Victoria

Länge:
71 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 14 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 6 Jahren
Kinostart:
02.09.2021
Regie:
Sofie Benoot, Liesbeth De Ceulaer, Isabelle Tollenaere
Darsteller:
Mitwirkende: Lashay T. Warren, Sharleece Bourne, Mark Martinez, Ernest Dove, Markiece Glover, Elliot Lacey u. a.
Genre:
Dokumentation , Großstadtfilm
Land:
Belgien, 2020

Wir befinden uns mitten in California City, rein flächenmäßig nach Los Angeles und San Diego die drittgrößte „Stadt“ in Kalifornien. Tausende von Straßen wurden angelegt, die in der Wüste nur noch schwer zu erkennen sind. Es wurden Wasserleitungen verlegt, aber kaum Häuser gebaut. Denn die Menschenmassen, die kommen sollten, blieben aus. Stattdessen blieb eine Geisterstadt zurück.


Worum sich der Dokumentarfilm „Victoria“ dreht:


In den 1950ern von einem Soziologieprofessor als Pendant zu Los Angeles mitten in der Mojave-Wüste geplant und von Investoren in der Hoffnung auf riesige Profite aus dem Boden gestampft, wurde das Mammutprojekt nach wenigen Jahren aufgegeben. Lashay T. Warren ist einer der wenigen, der in der Geisterstadt California City wohnt. Er wollte raus aus der quirligen Metropole und einen Neuanfang wagen.

In einer kuriosen Arbeitsbeschaffungsmaßnahme befreit Lashay die leeren Straßen, die oft nur noch mit GPS und Google-Earth zu orten sind, von überwucherndem Unkraut und bearbeitet den Boden wie ein Landschaftsgärtner sorgfältig mit einem Rechen. Er kommentiert dieses Projekt mit den Worten: „Der Mann hätte berücksichtigen sollen, dass die Leute nicht in einer Wüste leben wollen.“ Das Vorhaben steht zugleich für den amerikanischen Pioniergeist, die Natur „erobern“ zu wollen. In einer kleinen Schule vorgetragene Reiseberichte der ersten Pioniere, die 1863 in diese Gegend kamen, schlagen eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Dazugelernt hat man offenbar nichts. Am Ende wird Lashay der Geisterstadt wenigstens einen neuen, wenn auch doppeldeutigen Namen geben: Victoria.


Ob sich ein Blick in „Victoria“ lohnt:


Nächtliche Hochkantaufnahmen zeigen vom Winde verwehte Steppenläufer in einer Wüstenlandschaft – eine gespenstische lebensfeindliche Szenerie. Am Tag sieht das Ganze nicht viel besser aus, auch wenn Kinder nun ins Bild rücken, die auf der Suche nach vermeintlichen Dinosaurier-Knochen sind. Geradezu irreal wirkt eine hohe Wasserfontäne, die auf einem Golfplatz ohne Gras und ohne Golfspieler völlig ungenutzt dem sandigen Wüstenboden entsteigt und einen Regenbogen vor dem Gebirgszug erzeugt, hinter dem die Millionenstadt Los Angeles liegt. Es handelt sich um einen Wasserrohrbruch, wie Lashay T. Warren aus dem Off erzählt. Lashays Perspektive, teils mit dem eigenen Smartphone gedreht, seine Tagebucheinträge und seine trockenen Kommentare machen den Film der drei jungen belgischen Filmemacherinnen Sofie Benoot, Liesbeth De Ceulaer und Isabelle Tollenaerezu einem so skurrilen wie kulturkritischen visuellen Erlebnis.

Holger Twele

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