Die Saat

Länge:
100 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
28.04.2022
Regie:
Mia Maariel Meyer
Darsteller:
Hanno Koffler (Rainer Matschek), Dora Zygouri (Doreen Matschek), Anna Blomeier (Nadine Matschek), Lilith Julie Johna (Mara), Andreas Döhler (Kleemann) u. a.
Genre:
Drama
Land:
Deutschland, 2021

2014 besetzte die Regisseurin Mia Maariel Meyer den Schauspieler Hanno Koffler in ihrem Debütwerk „Treppe aufwärts“. Zwei Jahre später wurden die beiden ein Paar. Und nun verfassten sie gemeinsam das Drehbuch zu Meyers zweitem Film „Die Saat“, in dem Koffler erneut eine der Hauptrollen übernommen hat. Schon jetzt kann man sagen: Hoffentlich bleibt das präzise beobachtete Familien- und Sozialdrama nicht ihre letzte Zusammenarbeit.


Wovon „Die Saat“ handelt:


Weil das Gebäude, in dem sie wohnen, luxussaniert werden soll, müssen die Matscheks die Stadt verlassen. Im Umland erwerben sie ein stark renovierungsbedürftiges Haus, das der gelernte Fliesenleger Rainer in Eigenregie auf Vordermann bringen will. Er und seine schwangere Frau Nadine träumen von einem glücklichen Neustart. Ihre fast 13-jährige Tochter Doreen hingegen findet dem Umzug zunächst zum Kotzen. Als sie das rebellische Nachbarsmädchen Mara kennenlernt, hellt sich ihre Stimmung jedoch auf. Zumindest so lange, bis sie begreift, dass ihre Freundin ein manipulativer, durchtriebener Mensch ist. Auch Rainer muss früh einen heftigen Rückschlag verkraften. Erst vor kurzem wurde er in der Firma, für die er schon lange arbeitet, bei einem wichtigen Projekt erstmals zum Bauleiter ernannt. Seine fehlende Erfahrung und der Druck, Folgeaufträge an Land zu ziehen, werden ihm jetzt aber zum Verhängnis. Kurzerhand setzt ihm der Chef den älteren Kleemann vor die Nase. Anders als Rainer schlägt der Neue auf der Baustelle einen rauen Ton an und lässt die Beschäftigen bis zum Umfallen schuften.


Warum „Die Saat“ sehenswert ist:


Ins Zentrum ihrer Geschichte stellen Mia Maariel Meyer und Hanno Koffler Vater und Tochter, die beide Enttäuschungen und Demütigungen erleben. Doreens Ärger darüber, aus ihrem vertrauten Umfeld gerissen worden zu sein, fängt der Film überzeugend ein. Da ihre Eltern in der aktuellen Lage wenig Zeit für sie haben, freut sie sich über Maras Aufmerksamkeit. Dank ihr blüht Doreen wieder auf und lässt sich sogar zu verbotenen Dingen anstiften. Nach einem Diebstahl in einer Tankstelle ist der Schock allerdings groß, als sie die unschönen Charakterzüge ihrer neuen Freundin zu spüren bekommt. Von hier an gerät sie in einen Strudel der Frustration, der kein gutes Ende nehmen kann. Rainer ergeht es ähnlich. Sein einziger Wunsch ist es, dass es seiner Familie etwas besser geht. Dafür arbeitet er hart. Die Zurückstufung auf der Baustelle macht ihm zu schaffen. Seine Wut schluckt er dennoch erst einmal herunter und versucht, seinen Job bestmöglich auszufüllen. Auch bei ihm reihen sich jedoch mehrere Erniedrigungen aneinander. Und es wird immer schwerer, die Fassung zu bewahren. Dass sich etwas zusammenbraut, deutet „Die Saat“ schon früh durch unerwartete Nahaufnahmen und übersteigerte Toneffekte an. Zu den Stärken des Films gehört es allerdings, dass er die Eskalation langsam vorbereitet. Schön ist auch, dass die Matscheks sich regelmäßig stützen, sich eben nicht zerfleischen, selbst wenn sie es wiederholt versäumen, offen über ihre Sorgen und Probleme zu sprechen. Einige Nebenfiguren bleiben sicherlich zu eindimensional. Über diesen Schwachpunkt kann man aber leichter hinwegsehen, weil neben den Hauptdarsteller*innen auch die Schauspieler*innen in kleineren Rollen mit starken, natürlichen Darstellungen punkten. Wie anständige Menschen an widrigen Umständen und kapitalistischen Strukturen zunehmend verzweifeln, zeigt Mia Maariel Meyers Drama auf erfreulich eindringliche Weise.

Christopher Diekhaus

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FilmverleihmissingFILMs