Wir (2019)

Prädikat besonders wertvoll
Länge:
119 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Kinostart:
21.03.2019
Regie:
Jordan Peele
Darsteller:
Lupita Nyong’o (Adelaide Wilson/Red), Winston Duke (Gabe Wilson/Abraham), Shahadi Wright Joseph (Zora Wilson/Umbrae), Evan Alex (Jason Wilson/Pluto), Elisabeth Moss (Kitty Tyler/Dahlia)
Genre:
Horror , Thriller , Komödie
Land:
USA, 2019

Beine hoch und die Seele baumeln lassen! Familie Wilson möchte in ihrem Ferienhaus in der Nähe der kalifornischen Küstenstadt Santa Cruz einfach nur entspannen. Doch schon bei der Ankunft beschleicht Mutter Adelaide ein mulmiges Gefühl. Kein Wunder, schließlich musste sie als kleines Mädchen vor mehr als drei Jahrzehnten an eben diesem Ort in einem Spiegelkabinett auf einer Kirmes eine grauenhafte Erfahrung machen. Dass ihre diffusen Befürchtungen keine Hirngespinste sind, zeigt sich in der ersten Nacht, als plötzlich vier unheimliche, in Rot gekleidete Gestalten vor dem Anwesen erscheinen und sich von Vater Gabe nicht verscheuchen lassen. Schlimmer noch: Nur wenig später verschaffen sich die ungebetenen Gäste Zutritt zum Haus und überwältigen die Familie, die dabei eine weitere schreckliche Erkenntnis verdauen muss: Ihre Peiniger sehen den Wilsons seltsam ähnlich.

Mit seinem Regiedebüt, der Horrorsatire Get Out, landete der vor allem als Komiker bekannt gewordene Jordan Peele 2017 einen echten Hit, der die Kritiker begeisterte und die Menschen reihenweise in die Kinos strömen ließ. Spannend war der Film nicht nur aufgrund seiner geschickt aufgebauten Schauerstimmung, sondern auch wegen seiner clever in die Handlung eingefädelten Auseinandersetzung mit dem in der US-Gesellschaft tief verwurzelten Rassismus. Als Anerkennung für seine erzählerischen Ambitionen durfte Peele einen Oscar für das beste Originaldrehbuch entgegennehmen. Seine zweite Arbeit „Wir“ zeichnet sich durch ähnliche Ansprüche aus, wirkt inhaltlich zwar nicht ganz so rund, garantiert aber dennoch ein irritierend-faszinierendes Filmerlebnis.

Wie in seinem Erstling gelingt es dem afroamerikanischen Regisseur von Anfang an, eine schwer greifbare, sich langsam zuspitzende Gruselatmosphäre zu erzeugen. Schon der im Jahr 1986 spielende, aus der kindlichen Perspektive eingefangene Kirmes-Prolog versetzt den Betrachter in einen Zustand erhöhter Beunruhigung. Die plötzliche Bedrohung in einem Ferienhaus gehört zu den Standardmotiven des Horrorgenres, erfährt hier allerdings eine reizvolle Abwandlung. Denn Adelaide und ihre Liebsten stehen nicht irgendwelchen x-beliebigen Meuchelmördern gegenüber. Die Stirn bieten müssen sie vielmehr bösen Doppelgängern, was umgehend Identitätsfragen aufwirft: Sind die sympathisch gezeichneten Familienmitglieder etwa keine einzigartigen Individuen? Und weshalb wollen die aggressiven Eindringlinge die Wilsons um jeden Preis ermorden? „Wir“ zieht aus dieser bizarren Gemengelage einiges an Nervenkitzel. Gleichzeitig lässt es sich Peele jedoch nicht nehmen, witzige Wortgefechte und absurde Begebenheiten in das Geschehen einzuflechten. Viele Pointen funktionieren gut. Ab und an brechen die Humoreinlagen die Gänsehautstimmung aber vielleicht etwas zu stark auf. Sozialkritische Untertöne spielen erneut eine große Rolle, wobei sich der Regisseur dieses Mal diverse Themen – zum Beispiel die Angst vor dem Fremden und die Wut der Unterdrückten – vorknöpft. Auch wenn am Ende nicht alle Puzzleteile der rätselhaften Geschichte sauber an ihren Platz fallen und eine abschließende Wendung fast ein wenig untergeht, besitzt der eigenwillige Schocker – angefangen bei den starken Darstellerleistungen über die mitreißende Kameraarbeit bis hin zum gewitzten Musikeinsatz – ausreichend Qualitäten, um locker aus der Masse der jüngsten US-Horrorproduktionen herauszustechen.

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