The Remains - Nach der Odyssee

Länge:
93 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 12 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 12 Jahren
Kinostart:
26.09.2019
Regie:
Nathalie Borgers
Darsteller:
- / -
Genre:
Dokumentation
Land:
Österreich, 2019

Tausende Menschen machen sich täglich auf die lebensgefährliche Reise nach Europa, auf der Flucht vor Krieg, Gewalt, Folter, Hunger und Vertreibung. Angewiesen auf die dubiosen Methoden von Schlepperbanden lassen viele von ihnen dabei im Mittelmeer ihr Leben. Rund 30.000 Menschen sind es in den letzten 25 Jahren gewesen.

Was passiert eigentlich mit den Toten? Diese Frage stellte sich die vielfach ausgezeichnete österreichische Dokumentarfilmerin Nathalie Borgers am Anfang ihrer filmischen Reise. Diese beginnt mit eindrücklichen Bildern von Wrackteilen und angeschwemmter Kleidung der Toten am steinigen Strand der griechischen Urlaubsinsel Lesbos, die aufgrund ihrer geografischen Nähe zum türkischen Festland das Ziel vieler verzweifelter Flüchtlinge ist. Aber das Meer an der felsigen Küste ist mit seiner starken Strömungen mittlerweile zu einem Massengrab geworden. Ein sehr gefährlicher Ort, wie der griechische Fischer beteuert, der täglich rausfährt, um Menschen das Leben zu retten. Ein Blick in sein Gesicht zeigt, was es den Menschen abverlangt, die tagtäglich mit der Folgen der weltweiten Krise ganz konkret konfrontiert sind. So auch dem Team, das versucht die Leichen anhand von Fotografien, Knochen, Kleidungsstücken zu identifizieren und einen einigermaßen vollständigen Leichnam zusammen zu fügen. Anonyme Gräber, eine Näherei, die Rettungswesten recycelt, die äußerst mühselige Arbeit des Roten Kreuzes mit unzähligen Fotos der Vermissten – in einfachen, starken Bildern wird so die Arbeit vieler Menschen im Hintergrund, jenseits der täglichen Nachrichten gewürdigt.

Im zweiten Teil konzentriert sich der Film auf das Einzelschicksal einer syrischen Familie, die den unfassbaren Tod von 13 Mitgliedern ihrer Familie bei einem Bootsunglück verkraften muss, darunter die im neunten Monat schwangere Ehefrau und zwei kleine Söhne. Farzat Jamil hat das Unglück überlebt, er sah das Boot sinken, er wusste, dass die Familie seines Bruders in den Kabinen eingesperrt war. Wie kann das Leben nach einem solchen Schlag weitergehen?

Die Flüchtlingskrise gehört zur alltäglichen Berichterstattung in den Medien, aber sie hat kein Gesicht und bleibt namenlos und abstrakt in Zahlen, Fakten – oder auch Vorurteilen. Der Dokumentarfilm schließt diese Lücke, zeigt voller Empathie und klarer Beobachtungsgabe den mühsamen Neustart der verbliebenen Familienangehörigen der Familie Jamil. Bei aller Dankbarkeit schlingern die Überlebenden durch den schwierigen Alltag in Wien oder Deutschland, wo Farzats Bruder als einziger der Familie in einem kleinen Dorf lebt. Der Film macht eindrücklich deutlich, wie existenziell wichtig die Bergung der Leichname für die Hinterbliebenen ist, um einen Abschluss zu finden. Ein hochpolitischer Film, gerade weil er nicht den Zeigefinger erhebt, sondern durch die Geschichte einer Familie das Ausmaß der Flüchtlingskrise für den einzelnen greifbar, fühlbar und nachvollziehbar macht. Die Zahlen zur Krise werden zu Menschen.

Anbieter