303

Länge:
145 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
19.07.2018
Regie:
Hans Weingartner
Darsteller:
Mala Emde (Jule), Anton Spieker (Jan) u. a.
Genre:
Road-Movie , Love Story
Land:
Deutschland, 2018

Oldtimer-Fans geraten immer noch ins Schwärmen, wenn von dem Mercedes-Benz Wohnmobil 303 die Rede ist, das in den 1970er- und 80er-Jahren gebaut wurde und Kultstatus erreichte. In einem solchen Wohnmobil reisen die beiden Berliner Studierenden Jule und Jan nach einer Zufallsbekanntschaft an der Autobahnraststätte nach Portugal. Jule hat gerade ihre Prüfung nicht bestanden und macht sich in dem Wohnmobil ihres durch Selbstmord ums Leben gekommenen Bruders auf den Weg zu ihrem Freund in Portugal. Jan hat eine Absage für sein Stipendium zu verkraften und möchte endlich seinen ihm unbekannten biologischen Vater in Spanien suchen. Auf den ersten Blick könnten die beiden Reisenden nicht unterschiedlicher sein. Jan beispielsweise hält den Menschen von Natur aus für egoistisch, Jule dagegen grundsätzlich für empathisch und kooperativ. Auf der langen Reise, die gemeinsam eigentlich nur bis Köln gehen sollte, führen die beiden endlose, aber nie langweilige philosophische Gespräche über das Wesen und die Zukunft des Menschen, die Grundprinzipien des Kapitalismus, den Darwinismus, die Wirkung von Stresshormonen – und immer mehr auch über das Wesen der Liebe, über Monogamie oder den Unterschied zwischen Verliebtsein und echter Liebe. Bis die Theorie dann in die Praxis übergeht, ist bereits mehr als eine übliche Spielfilmlänge vergangen und beide sind bei ihren selbstgesteckten Zielen um einige Erfahrungen reicher.

Eingebettet in stimmungsvolle Landschaftsaufnahmen und stimmigen Soundtrack gelingt Regisseur Hans Weingartner (Die fetten Jahre sind vorbei) mit seinem neuen Film trotz der Überlänge etwas ganz Außergewöhnliches, was in dieser Leichtigkeit und Tiefe sonst eigentlich nur den Franzosen zu eigen ist: Ein Film, in dem ständig geredet, aber nicht blöd daher gequatscht wird, der die Aufmerksamkeit fesselt und auf Dauer hält, auch wenn man nicht alles verstehen und nachvollziehen muss, der sich in allem viel Zeit lässt und das ausgerechnet bei zwei Menschen, bei denen schon sehr früh der Eindruck entsteht, sie seien geradezu füreinander geschaffen. Eine reife Leistung, nicht zuletzt von den beiden Darstellern Mala Emde und Anton Spieker. Und er stellt Fragen, die sich unabhängig von erworbener Lebensweisheit bereits viele junge Menschen stellen, die aber nicht nur für diese von Bedeutung sind.

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