Foxtrot

Länge:
113 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
12.07.2018
Regie:
Samuel Maoz
Darsteller:
Lior Ashkenazi (Michael Feldmann), Sarah Adler (Daphna Feldmann), Yonaton Shiray (Jonathan Feldmann), Karin Ugowski (Michaels Mutter), Shira Haas (Alma) u. a.
Genre:
Tragikomödie , Drama , (Anti-)Kriegsfilm , Politischer Film
Land:
Israel, Deutschland, Frankreich, Schweiz, 2017

Der Schock sitzt tief, als Daphna Feldmann zwei israelische Militärangehörige vor der Wohnungstür in Tel Aviv erblickt. Während sie wie gelähmt ist, erklären die Offiziere ihrem Ehemann Michael, dass der 19-jährige Sohn Jonathan bei seinem obligatorischen Militärdienst an der Front gefallen sei. Nicht einmal die Leiche wurde offenbar gefunden, wie der Vater nach bohrenden Rückfragen herausfindet. Zunächst mit versteinerter Miene, wandeln sich Michaels Gefühle in aufbrausende Wut. Gegen den Schock soll ein Glas Wasser helfen – wie die Überbringer dieser Hiobsbotschaft mit sanfter Stimme verkünden. Die ganze Familie erstarrt in Trauer. Mit Ausnahme der an Demenz erkrankten Mutter des Architekten, die den Tod ihres Enkels nicht begreift. Am nächsten Morgen stehen die beiden Militärangehörigen erneut vor der Tür und behaupten, es habe sich um einen bedauerlichen Irrtum gehandelt.

Was danach passiert, erfahren die Zuschauer erst im dritten Akt dieses zwischen griechischer Tragödie, Tragikomödie, Satire, Kammerspiel und Antikriegsdrama angesiedelten Films von Samuel Maoz (Lebanon - Tödliche Mission), der darin seine eigenen Erlebnisse als israelischer Soldat verarbeitete. Gleichwohl wurde der Film unter anderem von der amtierenden israelischen Kulturministerin heftig kritisiert und boykottiert, weil er Lügen verbreite und damit den Gegnern Israels in die Hand spielen würde. Denn im zweiten Akt wird die Nebenhandlung der israelischen Soldaten erzählt, die an einem verlorenen Checkpoint irgendwo an der Grenze zu den palästinensischen Gebieten spielt. Dort versieht Jonathan seinen Dienst mit anderen gelangweilten Soldaten, deren Wohncontainer symbolbeladen immer mehr in Schieflage gerät und langsam im Schlamm versinkt. Zusammen mit den anderen kontrolliert und schikaniert er die wenigen arabischen Autoinsassen, die den Checkpoint passieren müssen. Lediglich ein Kamel darf unbehelligt und ohne Kontrolle die Grenze passieren. Nicht minder absurd wirkt ein Zwischenfall, der Jonathan schließlich traumatisiert zurücklässt.

Auf hohem künstlerischem Niveau setzt sich dieser auf den Filmfestspielen von Venedig 2017 mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnete Film kritisch mit der israelischen Gesellschaft auseinander, die zwar ständig in Bewegung ist, sich aber – wie beim titelgebenden Foxtrott – nicht von der Stelle bewegt. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund eines wieder aufkeimenden Antisemitismus ist dieser Film wichtig, denn er führt uns anschaulich vor Augen, dass das Leben kein Foxtrott sein darf.

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