Wintermärchen

Länge:
125 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren
Regie:
Jan Bonny
Darsteller:
Thomas Schubert (Tommi), Ricarda Seifried (Becky), Jean-Luc Bubert (Maik), Victoria Trauttmansdorff (Mutter), Lars Eidinger (Watzek), Merle Wasmuth (Nadja) u. a.
Genre:
Drama , Politischer Film
Land:
Deutschland, 2018

In der Beziehung von Becky und Tommi kriselt es schon lange. Eingepfercht in einer viel zu engen Wohnung und in unausgesprochene und unbewältigte Abhängigkeiten verstrickt, träumt das Pärchen von einer großen Zukunft. Und die kann ihrer Meinung nach nur darin bestehen, eine eigene rechte Terrorzelle zu gründen und Ausländer zu ermorden, um von den anderen wahrgenommen zu werden, am besten gleich bundesweit. Reden lässt sich viel, zur Tat schreiten ist eine andere Sache. Der Zünder für die schlafende Zeitbombe ist Maik, der plötzlich in der Küche des Pärchens steht. Selbstbewusst und besitzergreifend zögert er keinen Augenblick, sich an Becky heranzumachen, wodurch im Trio eine Kette von neuen Abhängigkeiten entsteht, sadomasochistische und homoerotische Gefühle inbegriffen. Die Begriffe wie Ehre oder Loyalität sind jetzt nur noch reine Schlagwörter und das im ganz wörtlichen Sinn. Der Überdruck steigt und daher müssen Taten folgen, am besten gleich gegen die „bösen“ Ausländer.


Gegenüber dem, was der Film zeigt und seinem Publikum zumutet, klingt der mehrdeutige Filmtitel harmlos. Gemeint als ironische Anspielung auf das Sommermärchen der Fußballweltmeisterschaft 2006, das den Nationalismus bundesweit salonfähig machte, sowie auf eine Veröffentlichung des Dichters Heinrich Heine, dessen Bücher von den Nationalsozialisten verbrannt wurden, will der Film des Kölner Regisseurs Jan Bonny als eine persönliche Stellungnahme zum NSU-Prozess in München aufrütteln und die „Banalität des Bösen“ drastisch vor Augen führen. Die Frage stellt sich allerdings, ob ihr euch diesen Film wirklich „antun“ müsst, wie es die Werbung formuliert. Handwerklich ist nichts gegen den Film einzuwenden und in der versierten Verkörperung seelischer, psychischer und körperlicher Grausamkeiten überbieten sich die Darsteller gegenseitig in Höchstleistungen. In der gesamten Filmgeschichte wimmelt es von Beispielen, nicht nur aus der Zeit des „Dritten Reichs“, wie grausam die Menschen zu sich selbst und zu anderen sein können, insbesondere wenn sie zu erklärten Feinden abgestempelt wurden. Nur muss man deswegen Gleiches mit Gleichem vergelten und Rechtsextreme genauso pauschal und klischeebeladen „vorführen“ wie diese es gerne mit ihren Gegnern machen? Gibt es da noch einen Erkenntnisgewinn oder nur die Bestätigung der eigenen Meinung? Vielleicht muss man sich den Film dann doch ansehen, um sich ein eigenes Urteil darüber bilden zu können.


 

ht

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Sprachen: Deutsch

Untertitel: Englisch

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