Beautiful Boy

Prädikat besonders wertvoll
Länge:
121 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
24.01.2019
Regie:
Felix Van Groeningen
Darsteller:
Timothée Chalamet (Nic Sheff), Steve Carell (David Sheff), Maura Tierney (Karen Barbour), Amy Ryan (Vicki Sheff), Kaitlyn Dever (Lauren)
Genre:
Drama
Land:
USA, 2018

Auf den ersten Blick scheint das Leben des Teenagers Nic Sheff in geordneten Bahnen zu verlaufen. Seit der Scheidung seiner Eltern lebt der junge Mann gemeinsam mit seinen beiden Halbgeschwistern bei seinem Vater David und dessen zweiter Ehefrau Karen in einem liberalen und fürsorglichen Umfeld ohne finanzielle Sorgen. Trotz dieser vielversprechenden Bedingungen verfällt der kreative Jugendliche jedoch diversen Drogen, darunter auch dem euphorisierenden Rauschmittel Crystal Meth. In seiner Sorge lässt David nichts unversucht, um seinem Sohn zu helfen, erlebt allerdings immer wieder herbe Rückschläge. Obwohl der Betroffene selbst durchaus bemüht ist, gegen die Abhängigkeit anzukämpfen, macht sich mehr und mehr Verzweiflung breit.

Schilderte das kürzlich in den deutschen Kinos angelaufene Drogendrama Ben is Back eine aufwühlende Beziehung zwischen einer Mutter und ihrem suchtkranken Sohn, konzentriert sich „Beautiful Boy“, das US-Debüt des Belgiers Felix Van Groeningen (Café Belgica, The Broken Circle, Die Beschissenheit der Dinge), nun auf das ambivalente, von Zuneigung, Angst und Schmerz geprägte Verhältnis eines Vaters zu seinem abhängigen Kind. Eine besondere Wucht bekommt der Film schon dadurch, dass er auf wahren Begebenheiten beruht. Ausgehend von den veröffentlichten Erlebnisberichten Nic und David Sheffs, taucht der Regisseur tief in den Alltag der Protagonisten ein und präsentiert dem Zuschauer ein komplexes Vater-Sohn-Porträt, das – anders als der oben erwähnte „Ben is Back“ – ständig mit Zeitsprüngen und fließenden Wechseln arbeitet. Neben den sensiblen und nuancierten Darbietungen von Shootingstar Timothée Chalamet, der erst im letzten Jahr in Call Me by Your Name brillierte, und Steve Carell, dem nach Foxcatcher eine weitere starke Performance in einer dramatischen Rolle gelingt, überzeugt vor allem die Art und Weise, wie Van Groeningen den Teufelskreis der Abhängigkeit beschreibt. Ständig schwankt die Handlung zwischen neuen Hoffnungen und bitteren Enttäuschungen, kommt häufig nicht vom Fleck, lässt aber gerade dank ihres Wiederholungscharakters die unglaubliche Macht der Sucht und die Ohnmacht der Angehörigen greifbar werden. Auch wenn die musikalische Untermalung manchmal ein wenig zu aufdringlich ausfällt und man gerne noch etwas mehr über Nics Innenleben erfahren hätte, gräbt sich „Beautiful Boy“ als feinfühlige, unter die Haut gehende Auseinandersetzung mit den Themen „Drogen“ und „Familie“ ins Zuschauergedächtnis ein.

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