Burning

Länge:
148 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Kinostart:
06.06.2019
Regie:
Lee Chang-dong
Darsteller:
Yoo Ah-in (Jong-su), Jun Jong-seo (Hae-mi), Steven Yeun (Ben), Choi Seung-ho (Lee Yong-seok), Kim Soo-Kyung (Yeon-ju)
Genre:
Drama , Thriller , Love Story
Land:
Südkorea, 2018

Aller Anfang ist schwer: Nach einem Studium des Kreativen Schreibens träumt der junge Jong-su von einer Karriere als Romanautor. Bislang weiß er jedoch nicht, worüber er fabulieren soll, und hält sich daher mit Aushilfsjobs über Wasser. Eines Tages begegnet er auf der Straße zufällig seiner früheren Mitschülerin Hae-mi, geht mit ihr abends etwas trinken und landet bei einem weiteren Treffen in ihrem Bett. Kurz darauf bricht sie zu einer lange geplanten Reise nach Afrika auf, bei der sie nach dem Sinn des Lebens suchen will. Jong-su erklärt sich bereit, während ihrer Abwesenheit ihrer Katze Futter zu geben, wundert sich aber, dass er den Vierbeiner nie zu Gesicht bekommt. Als er Hae-mi bei ihrer Rückkehr vom Flughafen abholt, muss der angehende Schriftsteller kräftig schlucken. Denn plötzlich hat sie den unverschämt wohlhabenden und kultivierten Ben im Schlepptau, der sich mehr und mehr in ihrem Leben einnistet.

Freunde temporeicher Spannungsfilme dürften an Lee Chang-dongs (Secret Sunshine) Adaption einer Kurzgeschichte des Japaners Haruki Murakami nur wenig Freude haben. Mit unglaublicher Geduld entfaltet der südkoreanische Regisseur und Drehbuchautor eine geheimnisvolle, immer wieder Fragen aufwerfende Dreieckserzählung, die lange Zeit nur von diffusen bösen Vorahnungen geprägt ist. Eine Konfrontation liegt zweifelsohne in der Luft. Bis kurz vor Schluss verweigert sich der zwischen Romanze, Drama, Thriller und Mystery-Streifen pendelnde, atmosphärisch fotografierte Film jedoch einem Ausbruch der Gefühle. Langweilig wird es trotz der recht üppigen Laufzeit von fast zweieinhalb Stunden nie, da Lee seinem Publikum ständig neue Rätsel auftischt und nebenbei ein interessantes Bild der Gesellschaft seines Heimatlandes entwirft. Wie andernorts geht auch hier die Schere zwischen Arm und Reich zunehmend auseinander. Und einmal mehr sind es vor allem die jungen, keineswegs schlecht ausgebildeten Menschen, die in einer immer komplexer und undurchsichtiger werdenden Welt verzweifelt nach Halt und Orientierung suchen. Gerade weil der Regisseur am Ende einiges im Dunkeln lässt, brennt sich der 2018 in Cannes uraufgeführte „Burning“ ins Gedächtnis des Zuschauers ein und bietet noch Tage nach der Sichtung Anlass für angeregte Diskussionen. In einer Kinolandschaft, in der oftmals alles ausbuchstabiert wird, ist diese Ungewissheit absolut erfrischend!

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