Das Privileg – Die Auserwählten

Länge:
107 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
keine Angabe
Regie:
Felix Fuchssteiner, Katharina Schöde
Darsteller:
Max Schimmelpfenning (Finn Bergmann), Lea van Acken (Lena), Lise Risom Olsen (Yvonne Bergmann), Roman Knižka (Martin Bergmann), Milena Tscharntke (Sophie Bergmann) u. a.
Genre:
Horror , Thriller
Land:
Deutschland, 2022

Eines muss man Netflix lassen: Immer wieder ermuntert der Streamingdienst Film- und Fernsehmacher*innen dazu, Genres in Angriff zu nehmen, die auf einigen Märkten sonst wohl kaum eine Chance hätten. Deutsche Drehbuchautor*innen durften sich zum Beispiel schon einige Male an düster-rätselhaften Geschichten versuchen, die bei uns im Kino oder im klassischen TV fast keine Rolle spielen. Mit der Mystery-Serie „Dark“ etwa feierten Jantje Friese und Baran bo Odar beachtliche Erfolge und können vielleicht mit ihrem nächsten Netflix-Original „1899“, einer Gruselerzählung über europäische Amerikareisende, an ihren Streaming-Hit anschließen. In die Horrorkerbe schlägt auch die deutsche Produktion „Das Privileg – Die Auserwählten“ – ein Film, der sich munter durch das Genre pflügt.


Worum es in „Das Privileg – Die Auserwählten“ geht:


Als Elfjähriger musste Finn mitansehen, wie seine völlig aufgebrachte große Schwester Anna in den Tod stürzte. Ein grauenvolles Erlebnis, von dem er sich sieben Jahre später noch lange nicht erholt hat. Nach wie vor befindet er sich in psychologischer Behandlung und erhält Medikamente, die seine Albträume und Ängste lindern sollen. Ausgerechnet jetzt, da er kurz vor dem Abitur steht, häufen sich in seinem Umfeld merkwürdige Ereignisse. Aber: Sind die unerklärlichen Dinge und Wesen, die Finn sieht, wirklich real? Oder existieren sie womöglich nur in seinem Kopf, wie alle bis auf seine beste Freundin Lena ihm weismachen wollen? Mehr und mehr verliert Finn den Halt unter den Füßen. Und eines Abends wird er Zeuge einer eigenartigen Zeremonie. Spätestens nach dieser Beobachtung ist er entschlossen, die Wahrheit ans Licht zu bringen.


Lohnt sich der Netflix-Film für dich?


Schon mal eine Liste mit bekannten Horrorstandards erstellt? Wir haben da was vorbereitet: Ein Kindheitstrauma – Check! Eine Hauptfigur, deren Wahrnehmung unzuverlässig zu sein scheint – Check! Familienmitglieder, die etwas zu verbergen haben – Check! Menschen mit Migrationsgeschichte, die sich mit Übernatürlichem auskennen – Check! Ein Exorzismus, der keine Rettung bringt – Check! Der Traum von ewiger Lebenskraft – Check! Und ein düsterer Geheimbund mit seltsamen Ritualen – Check! Zugegeben, wir wissen natürlich nicht, wie das Drehbuch von „Das Privileg – Die Auserwählten“ entstanden ist. Fest steht aber: Vieles, was für das Genre typisch ist, findet sich im fertigen Film wieder. Zwar kann ein Mix aus altbekannten Mustern ohne Frage Spaß machen, in diesem Fall erzeugt er allerdings leider keine überdurchschnittlich furchteinflößenden Momente. Ein paar Schockszenen sind ganz ordentlich. Und Hauptdarsteller Max Schimmelpfennig balanciert seine zwischen Ohnmacht und Willenskraft schwankende Figur überzeugend aus. Daneben gibt es jedoch genügend Elemente, die einem übel aufstoßen können: Arg verräterische Andeutungen, manch platt geschriebenen Dialog, Lenas seltsam deplatzierte Ausgelassenheit, eine schnulzig aufgezogene Romanze und ein trashig-verworrenes Finale, das sich wie eine Kreuzung aus zwei – besseren – Horrorwerken der jüngeren Vergangenheit (gemeint sind dieser und dieser Film) anfühlt.


Unser Fazit zu „Das Privileg – Die Auserwählten“:


Ein Film, der viel versucht, am Ende aber deutlich zu wenige Treffer landet, um aus der Masse an Horrorfilmen im Netflix-Katalog herauszustechen.

Christopher Diekhaus

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Streaming-Anbieter

Angaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (6. Woche 2022).