Utøya 22. Juli

Länge:
90 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 16 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 0 Jahren
Kinostart:
20.09.2018
Regie:
Erik Poppe
Darsteller:
Andrea Berntzen (Kaja), Elli Rhiannon Müller Osborne (Emilie), Aleksander Holmen (Magnus), Brede Fristad (Petter), Sorosh Sadat (Issa), Ada Eide (Caroline), Magnus Moen (Tobias) u. a.
Genre:
Drama , Politischer Film
Land:
Norwegen, 2018

72 Minuten begleitet die Kamera, in einer Einstellung gefilmt und ohne Schnitt, den Überlebenskampf von Kaja und den anderen Jugendlichen während des Massakers auf der Insel Utøya. Der Täter, der norwegische rechtsextreme Terrorist Anders Breivik, taucht nur einmal aus Kajas Sicht kurz als Silhouette, als todbringender Schatten im Gegenlicht auf der Spitze der Steilküste auf. Nachdem er am 22. Juli 2011 eine Autobombe in der Innenstadt von Oslo gezündet und dort für maximales Chaos gesorgt hatte, gelang es ihm als Polizist verkleidet nach Utøya zu kommen, wo ein Feriencamp der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei stattfand. Auf der Insel tötete Anders Breivik 69 Jugendliche.

Die Entscheidung von Regisseur Erik Poppe (The King's Choice - Angriff auf Norwegen) und seinem Team, sich ganz auf die Perspektive der Opfer, auf deren Hilf- und Orientierungslosigkeit zu konzentrieren, ist mutig und konsequent, löste aber schon nach der Vorführung bei der Berlinale eine Kontroverse aus, ob man diesen authentischen Massenmord des rechtsradikalen Breivik filmisch überhaupt und wenn ja, in der von Poppe gewählten Ästhetik zeigen dürfe bzw. könne.

Da in Poppes Film nichts spekulativ ist, sondern alle Darstellungen in Zusammenarbeit mit den Überlebenden des Utøya-Massenmords entwickelt wurden, wird Breiviks grausame Jagd auf junge Sozialisten nie zum billigen filmischen Schaueffekt. Vielmehr verfolgt die Ästhetik von Poppes Film sehr klar das Ziel, den Zuschauer in die Situation der Opfer hineinzuversetzen. Das gelingt perfekt. Bedrückender, radikaler und intensiver kann man filmisch die politisch motivierte Gewalttat des rechtsextremen Täters nicht zeigen – als deutliche Mahnung und Warnung, den mörderischen Wahnsinn, der hinter der rechtsradikalen Weltanschauung steht, weder in Norwegen noch anderswo wieder aufkeimen zu lassen und „hoffähig“ zu machen.

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