Der Buchladen der Florence Green

Länge:
113 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 12 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 0 Jahren
Kinostart:
10.05.2018
Regie:
Isabel Coixet
Darsteller:
Emily Mortimer (Florence Green), Bill Nighy (Edmund Brundish), Patricia Clarkson (Violet Gamart), James Lance (Milo North), Honor Kneafsey (Christine Gipping), Frances Barber (Jessie Welford) u. a.
Genre:
Drama , Literaturverfilmung
Land:
Spanien, Großbritannien, Deutschland, 2018

Nach dem Tod ihres Mannes möchte sich die literaturbegeisterte junge Witwe Florence Green den Lebenstraum erfüllen, sich selbstständig zu machen und in einem uralten Haus in dem beschaulichen englischen Küstenort Hardborough einen eigenen Buchladen zu eröffnen. Was Ende der 1950er Jahre selbst in der Großstadt keine Selbstverständlichkeit ist, gestaltet sich mitten in der Provinz zu einem fast unlösbaren Problem. Denn die Fischer im Ort hatten bisher anderes zu tun, als sich in ein Buch zu vertiefen, und die aristokratische Gesellschaft unter der strengen Fuchtel von Violet Gamart befürchtet einen Kontrollverlust, zumal diese in dem Anwesen selbst ein Kulturzentrum eröffnen wollte. Dazu kommt, dass die engagierte Buchhändlerin mit nicht immer jugendfreier moderner Literatur frischen Wind in den Ort bringt und als Aushilfe ein minderjähriges Mädchen anstellt, dem bisher jegliche Bildung verwehrt blieb. Lediglich in dem alten Eigenbrötler Mr. Brundish findet Florence einen Freund und Seelenverwandten, der aber nicht verhindern kann, dass der Widerstand gegen Florence Green auf breiter Front wächst.

Die spanische Regisseurin Isabel Coixet, die sich bereits mit einfühlsamen Frauenporträts wie Das geheime Leben der Worte einen Namen machte, hatte gewiss nicht im Sinn, einen Film nur für die ältere Generation zu drehen, als sie sich an die Verfilmung des auch in Deutschland erfolgreichen Beststellers „Die Buchhändlerin“ der britischen Schriftstellerin Penelope Fitzgerald wagte. Denn obwohl der Film in Kostüm und Ausstattung in jeder Sekunde den Geist der späten 1950er Jahre atmet, wirkt er zugleich modern. Und die literarischen Werke, die Florence Green den konservativen Bewohnern des kleinen Küstenortes nahezubringen versucht, haben es bis heute in sich: Ray Bradburys „Fahrenheit 451“ beispielsweise, das später von François Truffaut verfilmt wurde, oder „Lolita“ von Vladimir Nabukov, verfilmt von Stanley Kubrick und erneut von Adrian Lyne. So verbindet sich in Coixets Film die Liebe zur Literatur und zum Film gleichermaßen, insbesondere da beide Medien zu gesellschaftlichen Umbrüchen beitragen oder diese reflektieren. Der Widerstand gegen gesellschaftliche Wandlungsprozesse etwa in Form von Korruption und bösen Intrigen hat sich bis heute nicht verändert, die Mediennutzung schon eher. So lässt sich der Film auch als ein Appell zur Rückbesinnung verstehen, nicht zuletzt auf die frühen Jahre der Frauenemanzipation nach dem Zweiten Weltkrieg, die offenbar gerade bei den Frauen selbst auf erbitterten Widerstand gestoßen ist.

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