Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein

Länge:
140 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
24.04.2019
Regie:
Rupert Henning
Darsteller:
Valentin Haag (Paul), Karl Markovic (Roman Silberstein), Sabine Timoteo (Emma Silberstein), Udo Samel (Onkel Bel), Robert Seethaler (Generalpräfekt), Harald Schrott (Pater Mokloszi) u.a.
Genre:
Drama , Literaturverfilmung
Land:
Österreich, 2019

„Irgendwo auf der Welt gibt‘s ein kleines Stückchen Glück“ singt der Vater des zwölfjährigen Paul Silberstein vor sich hin, wobei er von seinem Ruderboot aus Geldmünzen in den Haussee wirft. Kurz darauf wird er nach seiner Frau, die zusammen mit Paul in den See gesprungen ist, mit dem Ruder schlagen und seinen Sohn, der nicht schwimmen kann, unters Wasser stuken. Paul ist der jüngste Sohn des jüdischen Süßwarenfabrikanten Roman Silberstein aus Wien, der einst zum Katholizismus konvertiert ist. Auch jetzt noch, Ende der 1950er Jahre, hat der opiumsüchtige Roman Silberstein mit den Schatten der Vergangenheit zu kämpfen und die öffentliche Demütigung durch die Nationalsozialisten nicht verwunden. Doch seine Verbitterung lässt er vorrangig an seiner Frau und den beiden Söhnen aus. Wie ein eiskalter, furchteinflößender Diktator regiert er über seine Familie, demütigt sie, tut ihnen physische wie psychische Gewalt an. Allein Paul in seiner Naivität und Verträumtheit widersetzt sich ab und an seinem Vater – mit dem Ergebnis, dass er in das Jesuitische Internat Artweg geschickt wird. Wenn Paul zu Hause für eine Wärmflasche spart, weil das Meiste in seiner Welt aus Kälte gemacht scheint, so braucht er diese erst recht im Internat. Aber auch hier verstößt der sonderbare Junge immer wieder gegen die strengen Regeln, erst recht, als er eines Tages im Nachbargarten ein blondes Mädchen auf einem Schimmel reitend entdeckt und sich unsterblich verliebt.

Der Film des österreichischen Schriftstellers, Schauspielers und Regisseurs Rupert Henning basiert auf der gleichnamigen Erzählung von Allroundkünstler André Heller aus dem Jahr 2008. Henning nähert sich der fantastischen, poesievollen Welt Hellers mit skurrilen, wehmütigen, manchmal erschreckenden, aber auch humorvollen Bildern, die eine magische Anziehungskraft ausüben. Und doch fällt es nicht immer leicht, sich über 140 Minuten auf diese Kunstwelt einzulassen. Besonders gegen Ende des Films, das teilweise wie „angehängt“ wirkt, beginnen die überbordenden und teilweise absurden Bilder zu irritieren. Zum Glück wartet Henning mit einem herausragenden Ensemble auf – angefangen bei dem wunderbaren jugendlichen Hauptdarsteller Valentin Haag, dem man es nicht glauben will, dass er zum ersten Mal vor der Kamera stand. Seine innere Stärke, seine Gewitztheit und sein Eigenwille machen Mut, zu sich selbst zu stehen und um persönliche Freiheit zu kämpfen. Genauso eindrucksvoll agieren Karl Markovics (Die Fälscher, Geboren in Absurdistan) als harter, widersprüchlicher Vater Silberstein und Sabine Timoteo (Gespenster, Der freie Wille) als schweigsame, sonderbare Mutter.

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