod seiner Mutter zieht der 16-jährige Juri an eben diesen wenig einladenden Ort, da sein mürrischer Vater Jaschek in dem vielstöckigen Gebäude den Job des Hausmeisters antritt. Als Willkommensgeschenk erhält der Teenager von einem zwielichtigen Obdachlosen namens Kater einen merkwürdigen Stein mit einem Loch, der an ein Auge erinnert und plötzlich auch in Juris Träumen auftaucht. Während sich sein alter Herr mit seinem maroden Arbeitsplatz vertraut macht, erkundet Juri sein neues Zuhause auf eigene Faust. Dabei lernt er schon bald einige der zahlreichen kaputten Existenzen kennen, die in dem Plattenbau ums Überleben kämpfen. Als das Baby eines jungen Paares spurlos verschwindet, nimmt das Grauen langsam mehr und mehr Gestalt an.


Warum sich „Hausen“ trotz kleiner Schwächen lohnt...


Bereits in der ersten Folgen zeichnet sich ab, dass die Serienschöpfer Anna Stoeva und Till Kleinert („Der Samurai“, „Lange Nacht“) und Regisseur Thomas Stuber („In den Gängen“, „Herbert“) nicht an einem Feuerwerk an Schockeffekten interessiert sind. „Hausen“ kommt über das Atmosphärische. Über die von Anfang an erzeugte Stimmung der Feindseligkeit und Verzweiflung. Die Welt, die wir zu sehen bekommen, ist dunkelgrau. Selbst am Tag wirkt das Licht kränklich und schmutzig. Das Szenenbild gibt sich alle Mühe, den Verfall des Hauses und das Elend der Mieter zu betonen. Nichts scheint hier richtig zu funktionieren. Überall ist Dreck. Und noch dazu verhält sich der Bau wie ein richtiges Lebewesen. Aus der Heizung tropft eine eigenartige schwarze Flüssigkeit. Ständig klopft und pocht es. An einigen Stellen scheinen die Wände durchlässig zu sein. Immer wieder erklingen unheimliche Flüsterstimmen. Und wiederholt fährt die Kamera bedeutungsschwanger auf Öffnungen wie Lüftungsschlitze, den Müllschacht oder einen Backofen zu. Dass böse, grauenhafte Dinge vor sich gehen, begreift nicht nur Juri, sondern auch der Zuschauer sehr schnell.

Bisweilen kippt die allumfassende Düsternis jedoch ins Monotone. Und mit ihrer Geheimniskrämerei tragen die Macher*innen in den ersten Episoden manchmal etwas zu dick auf. Als Enttäuschung kann man die Serie aber nicht abheften. Dafür stehen zu viele spannende Fragen im Raum: Wie genau ist Juris Mutter umgekommen? Was hat Jaschek mit ihrem Tod zu tun? Welche Rolle spielt der von Alexander Scheer diabolisch verkörperte Obdachlose? Ist der koboldhafte Mann vielleicht als Hausgeist Ursprung allen Übels? Wird sich Juri von seinem Vater lösen können? Hat die aufkeimende Romanze des Teenagers eine Chance in dieser trostlosen Welt? Und verfolgt die Serie sogar sozialkritische Ambitionen? Das zumindest legt die Figur eines spießigen rechten Scharfmachers nahe, der dafür sorgen will, so versichert er dem neuen Hausmeister, dass ein fähiger Mann wie Jaschek keine Hundescheiße mehr wegwischen müsse. Beim Blick auf den tristen Plattenbau, den Nazi-Mieter und die asiatisch-stämmige Loan werden, womöglich nicht zufällig, Erinnerungen an ein schreckliches Ereignis aus dem Jahr 1992 wach, das der Spielfilm „Wir sind jung. Wir sind stark“ eindringlich rekonstruiert. Gemeint sind die rassistisch motivierten Übergriffe auf die Aufnahmestelle für Asylbewerber und eine Unterkunft von Vietnamesen in Rostock-Lichtenhagen.

Trotz kleiner Schwächen kann man aus den Folgen eins bis vier, die für die vorliegende Kritik gesichtet wurden, ein ordentliches Zwischenfazit ziehen: „Hausen“ ist keine einfallslose Horrorstangenware und hat nach der Hälfte genügend Potenzial, den Zuschauer noch stärker in den düsteren Mikrokosmos des seltsam lebendigen Schauplatzes hineinzuziehen.

Christopher Diekhaus

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Anbieter

Anbieterangaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (44. Woche 2020).