Vorwärts immer!

Prädikat wertvoll
Länge:
94 Minuten (Blu-ray: 98 Minuten)
Altersempfehlung:
Ab 12 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Regie:
Franziska Meletzky
Darsteller:
Jörg Schüttauf (Otto Wolf / Erich Honecker), Josefine Preuß (Anne Wolf), Jacob Matschenz (August Weiss), Marc Benjamin („Matti“ Stein), Hedi Kriegeskotte (Margot Honecker)
Genre:
Komödie
Land:
Deutschland, 2016

Am 9. Oktober 1989 ist die Wende noch unbekannte Zukunftsmusik. Anne wohnt mit ihrem Vater Otto, einem Schauspieler, in Ostberlin. Ihre Mutter ist 1976 nach der Ausbürgerung von Wolf Biermann in den Westen gegangen. Seit zwei Jahren ist Anne mit Matti zusammen, der jeden Morgen heimlich aus der Wohnung schleicht, weil Annes Vater nichts von ihm wissen soll. Denn dass sich Anne ausgerechnet in Matti verliebt hat, wäre für ihn ein rotes Tuch: Mattis Vater ist am Theater sein ärgster Konkurrent und lässt keine Gelegenheit aus, Otto seine angebliche Überlegenheit zu zeigen. Matti ist allerdings nicht das einzige Geheimnis von Anne: Sie ist schwanger, was Matti nicht gerade begeistert, und sie will in den Westen „‘rüber machen“. Einen westdeutschen Pass hat ihr August besorgt, der gegen das DDR-Regime rebelliert und bei den Montagsdemos heimlich Filmaufnahmen macht, um sie anschließend in den Westen zu schmuggeln. Die Demos bringen die DDR-Regierung allmählich in Bedrängnis. So beschließt das ZK der SED, dem Spuk mit Panzern und Schießbefehl nach chinesischem Vorbild ein Ende zu setzen. Um 19 Uhr an diesem 9. Oktober soll der Demonstrationswillen der Bevölkerung endgültig niedergeschlagen werden. Otto, der für ein unter der Hand vorbereitetes subversives Theaterstück die Rolle von Erich Honecker geprobt hat, steht plötzlich vor der größten Herausforderung seines Lebens. Denn als er die Gerüchte von dem Schießbefehl hört, seine Tochter, deren Westpass er zerrissen hatte, schon auf dem Weg nach Leipzig, wo sie mit Augusts Hilfe einen neuen Pass organisieren will. Für Otto beginnt ein gewagtes Spiel.

Die Gratwanderung zwischen ironischer Subversion, partiellem Slapstick und bedrohlicher Atmosphäre meistert Regisseurin Franziska Meletzky mit großem Charme. In ihren Bildern und mit ihrer Dramaturgie fängt sie die Atmosphäre und den Stil von DDR-Filmen der 1980er Jahre ein. Am Auffälligsten ist dabei die Überspitzung der klassischen Botschaft sozialistischer Filme, dass das Private immer auch politisch ist und soziale Veränderungen nur durch Solidarität und persönlichen Mut möglich werden. Schöne alte Filmtricks, schnippische Dialoge, DDR-Rock und alte Aufnahmen runden den Film zeitgeschichtlich ab. Gleichzeitig schildert der Film liebevoll das Spannungsverhältnis zwischen der jungen und der älteren Generation, beziehungsweise deren Naivität kontra Ängstlichkeit sowie ein amüsantes Beziehungsdreieck zwischen Anne, Matti und August. Gelegentliche Slapstick-Szenen hat Meletzky sorgfältig platziert, auch wenn sie hin und wieder am Klamauk entlangschrappt. Der Humor entwickelt sich jedoch vor allem aus absurdem Situationstheater, ohne dass die Gefahr jener Monate im Herbst 1989 heruntergespielt würde. Lächeln, Nuscheln, Lenin zitieren. Der Tipp, den Otto für die Rolle des Erich Honecker mit auf den Weg bekommt, könnte verharmlosend wirken, wäre da parallel nicht die Kaltschnäuzigkeit und Brutalität, mit der die SED-Führung einen Angriff auf das eigene Volk plant. Nicht zuletzt ist das Gelingen der Verknüpfung von Komik und Ernsthaftigkeit dem großartigen Schauspieler-Ensemble zu verdanken, das bis auf wenige Ausnahmen diese historische Phase im Osten Deutschlands selbst miterlebt hat.

Weitere Angaben

Filmtyp: Farbe

Sprachen: Deutsch

Untertitel: Dt. f. Hörg.

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Anbieterangaben beruhen auf Informationen zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (16. Woche 2018).

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