Welcome to Sodom - Dein Smartphone ist schon hier

Länge:
92 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 6 Jahren
Kinostart:
02.08.2018
Regie:
Florian Weigensamer, Christian Krönes
Darsteller:
-
Genre:
Dokumentation , Politischer Film
Land:
Österreich, 2018

„Dieser Ort frisst dein Leben auf. Und zwar verdammt schnell“, sagt die 44-jährige Wasserfrau Fauzia Mohammed aus Ghana. Sie sieht aus wie eine 60-Jährige und mit „dem“ Ort meint sie den Stadtteil Agbogbloshie an der Korle-Lagune in der ghanaischen Hauptstadt Accra. Es ist eine der größten Elektro-Müllhalden der Welt und zählt zu den verseuchtesten und giftigsten Arealen der Erde. Ungefähr 6.000 Männer, Frauen und Kinder leben und arbeiten hier in „Sodom“, wie sie diesen Ort nennen. Sie kommen aus ganz Ghana und aus den Nachbarländern, in der Hoffnung, in der Millionenmetropole Arbeit zu finden. Landen sie dann schließlich auf der Mülldeponie, soll ihnen das gesundheitsgefährdende „Recyceln“ des Elektroschrotts ein bescheidenes Auskommen sichern.

Zwei Monate verbrachten die Regisseure Florian Weigensamer und Christian Krönes für ihren Dokumentarfilm auf dieser riesigen Müllhalde, obwohl empfohlen wird, sich dort wegen der Verseuchung und der giftigen Stoffe nicht länger als zwei Stunden aufzuhalten. So lernten sie das Leben und diesen ganz eigenen Kosmos inmitten der Berge aus alten Computern, Monitoren, Playstations und Fernsehern, inmitten der Tag und Nacht aufsteigenden schwarzen Rauchwolken genauer kennen und konnten das Vertrauen der Schrottarbeiter gewinnen. Sie – Männer, Frauen wie Kinder – stehen hier auch im Mittelpunkt dieses aufwühlenden Films. Florian Weigensamer, Christian Krönes und Kameramann Christian Kermer zeigen einerseits erschütternde Bilder dieser Müllhalde, die der Apokalypse ähneln. Andererseits zeigen sie selbstbewusste, hart arbeitende, stolze und fröhliche Menschen, die sich an diesem gnadenlosen Ort nicht unterkriegen lassen und ihre Lebensfreude bewahren. Es gibt keinen Kommentar, keine direkte Interviewsituation. Die Protagonisten erzählen von sich, von ihrem Alltag, ihren Träumen und Ansichten aus dem Off – und damit nicht spontan, sondern sehr überlegt, manchmal fast literarisch. Da ist beispielsweise Kwasi Yefter, ein Mädchen in Jungenkleidung, das in der verbrannten Erde um die Feuerstellen herum mit einem Magneten nach Eisen sucht – eine Tätigkeit, die ansonsten nur dem männlichen Geschlecht vorbehalten ist. Oder der athletische „Herr der Feuerstelle“ Awal Mohammed, der eine der „bestbezahlten“ Tätigkeiten auf der Halde ergattert hat: nämlich Kabel, Monitore und Computer verbrennen und einschmelzen, um so an Kupfer und andere wertvolle Metalle zu kommen. Oder Musa Abukari, der Star von „Sodom“. Auch er verdient sich sein Geld an der Feuerstelle, um nach der Arbeit in einem selbstgebauten Tonstudio in einem Holzschuppen seine Songs aufzunehmen bzw. als Rapper D-Boy aufzutreten. David Berihun Cohen, ein homosexueller Flüchtling aus Gambia, dagegen fristet sein Dasein durch das Sammeln von Plastiktüten und hofft, eines Tages einen Platz zu finden, wo er sich nicht mehr verstellen muss. Und die Witwe Fauzia Mohammed verkauft an diesem „Ort, der das Leben auffrisst“, Trinkwasser, damit ihr Sohn die Schule besuchen und später einen Beruf erlernen kann.

Es sind noch mehr Protagonisten, deren Schicksale hier näher beleuchtet werden. Sie alle strahlen eine unglaubliche Kraft und einen Lebensmut aus, die erstaunen, begeistern und … beschämen. Denn dieser ganze Elektroschrott dort in Agbogbloshie, der oft einfach nur nicht mehr „up to date“ ist und deshalb weggeworfen wird, kommt nicht aus Ghana. Auch nicht aus Afrika, sondern aus Europa und den USA. Welcome to Sodom – Auch Dein Smartphone ist schon hier!

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