Die Vierhändige

Prädikat besonders wertvoll
Länge:
94 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Kinostart:
30.11.2017
Regie:
Oliver Kienle
Darsteller:
Frida-Lovisa Hamann (Sophie), Friederike Becht (Jessica), Christoph Letkowski (Martin), Agnieszka Guzikowska (Maria), Detlef Bothe (Klinger)
Genre:
Thriller , Drama
Land:
Deutschland, 2017
Im Kindesalter müssen die Schwestern Jessica und Sophie, versteckt unter dem Sofa, mit ansehen, wie ihre Eltern von Einbrechern brutal ermordet werden. Ein traumatisches Ereignis, das die beiden Mädchen auf vollkommen unterschiedliche Weise verarbeiten. Während die ältere Jessica stark paranoide Züge entwickelt und die Vergangenheit nicht abschütteln kann, setzt Sophie alles daran, ein halbwegs normales Leben zu führen und sich eine erfolgreiche Zukunft als Pianistin aufzubauen. Als nach 20 Jahren die Täter von damals aus dem Gefängnis entlassen werden, will Jessica sie um jeden Preis ausfindig machen und gerät mit ihrer „kleinen“ Schwester darüber in Streit. Ein tragisches Unglück ist schließlich der Auslöser einer bedrohlichen existenziellen Krise, bei der sich Jessicas Versprechen, immer auf Sophie aufzupassen, in einen nicht enden wollenden Albtraum verwandelt.

Schon mit seinem preisgekrönten Spielfilmdebüt, dem Jugenddrama Bis aufs Blut – Brüder auf Bewährung, stellte Regisseur und Drehbuchautor Oliver Kienle sein Gespür für kantig-explosive Geschichten unter Beweis. Mitreißend und spannend fällt auch seine zweite abendfüllende Kino-Arbeit „Die Vierhändige“ aus, hinter deren unscheinbarem Titel sich ein adrenalingetränkter, kraftvoll-dynamischer Psychothriller verbirgt. Gerade für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich ist die Wucht, die der Film bereits in den ersten Minuten entfaltet: In einem altehrwürdigen Anwesen, das vor einer tristen Industrielandschaft thront, spielen zwei Mädchen – Jessica und Sophie – gemeinsam Klavier. Eine eigentlich friedliche Szene, die allerdings durch ein mechanisches Pochen mit einem diffusen Unbehagen aufgeladen wird. Das Erscheinen der Eindringlinge lässt Kienle urplötzlich und damit schockartig über die Schwestern und den Zuschauer hereinbrechen, wobei er die Dramatik des Angriffs geschickt mithilfe schemenhafter Impressionen und einer schauerlichen Geräuschkulisse deutlich macht. Dass die psychische Abwärtsspirale, die nach dem ersten Drittel einsetzt, fesselt und emotional berührt, liegt nicht zuletzt an den beiden Hauptdarstellerinnen, die sich mit Haut und Haaren ihren Figuren und deren aufgewühltem Innenleben verschreiben. Beeindruckend und beängstigend zugleich ist vor allem die unbändige Wut, die Friederike Becht in ihrem energiegeladenen Spiel an den Tag legt. Schummrig ausgeleuchtete Schauplätze, einige starke Kamerafahrten und wirkungsvolle Tonverfremdungen runden einen düsteren, abgründigen Genrefilm ab, der trotz einer für alte Thriller-Hasen nicht allzu überraschenden Finalwendung auf ganzer Linie überzeugt. Andere deutsche Regisseure sollten sich Kienles Albtraumtrip auf jeden Fall zum Vorbild nehmen!

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