Die Migrantigen (2016)

Länge:
98 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 12 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
07.09.2017
Regie:
Arman T. Riahi
Darsteller:
Faris Rahoma (Benny/Omar), Aleksandar Petrović (Marko/Tito), Doris Schretzmayer (Marlene Weizenhuber), Daniela Zacherl (Sophie/Jessica), Zijah A. Sokolović (Herr Bilic), Mehmet Ali Salman (Juwel), Josef Hader (Regisseur) u. a.
Genre:
Komödie
Land:
Österreich, 2016
Die deutsche Erfolgskomödie Willkommen bei den Hartmanns und die norwegische Satire Welcome to Norway haben 2016 gezeigt, dass man selbst bei dem brisanten Thema „Flüchtlinge“ lachen kann und darf. Man muss nur tief verwurzelte Vorurteile und Klischees aufs Korn nehmen und bewusst machen. Solche Filme müssen gewiss nicht immer politisch „korrekt“ sein, wenn es ihnen wenigstens ein Stück weit gelingt, der Fremdenfeindlichkeit etwas entgegen zu setzen. Nun legt Österreich beziehungsweise der im Iran geborene und in Wien aufgewachsene Filmemacher Arman T. Riahi mit der respektlosen Mediensatire „Die Migrantigen“ nach. Publikumspreise auf den Festivals in Saarbrücken und Nashville/USA zeigen, dass der schräge, typisch wienerische Humor des Films auch außerhalb der multikulturell geprägten Donaumetropole ankommt.

Für die in Österreich geborenen Freunde Benny und Marko war der eigene Migrationshintergrund bisher kein Thema. Sie fühlen sich als waschechte Wiener, auch wenn es den Schauspieler Benny nervt, dass ihm immer nur die Rolle eines arabischen Taxifahrers angeboten wird. Marko hat mit seiner schwangeren Freundin Sophie ganz andere Sorgen. In der Werbebranche läuft es gerade nicht gut, er ist hochverschuldet und Sophie darf davon nichts wissen. Darüber hinaus wächst ihm der störrische und im Rollstuhl sitzende Vater über den Kopf, der nicht versteht, dass der Sohn seine jugoslawischen Wurzeln verleugnet. Als die beiden Freunde von der karriereorientierten TV-Redakteurin Marlene Weizenhuber angesprochen werden, die gerade auf der Suche nach einer Story über den Culture-Clash im Problemviertel ist, wittern sie ihre Chance auf ein Geschäft. Sie geben sich als Omar und Tito aus, zwei Kleinkriminelle, die angeblich das ganze Viertel aufmischen. Ein Ausländer-Coach bringt ihnen bei, wie sie dem Klischee am besten entsprechen. Die Sendung wird zum Quotenhit. Erst als sie erkennen, dass sie mit ihren Lügengeschichten das ganze Viertel gegen sich aufgebracht haben, werden sie sich ihrer Verantwortung bewusst. Doch wie sollen sie plötzlich Vorurteile widerlegen, die das Fernsehen bereitwillig verstärkte, wenn sie selbst das Opfer-Täter-Schema schamlos bedient haben?

Dem Film gelingt es tatsächlich, gängige Klischees ad absurdum zu führen, auch wenn bei dieser Gratwanderung gerade in der ersten Hälfte mitunter etwas mehr Biss und Satire angesagt wären. Zum Glück macht der Film vieles wett, wenn er Mechanismen der allein auf Profit und Quote fixierten TV-Unterhaltungsindustrie aufdeckt, die mit einem leichtgläubigen Publikum ihr Spiel treibt und „Realitäten“ erfindet. Am Ende entwickelt sich die Satire dann zur Hommage an alle Menschen, die irgendwann einmal zugewandert sind und ohne die wohl keine Stadt funktionieren würde.

Anbieter

Kommentare zum Film