Greta (2019)

Länge:
98 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Kinostart:
16.05.2019
Regie:
Neil Jordan
Darsteller:
Chloë Grace Moretz (Frances), Isabelle Huppert (Greta), Maika Monroe (Erica), Colm Feore (Chris McCullen), Stephen Rea (Brian Cody)
Genre:
Thriller
Land:
USA, Irland, 2018

Wenn Ehrlichkeit bestraft wird: Als die junge Restaurantmitarbeiterin Frances in der New Yorker U-Bahn eine scheinbar vergessene Handtasche samt Ausweis und Bargeld findet und sie ihrer Besitzerin zurückbringt, ahnt sie noch nicht, dass sie schon bald in einen Albtraum schlittern wird. Die verwitwete Greta ist hocherfreut über die nette Geste der Finderin und lädt sie kurzerhand auf eine Tasse Kaffee ein. Aus dem Gespräch entwickelt sich rasch eine freundschaftliche Beziehung, die Frances‘ Mitbewohnerin Erica mit großer Skepsis beäugt. Bei einem Treffen in Gretas Wohnung stößt die Kellnerin durch Zufall auf weitere sorgsam präparierte Taschen und begreift, dass ihr Kennenlernen alles andere als Zufall war. Obwohl die entsetzte Frances den Kontakt daraufhin umgehend abbricht, drängt sich die vermeintlich sympathische ältere Dame immer aggressiver in ihr Leben.


Isabelle Huppert gehört zweifelsohne zu den größten französischen Filmstars der Gegenwart und schafft es als durchgeknallte Verfolgerin spielend leicht, dem Zuschauer einen Schauer über den Rücken zu jagen. In diesem Fall hat sich die preisgekrönte Charaktermimin allerdings in einen arg vorhersehbaren Reißer verirrt, der ein ums andere Mal die Grenze zur Lächerlichkeit überschreitet. Ähnlich wie in seinem holzschnittartigen Selbstjustizthriller „Die Fremde in dir“ pfeift der einst für seine doppelbödigen Arbeiten gefeierte Neil Jordan – sein Drehbuch zu „The Crying Game“ brachte ihm etwa einen Oscar ein – auf jegliche Subtilität und psychologische Tiefe. Das gemeinsam mit Ray Wright verfasste Skript klappert nahezu alle Klischees des Stalking-Films ab, hält sich nur oberflächlich mit Frances‘ Trauer über den noch nicht lange zurückliegenden Tod ihrer Mutter auf und gesteht den beiden Protagonistinnen enttäuschend wenig Entfaltungsraum zu. Besonders ärgerlich ist das häufig himmelschreiend naive Verhalten der überrumpelten Kellnerin, das die Glaubwürdigkeit der Geschichte in einigen Momenten massiv untergräbt. Da der Regisseur auch in seiner Inszenierung dicker als notwendig aufträgt, bleibt die Hoffnung auf einen packenden, unberechenbaren Schlagabtausch letztlich nur ein frommer Wunsch.

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