Simpel

Länge:
113 Minuten
Altersempfehlung:
Ab 12 Jahren
FSK-Freigabe:
Ab 6 Jahren
Kinostart:
09.11.2017
Regie:
Markus Goller, nach dem Roman von Marie-Aude Murail
Darsteller:
David Kross (Simpel), Frederick Lau (Ben), Emilia Schüle (Aria), Devid Striesow (David), Axel Stein (Enzo), Annette Frier (Chantal), Anneke Kim Sarnau (Clara) u. a.
Genre:
Tragikomödie , Großstadtfilm , Literaturverfilmung , Jugend , Road-Movie
Land:
Deutschland, 2017
Seit Ben denken kann, hat er sich um seinen Bruder Barnabas gekümmert, der eine geistige Behinderung hat und den alle Simpel nennen. Denn der 22-Jährige befindet sich auf dem Stand eines Kindes, das sich mit seinem Stofftier Monsieur Hasehase unablässig auf abenteuerliche Erkundungen begibt. Obwohl Ben als Beschützer des Bruders seine eigenen Bedürfnisse zurückgestellt hat, kann er sich ein Leben ohne Simpel nicht vorstellen. Als die Mutter stirbt, soll Simpel auf Veranlassung des Vaters, der sich 15 Jahre lang nicht mehr bei seiner Familie blicken ließ, in ein Heim eingewiesen werden. In letzter Sekunde entwischt Ben mit Simpel, um den in Hamburg lebenden Vater zur Rede zu stellen. Auf ihrer Flucht begegnen sie der Medizinstudentin Aria und dem Sanitäter Enzo, die unkonventionelle Hilfe leisten. Sie machen Bekanntschaft mit dem Rotlichtmilieu auf der Reeperbahn und Simpel verursacht bei einem Koch-Versuch gar einen Brand in Arias Küche. Die Begegnung mit dem Vater verläuft schließlich anders als erhofft und am Ende müssen Ben und Simpel eine Entscheidung treffen, die ihr bisheriges Leben auf den Kopf stellt.

Im Unterschied zur Romanvorlage von Marie-Aude Murail, die 2008 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, spielt der Film nicht in Frankreich, sondern in Norddeutschland. Der Figur von Ben, der seinen Bruder weitaus mehr braucht als umgekehrt, wurde im Film wesentlich mehr Raum zugestanden, wodurch die unzerstörbare tiefe Bruderliebe noch stärker in den Fokus rückt. David Kross als Simpel und Frederick Lau als Ben spielen ihre Rollen sehr überzeugend und glaubwürdig, wobei der Komiker Axel Stein in seiner ernsten Nebenrolle des Sanitäters Enzo die eigentliche Überraschung ist. Dramaturgisch weist der Film leider einige Schwächen auf – von der Polizei, die bei der Suche nach den Brüdern geradezu dilettantische Arbeit leistet, bis zur Figur des von Devid Striesow zwar meisterlich gespielten Vaters, der in seiner vollständigen Ablehnung des behinderten Sohnes aber zu wenige Facetten zeigt und daher überzogen wirkt. Gelungen ist dem Film jedoch die schwierige Balance in den tragikomischen Szenen, die Simpel als einfach gestrickte, aber vollwertige Person hervorheben und zum Verständnis über das Leben mit Menschen mit Behinderung und deren Bedürfnisse beitragen.

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