Wolf And Sheep

Länge:
86 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 12 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 0 Jahren
Kinostart:
07.06.2018
Regie:
Shahrbanoo Sadat
Darsteller:
Sediqa Rasuli (Sediqa), Qodratolla Qadiri (Qodrat), Amina Musavi (Abzina), Sahar Karimi (Nikbakht), Masuma Hussaini (Nazok) u.a.
Genre:
Drama
Land:
Afghanistan, Dänemark, Frankreich, Schweden, Schweiz, Deutschland, 2016

In einem entlegenen Bergdorf in Afghanistan: Hier ernähren sich die Menschen ganz traditionell von ihren Schaf- und Ziegenherden. Ihr Leben ist einfach und geprägt von Legenden und abergläubischen Geschichten. Die Kinder arbeiten als Hirten und treiben Tag für Tag die Tiere in die Berge. Die Mädchen getrennt von den Jungen, der Kontakt zwischen ihnen ist strengstens verboten. Und während die Mädchen an den Weideplätzen Hochzeit spielen, einander Geschichten und Tratsch aus dem Dorf erzählen oder Getreidehalme rauchen, üben die Jungen mit ihren Steinschleudern Wölfe zu verjagen. Denn die gibt es hier oben in den Bergen. Manchmal überfallen sie die Schafherden, dann ernten die Kinder abends Schelte und Schläge von den Dorfbewohnern. Zwei der jungen Hirten halten sich meist abseits von den anderen: Die elfjährige Sediqa, von der die Leute sagen, sie sei verflucht und trage das Böse in sich, sowie der gleichaltrige Qodrat. Er wird verspottet, weil seine Mutter nach dem Tod seines Vaters wiederverheiratet wird – und zwar mit einem alten Mann, der bereits zwei Frauen hat und dem sie den gewünschten Erben gebären soll. Heimlich freunden sich die beiden Außenseiter an, knüpfen gemeinsam Kordeln für die Steinschleudern, trainieren den Umgang mit dieser nicht ganz ungefährlichen Waffe oder backen Kartoffeln im Feuer. Bis Qodrat das Dorf verlassen und zu seiner Halbschwester in die Stadt ziehen muss.

Das Erstlingswerk der jungen afghanischen Regisseurin und Drehbuchautorin Sharbanoo Sadat ist ein dokumentarisch anmutendes Drama, das die archaische Lebensweise in einem Bergdorf in Afghanistan beschreibt und von der Freundschaft eines Mädchens und eines Jungen erzählt, die sich damit den herkömmlichen strengen Regeln widersetzen. Sharbanoo Sadat, Tochter afghanischer Flüchtlinge, verarbeitet hier eigene Erlebnisse aus ihrer Jugend. Mit elf Jahren zog ihre Familie von Teheran in ein abgelegenes Dorf in Afghanistan, wo es weder Elektrizität noch Telefon gab und das Mädchen jeden Tag zu Fuß zu der drei Stunden entfernten Schule wandern musste. Sie war dort – wie auch die elfjährige Sediqa im Film – eine Außenseiterin, nur weil sie eine Brille trug. Aus Sicherheitsgründen konnte Sadat ihren Film nicht in Afghanistan drehen. Die Dreharbeiten fanden in einem Tal von Tadschikistan statt, wo ein ganzes traditionelles afghanisches Dorf nachgebaut wurde. Die Kinder wie auch die erwachsenen Darsteller sind Laienschauspieler und wurden für die Dreharbeiten aus verschiedenen ländlichen Regionen Afghanistans geholt. Diese Vorgehensweise unterstreicht den dokumentarischen Charakter des Films und verleiht ihm ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit. Der jungen Filmemacherin ist eine genaue, poetische wie kritische Beschreibung heute noch existierender Lebensverhältnisse gelungen, die das erwachsene wie auch das jüngere Publikum zu einer Reise in eine uns fremde, faszinierende Welt einlädt.

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