Die Maske

Länge:
88 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
14.03.2019
Regie:
Malgorzata Szumowska
Darsteller:
Mateusz Kosciukiewicz (Jacek), Agnieszka Podsiadlik (Jaceks Schwester), Małgorzata Gorol (Dagmara), Anna Tomaszewska (Jaceks Mutter), Dariusz Chojnacki (Jaceks Bruder) u. a.
Genre:
Drama , Tragikomödie
Land:
Polen, 2019

Jaceks Leben spielt sich zwischen Bauernhof, Kiosk und der Arbeit auf der Baustelle ab. Und irgendwie passt er da so gar nicht rein – mit seinen langen Haaren, Rockerjacke und dem Traum, eines Tages nach London zu ziehen. Hauptsache weg von hier. Denn eigentlich hat er genug davon, sich ständig von allen sagen zu lassen, was er anders machen soll. Von seiner Familie, von den Nachbarn, den Kollegen – immerhin hat jeder eine Meinung dazu, was richtig und was falsch ist. Und aus dem Rahmen fallen und sein eigenes Ding machen, das geht schon mal gar nicht. Immerhin ist da noch Dagmara, bei der er voll und ganz er selbst sein kann. Sie lieben sich, sie tun sich gut und die gemeinsame Zeit fühlt sich nach Freiheit an.


Doch dann kommt es auf der Baustelle zum Unfall: Jacek fällt vom Gerüst und wird so schwer verletzt, dass eine Gesichtstransplantation die einzige Hoffnung auf ein halbwegs normales Leben ist. Nur dass es in Wahrheit alles andere als normal ist, denn jetzt ist er gebrandmarkt und die Leute nehmen erst recht kein Blatt mehr vor den Mund. Selbst Dagmara geht ihm aus dem Weg. Allein seine Schwester hält tapfer zu ihm und gemeinsam stehen sie gegen eine Gesellschaft, die höchstens noch Profit schlagen will aus seinem Schicksal.


Es ist ein seltsames Gefühl, mit dem „Die Maske“ einem nach dem Abspann zurücklässt. Zum einen ist da die satirische Finesse, mit der die polnische Provinz hier in ihrer Scheinheiligkeit aufs Korn genommen wird: Angefangen mit einer den Markt stürmenden Menschenmasse, nur in Unterwäsche bekleidet, um im „Schlussverkauf für Nackedeis“ möglichst viele Schnäppchen zu reißen. Über mit einem Schweinskopf spielende Kinder, rassistische Witze in lockerer Männerrunde und einen Pfarrer, der im Beichtgespräch alles haarklein geschildert haben möchte, als es um sexuelle Verfehlungen geht. Bis hin zu einem absurden Exorzismus-Versuch und dem anmaßenden Bau der 36 Meter hohen Christus-Statue, um jene in Rio de Janeiro zu überflügeln. Regisseurin Malgorzata Szumowska („Body“) geht hier ähnlich schonungslos vor wie die Dorfbewohner in ihren Vorurteilen. Und die gezeigten Szenen sind schwer verdaulich, hinterlassen dafür aber einigen Eindruck. Eben überzogen und alles andere als angenehm, aber klug auf den Punkt gebracht.


Nur ist da leider auf der anderen Seite noch eine Story, die absolut keinen Sinn macht. Während die Perspektive des Außenseiters zu Anfang noch funktioniert hätte, wirft der Unfall mit all seinen Folgen bloß Unstimmigkeiten auf: Jacek ist viele Meter tief rückwärts von einem Baugerüst heruntergefallen. Wie kann es bitte sein, dass sein Körper so weit in Ordnung ist und er ausgerechnet eine Gesichts-OP braucht?! Wenn schon die längst ausgereizte Masken-Metaphorik, dann bitte zumindest mit ein bisschen Kreativität in der Art des Unfalls! Das im Anschluss gezeigte Schicksal des Entstellten ist leider auch mehr unangenehm und anstrengend, als dass es wirklich auf menschliche Abgründe aufmerksam macht. Da hätte man sich vielleicht ein bisschen was bei Eugene aus der Serie „Preacher“ abschauen können. Um die richtige Balance zu finden, damit man als Zuschauer eben nicht den Drang bekämpfen muss, den Film einfach wieder auszuschalten, weil statt Mitgefühl und Perspektivwechseln bloß die reine Provokation im Vordergrund steht. Das etwas verquere Spiel mit der Unschärfe – vermutlich um Jaceks eingeschränkte Sicht auf sein Umfeld widerzuspiegeln – macht das Ganze leider nur noch schlimmer.


Von daher ist „Die Maske“ wohl eher ein Film für hartgesottene Satirik-Fans, die ausreichend Ausdauer mitbringen, um die Goldnuggets aus einem schlammigen Flussbett zu fischen. Für alle anderen wäre ein Best-Of der gesellschaftskritischen Szenen eine tolle Sache, um mitreden zu können. Schade. Da hätte man von Szumowska durchaus mehr erwarten können.

Marius Hanke

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Sprachen: Deutsch, Polnisch

Untertitel: Deutsch, Englisch

Streaming-Anbieter

Angaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (7. Woche 2020).