Fly

Länge:
110 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 6 Jahren
Kinostart:
14.10.2021
Regie:
Katja von Garnier
Darsteller:
Svenja Jung (Bex), Ben Wichert (Jay), Jasmin Tabatabai (Ava), Nicolette Krebitz (Sara), Katja Riemann (Dr. Goldberg), Aleksandar Jovanovic (Herr Hartmann)
Genre:
Musikfilm , Drama
Land:
Deutschland, 2020

„Seit ich mich erinnern kann“, sagt Bex gleich zu Beginn des Films, „habe ich immer nur eins gewollt: Fliegen!“ Doch die 20-Jährige ist momentan vom Fliegen in der Luft weit entfernt. Sehr weit! Denn immer wieder holen sie ihre Albträume ein. Und darin kämpft sie unter Wasser ums Überleben.


Worum geht es im Film „Fly“?


Bex sitzt im Knast. Im Geschwindigkeitsrausch hat sie einen schweren Verkehrsunfall verursacht, bei dem sie auf einer Brücke ein Auto gerammt hat und beide Fahrzeuge im Fluss gelandet sind. Sie hatte Glück und kam mit leichten Verletzungen davon. Der junge Fahrer des anderen Autos dagegen wurde lebensgefährlich verletzt. Im Gefängnis soll Bex nun im Rahmen einer Resozialisierungsmaßnahme an einem Tanzkurs teilnehmen. Weigert sie sich, droht ihr die Verlegung. Also geht Bex unwillig zu den „Tanzstunden“ mit den anderen „Resis“. Doch wider Erwarten handelt es sich hier um modernen Streetdance. Schon bald schafft es die taffe Trainerin Ava, die jungen Leute mit ihrer Leidenschaft für den Tanz anzustecken. Letztendlich auch Bex, die seit dem Unfall schwer traumatisiert ist. Allmählich lernt sie, sich durch den Tanz mit ihrer Grenzerfahrung und ihren Schuldgefühlen auseinanderzusetzen und gegenüber Ava und den anderen „Resis“ zu öffnen. Vor allem fühlt sie sich zu dem stillen, unglaublich talentierten Tänzer Jay hingezogen. Doch als sie sich näherkommen, wird Bex dramatisch von ihrer Vergangenheit eingeholt.


Lohnt sich ein Blick in den Film für mich?


Erst einmal etwas Vorgeschichte: 1997 drehte Regisseurin Katja von Garnier den großartigen Musikfilm „Bandits“, der schon bald Kultstatus erlangte und dessen Soundtrack zum erfolgreichsten deutschen Soundtrack aller Zeiten wurde. Darin geht es um vier Gefängnis-Insassinnen, die im Rahmen eines Rehabilitierungsprogramms eine Band gründen. Nachdem den Frauen als die „Bandits“ die Flucht aus dem Gefängnis gelingt, werden sie berühmt und starten einen Hit nach dem anderen. Nun greift Katja von Garnier wieder das Motiv von jungen Straftäterinnen und -tätern auf, die sich im Rahmen von Resozialisierungsmaßnahmen bewähren sollen. Allerdings geht es diesmal um Urban-Dance. Als Erinnerung an „Bandits“ hat die Regisseurin drei der damaligen vier Hauptdarstellerinnen, unter ihnen Jasmin Tabatabai als Ava, in „Fly“ wiederbesetzt.

Nun zur obigen Frage: Ein Blick und sicher noch viele mehr lohnen sich auf jeden Fall! „Fly“ besticht durch den mitreißenden Soundtrack von Vivian und Ketan Bhatti, die hochkünstlerische Bildgestaltung von Torsten Breuer sowie durch die überwältigenden Tanzszenen. Das betrifft die großartige Choreographie von der berühmten Urban-Dance-Formation „Flying Steps“, die hervorragenden Tänzerinnen und Tänzer, aber auch die Location der einzelnen Tanzszenen. Besonders eindrücklich sind beispielsweise die Szene, als Bex in der engen Zelle ihr Wassertrauma austanzt, oder die Aufnahmen im Museum, als die „Resis“ sich jeweils mit einem Kunstwerk in ihrem Tanz auseinandersetzen, oder, oder, oder. Großartig agieren auch Svenja Jung („Die Mitte der Welt“, „A Gschicht über d'Lieb“) als Bex und der weltbekannte Hip-Hop-Tänzer Ben Wichert als Jay. Ihre behutsame, von inneren Ängsten bestimmte Annäherung ist überzeugend gespielt und geht ziemlich unter die Haut.

Und jetzt noch etwas Kritisches: Die Story selbst ist – im Gegensatz zu „Bandits“ – doch recht eindimensional und vorhersehbar. Während bei „Bandits“ jede der vier Frauen ein eigenes, bewegendes Vorleben hatte und dies alles verwoben war mit einer witzigen, spritzigen Fluchtgeschichte, verläuft bei „Fly“ alles auf einer einzigen Tonlage. Im Gegensatz zu der gedrückten Stimmung im Film finden dann die Konflikte am Ende eine einfache, schnelle Lösung.

Barbara Felsmann

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Anbieter

FilmverleihSTUDIOCANAL Home Entertainment

Anbieterangaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (41. Woche 2020).